Zeugnistag für den Standort - Ergebnisse der Mitgliederumfrage der IV OÖ

Personalkosten bleiben größtes Problem

Eine klare Priorisierung zeigt die Frage nach den größten Problemen und Herausforderungen für die Betriebe in den nächsten fünf Jahren. Die Personalkosten sind wie schon im Vorjahr klares Thema Nummer 1 bei den Mitgliedern. 84 Prozent sehen darin das größte Problem. Weitere vier Themen folgen mit Abstand dahinter und Bewertungen auf ähnlichem Niveau.

Auf Platz zwei liegt erstmals mit 64 Prozent das volatile internationale Umfeld. Dieser Wert hat sich infolge des Irankrieges weiter erhöht. Der langfristige Trend seit 2010 zeigt stetig nach oben, die weltweite Entwicklung ist für die OÖ. Industrie deutlich weniger berechenbar und viel fragiler geworden.

Nahezu gleich herausfordernd bewerten die Mitglieder den Verwaltungsaufwand bzw. die Behördenverfahren (63 Prozent), die Steuern und Abgaben (62 Prozent) und die Energiekosten (55 Prozent). Keine hohe Relevanz mehr hat für die Betriebe das Finden qualifizierter Mitarbeiter. Nach vielen Jahren mit Höchstbewertungen sinken die Zahlen bei diesem Thema seit 2024 und haben 2026 mit nur mehr 34 Prozent einen neuen Tiefstwert erreicht. Rezession und Deindustrialisierung haben dieses Problem für die Betriebe in den Hintergrund rücken lassen.

Hohe Reformerwartungen

Gänzlich neu abgefragt wurde die Zustimmung zu einzelnen Reformen in Österreich. Auf Platz eins liegt eine Pensionsreform. Nahezu 9 von 10 Mitgliedern sehen dabei eine zumindest hohe Priorität, absoluter Bedarf mit der höchsten Priorität wird von knapp 60 Prozent erkannt. Ähnlich hoch bewertet wird das Thema Steuerreform. 46 Prozent in der Topnote bzw. ebenso über 80 Prozent in der Kumulation zeugen von hoher Dringlichkeit aus Sicht der Mitglieder. Auch eine potenzielle Gesundheitsreform erreicht rund drei Viertel Zustimmung, in diesem Zusammenhang ergibt sich damit der dritte Platz im „Reformen-Ranking“.

Mut zur Veränderung mit offensiver Standortpolitik

„Die Mitglieder der IV OÖ unterscheiden je nach politischer Ebene stark in ihrer Einschätzung des Industriestandortes. Europa wird im Vergleich zu den USA und China als zu wenig wettbewerbsfähig eingestuft. Mit der Performance der österreichischen Bundesregierung in Relation zur Größe der Probleme des Standortes Österreich ist die OÖ. Industrie sehr unzufrieden. Schulden- und Staatsausgabenquoten auf Rekordniveau gepaart mit fehlenden strukturellen Reformen und einer kontinuierlich sinkenden Wettbewerbsfähigkeit lasten schwer auf den Schultern der Betriebe. 

Die Anstrengungen auf Landesebene für einen gesunden Haushalt, für den Ausbau der KI-Kompetenz und die generelle Attraktivierung des Standortes werden hingegen in der Bewertung der Mitglieder ausdrücklich honoriert. Sie sollten mit hohem Tempo weitergeführt werden, weil die Transformationsgeschwindigkeit durch Künstliche Intelligenz enorm ist und die Fragilität globaler Entwicklungen hoch bleiben wird“, betont Haindl-Grutsch abschließend. „Oberösterreich muss mit der Exzellenzstrategie KI den Wandel des Standortes mit hohem Tempo vorantreiben, um den internationalen Anschluss an das Produktivitätsniveau und die Innovationskraft industrieller Spitzenregionen in Europa halten zu können.“