Konjunkturumfrage

Eintrübung nach Konjunkturhoch

Ergebnisse der IV OÖ-Konjunkturumfrage bestätigen Prognosen: Wichtige Stärkefelder erhalten erste Dämpfer, Oberösterreichs Industriekonjunktur kühlt auf „Normaltemperatur“ ab – Ist-Werte wie Auftragsbestände und Geschäftslage reduzieren sich auf Normalmaß, Stabilisierung auf akzeptablem Niveau zeichnet sich ab – Standort braucht nun vorausschauende Politik und weitere Attraktivierung

Das Wichtigste vorneweg: Die prognostizierte Konjunkturabkühlung ist in den Ergebnissen der jüngsten IV OÖ-Konjunkturumfrage über das 4. Quartal 2018 (97 Unternehmen mit insgesamt rund 100.200 Mitarbeitern) schwarz auf weiß nachzulesen, von einer Krise ist darin aber nichts zu sehen. „Zwar kam es bei sämtlichen Ist-Werten zu Rückgängen, die in einigen Umfrage-Items auch recht deutlich ausfielen, bei manchen Zukunftsindikatoren zeichnen sich aber sogar leichte Verbesserungen gegenüber den Werten des Vorquartals ab“, erklärt Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ). So wurde die derzeitige Geschäftslage gewichtet nach Mitarbeiterzahlen von 56 Prozent der Betriebe mit „gut“ beurteilt, 5 Prozent votierten mit „schlechter“ – der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen reduzierte sich damit von überdurchschnittlich hohen 82 Punkten im 3. Quartal 2018 auf nunmehr 51 Punkte. Ähnlich verhält es sich mit den derzeitigen Auftragsbeständen und den aktuellen Auslandsaufträgen, deren Saldowerte von 83 auf 56 bzw. von 85 auf 55 Punkte zurückgingen. Wie bei der Geschäftslage finden auch hier die Verschiebungen von der Antwortmöglichkeit „steigend“ (bzw. „gut“) auf „gleichbleibend“ statt, sowohl bei den Auftragsbeständen als auch bei den Auslandsaufträgen meldete jeweils nur 1 Prozent der Unternehmen fallende Werte. Konform dazu reduzierte sich auch bei der derzeitigen Ertragssituation der Saldo von 53 auf nunmehr 40 Punkte; in der Detailbetrachtung kam es aber auch hier zu einer Verschiebung in Richtung Mitte.

Die Zukunftsindikatoren im Detail

Gemäßigter als bei den Ist-Werten fielen die Rückgänge bei den zukunftsgerichteten Indikatoren aus. Bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten und der Auslastung der Produktionskapazitäten in 3 Monaten ging der wiederum nach Mitarbeiterzahlen gewichtete Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von 16 auf 5 Punkte bzw. von 12 auf 3 Punkte zurück, bei den Verkaufspreisen in 3 Monaten reduzierte er sich von 10 auf 5 Punkte. Bei der zuvor sehr negativ eingeschätzten Geschäftslage in 6 Monaten (Saldo: -8 Punkte, zuvor -24) und bei der Ertragssituation in 6 Monaten (Saldo: -7 Punkte, zuvor -12) kam es sogar zu leichten Verbesserungen, beide Salden nähern sich von klaren Minuswerten nun wieder der Null-Linie an. „Daraus lässt sich ablesen, dass die Hochkonjunktur der letzten beiden Jahre den Zenit bereits deutlich überschritten und die Abkühlungsphase bereits eingesetzt hat“, resümiert Haindl-Grutsch. Die Vorsicht in der OÖ. Industrie nehme tendenziell zu, auf Kapazitätsauslastungen und Kosten werde ein verstärktes Augenmerk gelegt. Der IV OÖ-Geschäftsführer sieht darin aber keinen Grund, eine Krise herbeizureden.

Stabil hoher Beschäftigtenstand

Diese grundlegende Konjunktureinschätzung scheint sich in den stabilen Mitarbeiterzahlen widerzuspiegeln. Beim Beschäftigtenstand in 3 Monaten reduzierte sich zwar der Saldo von zuvor 16 auf nunmehr 13 Punkte, allerdings gaben 15 Prozent der Unternehmen (zuvor 17 %) an, weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen, während lediglich 2 Prozent (zuvor 1 %) an einen Stellenabbau denken. Das aktuelle Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Bewertungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in 6 Monaten bestimmt wird, ging von 29,0 auf 20,8 Punkte zurück. Der Höhepunkt liegt bereits vier Quartale zurück. Es befindet sich damit aber noch weit über der Null-Linie und nähert sich nun wieder jenem Trendkanal an, in dem es sich vor der jüngsten Hochkonjunktur 2017/2018 bewegte.

„Die konjunkturelle Eintrübung ist vor allem auf die internationalen Entwicklungen zurückzuführen“, fasst Joachim Haindl-Grutsch zusammen: „Das weltweite Wirtschaftswachstum bremst sich ein, manche internationale Risiken wie z.B. die Situation von China und den USA wirken sich aus.“ Umso wichtiger sei es, dass die Politik sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene vorausschauend und verantwortungsvoll agiert. „Die OÖ. Landesregierung muss den eingeschlagenen Budgetkurs mit ausgeglichenen Budgets und Schuldenrückzahlung konsequent weiterverfolgen und die für die Zukunft so entscheidenden Rahmenbedingungen wie Forschung, Bildung, Hochschulen, Digitalisierung und Infrastruktur offensiv weiterentwickeln. Es braucht eine ruhige Hand der Politik und den Mut, Veränderungen rechtzeitig umzusetzen, um das Land auf einem erfolgreichen Kurs zu halten.“