Der Fußball zeigt, wie durch kleine Regeländerungen das Verhalten der Spieler stark verändert wird. Die Politik sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Ein gesellschaftspolitischer Kurswechsel mit Anreizen statt Überintervention ist dringend notwendig. Die Mehrwertsteuersenkung ist ein Paradebeispiel, wie es nicht geht.
Während sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Aufmerksamkeit auf Tore und Taktik richtet, findet eine der spannendsten Entwicklungen abseits des Balles statt: Neue, einfache Regeln sorgen für deutlich weniger Zeitschinderei, mehr Spielfluss und ein attraktiveres Spiel.
Dauert ein Einwurf oder Abstoß nach Ansicht des Schiedsrichters zu lange oder wird absichtlich verzögert, zeigt er einen Fünf-Sekunden-Countdown an. Ist der Ball nach Ablauf nicht im Spiel, wird der Einwurf dem gegnerischen Team zugesprochen bzw. bei Abstoß auf Eckball für die andere Mannschaft entschieden. Ein Spieler, der vom Platz muss, hat genau zehn Sekunden Zeit, um das Spielfeld zu verlassen. Überschreitet der Spieler diese Zeitspanne, muss seine Mannschaft kurzzeitig in Unterzahl spielen. Der Einwechselspieler darf das Feld erst bei der nächsten Spielunterbrechung betreten, jedoch frühestens, wenn eine Minute nach der Wiederaufnahme des Spiels vergangen ist. Wird ein Spieler aufgrund einer Verletzung auf dem Spielfeld untersucht, muss er das Spielfeld verlassen und darf erst eine Minute nach Spielfortsetzung zurück aufs Feld.
Mit wenigen gezielten Maßnahmen werden Fehlanreize beseitigt und das Verhalten der Spieler stark verändert. Für die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) ist das weit mehr als eine sportliche Randnotiz. Es ist ein Lehrstück dafür, wie intelligente Rahmenbedingungen das Verhalten von Menschen verändern können – ohne immer neue Verbote, Kontrollen oder komplizierte Vorschriften schaffen zu müssen.
„Der Fußball zeigt eindrucksvoll, dass oft kleine, kluge Regeländerungen ausreichen, um große Verhaltensänderungen zu erreichen. Niemand diskutiert darüber, ob Zeitspiel verboten werden soll – man hat einfach die Anreize verändert. Genau diese Denkweise brauchen wir auch in der Politik wesentlich stärker“, betont IV OÖ-Präsident Thomas Bründl.
Wer Fehlanreize schafft, erhält Fehlverhalten
Regeln bestimmen das Verhalten von Menschen, Unternehmen und unserer gesamten Gesellschaft. Wer Fehlanreize schafft, erhält Fehlverhalten. Wer Verantwortung belohnt, stärkt Eigeninitiative, Innovation und Leistungsbereitschaft. Gerade auch deshalb sieht die IV OÖ das Doppelbudget der Bundesregierung besonders kritisch. Keine einzige Maßnahme führt zu einer Verhaltensänderung, es werden ausschließlich zusätzliche Kosten und bürokratische Auflagen generiert, ohne das System zu verbessern. „Österreich braucht kein Belastungspaket sondern ein Mehrwertpaket. Neue Berichtspflichten, zusätzliche Abgaben und immer mehr Regulierung lösen keine Probleme. Sie machen das Leben für Bürger und Unternehmen komplizierter, teurer und langsamer“, sagt IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
Die IV OÖ fordert deshalb einen grundlegenden Perspektivenwechsel in der Politik. Ziel müsse es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Menschen und Unternehmen zu einem gewünschten Verhalten motivieren. Dazu gehören etwa stärkere Leistungsanreize, attraktivere Bedingungen für längeres Arbeiten, Investitionsanreize statt Förderbürokratie oder ein konsequenter Abbau von Überregulierung. „Eine funktionierende Marktwirtschaft lebt davon, dass sich Leistung lohnt und Verantwortung übernommen wird. Wenn hingegen das Ausnützen von Systemen gesellschaftlich akzeptiert wird, verlieren am Ende alle“, so Haindl-Grutsch.
Mehrwert statt Überintervention
Die IV OÖ plädiert dafür, den Staat wieder stärker auf seine eigentliche Rolle zu konzentrieren: faire Spielregeln festzulegen, statt permanent selbst ins Spiel einzugreifen. Mehr Markt bedeute nicht weniger Ordnung, sondern bessere Ordnung. „Im Fußball sorgt ein Schiedsrichter für faire Regeln, nicht für jeden einzelnen Spielzug. Genau so sollte auch der Staat handeln. Er sollte den Rahmen setzen, aber den Menschen und Unternehmen wieder mehr Vertrauen entgegenbringen. Mehr Markt und weniger regulatorische Felsbrocken würden Österreich deutlich wettbewerbsfähiger machen“, erklärt Bründl. „Die aktuelle Mehrwertsteuersenkung plus Paketabgabe ist ein Paradebeispiel, wie es nicht geht.“
Die Erfahrungen der Fußball-WM zeigen, dass kleine Regeländerungen ausreichen, um das Verhalten der Spieler nachhaltig zu verändern. Davon profitieren Spieler, Zuschauer und das ganze Spiel. Analog profitieren Menschen, Unternehmen und das ganze Land von entsprechenden politischen Maßnahmen. Die IV OÖ fordert daher einen gesellschaftspolitischen Kurswechsel, weg von der Überintervention, hin zu intelligenten Anreizsystemen. „Wie im Fußball gilt auch für die Politik – von den richtigen Lenkungsmaßnahmen profitieren alle. Wir werden dazu im Herbst ein Mehrwertpaket mit Detailmaßnahmen vorlegen“, so Bründl abschließend.


