Die neuerliche Eskalation im Nahen Osten zeigt einmal mehr eine grundlegende Schwäche des europäischen Strommarktes: Steigende Gaspreise können über das Merit Order-System die Strompreise massiv nach oben treiben – selbst in Ländern wie Österreich, deren Stromerzeugung zu ca. 90 Prozent auf erneuerbaren Energieträgern basiert. Die IV Oberösterreich fordert daher eine rasche Weiterentwicklung des Strommarktdesigns.
„Wir können nicht bei jeder geopolitischen Krise wieder zusehen, wie explodierende Gaspreise über die Merit Order auf die Strompreise durchschlagen. Österreich verfügt über einen enormen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung und insbesondere über einen großen Bestand an Wasserkraft. Dieser Standortvorteil muss endlich auch bei den Strompreisen ankommen“, fordert IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.
Das derzeitige System folgt dem Prinzip des Grenzkraftwerks: Im europäischen Day-Ahead-Markt erhalten grundsätzlich alle zum Zug kommenden Erzeuger den Preis des teuersten noch benötigten Kraftwerks. Gerade in angespannten Stunden sind dies häufig Gaskraftwerke. Steigt der Gaspreis, steigt damit der Börsenstrompreis – unabhängig davon, ob große Strommengen gleichzeitig wesentlich günstiger aus Wasser-, Wind- oder Sonnenkraft erzeugt werden.
„Die Merit Order hat ökonomisch ihre Berechtigung für die kurzfristige Einsatzreihenfolge der Kraftwerke. Aber ein System, in dem ein kleiner fossiler Anteil den Preis großer Mengen günstigen erneuerbaren Stroms bestimmt, ist in geopolitischen Krisenzeiten für einen Industriestandort nicht ausreichend resilient“, so Haindl-Grutsch. „Wir brauchen keine Abschaffung des Marktes, sondern ein besseres Marktdesign.“
„Europa kann nicht gleichzeitig über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie klagen und ein Strommarktdesign akzeptieren, das jeden geopolitischen Gaspreisschock nahezu unmittelbar in einen Strompreisschock verwandelt“, betont Haindl-Grutsch. „Für Österreich muss gelten: Heimische Wasserkraft muss zu einem echten Standortvorteil werden – nicht nur in der Energiestatistik, sondern auch auf der Stromrechnung.“


