OÖ. Industrie beschleunigt kräftig

Globaler Aufschwung als Treiber der OÖ. Industriekonjunktur - Manche Branchen erreichen bereits Hochkonjunktur-Niveau – Beschäftigtenstand in der OÖ. Industrie steigt wieder deutlich, Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen muss mit Nachdruck erfolgen – Rasche Impfung von Schlüsselkräften mit dringendem Flugreisebedarf ist wettbewerbsentscheidend

Der Aufschwung der OÖ. Industrie verläuft weiterhin mit hoher Dynamik, das Konjunkturbarometer hat mit +46,6 Punkten inzwischen wieder einen Hochkonjunktur-Wert erreicht. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 1. Quartal 2021, an der sich 100 Unternehmen mit insgesamt 110.242 Mitarbeitern beteiligten, drehten auch die letzten beiden Indikatoren, die im Vorquartal noch im Minusbereich lagen, in den zweistelligen Positivbereich. Die aktuelle Geschäftslage zeigt einen sprunghaften Anstieg: Gewichtet nach Mitarbeiterzahlen meldeten 63 Prozent der Unternehmen (Vorquartal: 38 %) einen steigenden bzw. guten Geschäftsverlauf, nur mehr 4 Prozent (Vorquartal: 34 %) meldeten eine schlechter werdende Geschäftslage ein. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen stieg damit von zuvor +5 auf nunmehr +60 Prozentpunkte (Rundungsdifferenzen nicht ausgeglichen).

„Die global agierende OÖ. Industrie profitiert von dem wiedererstarkten Welthandel überdurchschnittlich“, betont IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch: „Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2021 mit rund 6 Prozent das größte weltweite Wachstum der vergangenen 50 Jahre. Getragen wird es von den USA und China, wo die Wirtschaft um sechseinhalb bis achteinhalb Prozent wachsen könnte.“ Für Oberösterreich hat das sehr positive Auswirkungen: „Insbesondere die Metallindustrie von der Erzeugung bis hin zur Verarbeitung, die chemische Industrie, der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektro- und Elektronikindustrie oder auch die Bauindustrie entwickeln sich überdurchschnittlich gut“, analysiert Haindl-Grutsch. Im Gegensatz dazu seien weiterhin jene Bereiche stark betroffen, die unter den Corona-Maßnahmen direkt oder indirekt leiden, wie etwa die Luftfahrtzulieferer oder die Brauereien. „Der starke Aufschwung führt zu entsprechenden Problemen bei den Rohstoff- und Transportkosten, in der Zulieferkette und vor allem bei der Rekrutierung von Fachkräften.“

Die Ergebnisse im Detail

Wie erwähnt kamen bei der jüngsten IV-OÖ-Konjunkturumfrage sämtliche Werte im zweistelligen Positivbereich zu liegen: Neben der aktuellen Geschäftslage verzeichnete auch die derzeitige Ertragssituation einen starken Anstieg (Saldo: +32 Punkte, zuvor -21), bei den Auftragsbeständen und den Auslandsaufträgen stieg der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen auf +53 Punkte (zuvor +20) bzw. auf +39 Punkte (zuvor +21). Etwas vorsichtiger werden aufgrund der hohen Volatilität der Corona-Krise die Geschäftslage in 6 Monaten und die Ertragssituation in 6 Monaten eingeschätzt, dort ging der Saldo von +40 auf nun +35 Punkte bzw. von zuvor +29 auf nunmehr +20 Punkte zurück. Die übrigen in die Zukunft gerichteten Indikatoren weisen aber weitere Steigerungen auf: Bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten verbesserte sich der Saldo von +35 auf nun +53 Punkte, bei der Auslastung der Produktionskapazitäten von zuvor +30 auf nunmehr +51 Punkte. Auch die Verkaufspreise zeigen eine steigende Tendenz, der Saldo stieg um 19 auf nun +40 Punkte.

OÖ. Industrie schafft Arbeitsplätze

Besonders erfreulich ist, dass sich die positiven Zukunftsaussichten und der anhaltende Konjunkturaufschwung auch auf den Beschäftigtenstand in der OÖ. Industrie auszuwirken beginnt. Wieder gewichtet nach Mitarbeiterzahlen gaben zuletzt 37 Prozent der Unternehmen an, weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen, während nur mehr 4 Prozent eine weitere Reduktion ihres Beschäftigtenstandes planen. Damit drehte der Saldo, der im Vorquartal noch bei -9 Punkten lag, auf nunmehr starke +33 Prozentpunkte. „Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung ist es gerade in Oberösterreich nicht akzeptabel, dass es weiterhin eine viel zu hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen gibt“, moniert Haindl-Grutsch. Die Nachfrage nach Fachkräften wie auch nach Anlernkräften ist hoch, die entsprechenden Fördermaßnahmen für betriebsnahe Qualifizierung sind attraktiv: „Eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt muss daher mit Nachdruck erfolgen!“

Standortpolitik muss Aufschwung fördern

Der IV OÖ-Geschäftsführer weist auch darauf hin, dass die weltweite Reisetätigkeit weiterhin stark eingeschränkt ist: „Umso wichtiger ist jetzt, dass heimische Schlüsselkräfte mit dringlichem internationalem Flugreise-Bedarf – wie beispielsweise Mitarbeiter zur Installierung und Wartung von Maschinen und Anlagen, Projektleiter, Vertriebsmitarbeiter oder Führungskräfte mit strategischen Schlüsselaufgaben – wieder auf den globalen Märkten präsent sein können, um nicht einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern mit hoher Durchimpfungsrate zu erleiden.“

Eine kluge oberösterreichische Standortpolitik beinhaltet jetzt Maßnahmen zur Unterstützung des Aufschwungs: „Auf Landesebene muss die Priorität auf Standort-attraktivierenden Maßnahmen liegen, damit wir dem Ziel, bis 2030 zu den industriellen Spitzenregionen Europas aufzusteigen, weitere Schritte näher kommen“, so IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch. Die IV OÖ habe dazu den Zukunftsplan „Industriestandort OÖ 2030“ mit 20 prioritären Maßnahmen vorgelegt. „Dazu zählen vor allem die Realisierung der Technischen Universität für Digitalisierung und digitale Transformation in Oberösterreich, die rasche Umsetzung wesentlicher Infrastrukturprojekte, die Modernisierung der öffentlichen Dienstleistungen und Qualitätssteigerungen im Schulsystem. Mit diesem Maßnahmenpaket gelingt es, die Qualität des Standortes Oberösterreich nachhaltig zu steigern und im Konzert der Besten mitzuspielen!“

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