2025 brachte keine ausreichenden Reformantworten der neuen Bundesregierung auf die Standortkrise – Kostendruck auf die OÖ. Industrie steigt 2026 weiter – Standortoffensive auf Landesebene durch konsequente Umsetzung der Exzellenzstrategie KI – IV OÖ ermöglicht neuen Forschungsraum von Industrie und JKU in 4 Fachgebieten
Standortoffensive

Thomas Bründl, Präsident der IV OÖ: Ausblick 2026
Das Jahr 2025 brachte keinen Umschwung für den Standort Österreich. Auf die hausgemachten Probleme des Industriestandortes Österreich bei Kosten, Steuerbelastung und Bürokratie wurden von der Bundesregierung keine adäquaten Antworten gefunden. Substanzielle Reformen blieben bisher ebenso aus wie kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Stimulierung von Investitionen der Betriebe und von Mehrleistung der Beschäftigten.
Der Ausblick auf das neue Jahr bleibt von großer Unsicherheit geprägt, der Kostendruck auf die OÖ. Industrie nimmt weiter zu. 2026 bietet die letzte Chance, entsprechende Maßnahmen zu setzen, bevor sich 2027 das wahlfreie Fenster wieder schließt. Bleiben diese aus, droht eine Verfestigung der wirtschaftlichen Schwäche. Die strukturellen Belastungen, die seit Jahren Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit dämpfen, werden sich weiter akkumulieren und den industriellen Kern Oberösterreichs nachhaltig beschädigen.
Auf internationaler Ebene ist auch 2026 mit anhaltender geoökonomischer Fragmentierung zu rechnen. Protektionistische Maßnahmen, industriepolitische Subventionen anderer Wirtschaftsräume und eine fortgesetzte Aufwertung des Euro werden den Druck auf exportorientierte Industriebetriebe weiter erhöhen. Die OÖ. Industrie steht im Wettbewerb mit Standorten, die wesentlich niedrigere Personal- und Energiekosten, weniger Regulierung und eine aktivere Industriepolitik bieten.
Auf Bundesebene bleiben die Standortkosten der zentrale Bremsfaktor. Ohne substanzielle Reformen im Pensions-, Gesundheits- und Fördersystem wird sich die angespannte Budgetsituation nicht entschärfen und damit die Steuerquote nicht sinken können. Hohe Lohnstückkosten bei gleichzeitig rückläufiger Jahresarbeitsleistung erzeugen eine Produktivitätslücke zu internationalen Mitbewerbern, die sich weiter vergrößert. Mit einer spürbaren Entlastung bei Bürokratie und Regulierung ist auch 2026 nicht zu rechnen. Vielmehr drohen neue europäische und nationale Vorgaben die administrativen Kosten weiter in die Höhe zu treiben.
Besonders kritisch bleibt die Energie- und Klimapolitik: Österreich generiert aus günstig erzeugtem Wasserkraftstrom keinen strategischen Standortvorteil für seine Unternehmen. Ein Faktum, welches wohl weltweit einzigartig ist. Zusätzlich steigen durch die volatile Stromerzeugung aus Wind und Sonne die Systemkosten aufgrund des dafür notwendigen Ausbaus der Netze, Speicher und Reservekapazitäten enorm und müssen von allen Stromkonsumenten getragen werden. CO2-Zertifikatskosten belasten die energieintensive Industrie zusätzlich.
Der angekündigte Industriestrompreis im Rahmen der Industriestrategie nach deutschem Vorbild für die kommenden drei Jahre ist daher sehr zu begrüßen. Entscheidend ist dabei die Ausgestaltung im Detail, damit davon im Gegensatz zum SAG wirklich alle Industriebetriebe mit hohen Stromkosten im Verhältnis zum Umsatz profitieren können.
Ein nachhaltiger Aufschwung ist nur dann realistisch, wenn die Bundesregierung den politischen Fokus von kurzfristiger Symptombekämpfung auf strukturelle Reformen und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen verlagert. Ohne Verbesserung der nationalen Rahmenbedingungen und ohne Aufbruchsstimmung droht 2026 eine Fortsetzung der industriellen Stagnation – mit negativen Folgen für den Standort: Investitionen werden verschoben oder ins Ausland verlagert, Arbeitsplätze wandern zunehmend vom wertschöpfungsintensiven Industriesektor in den öffentlichen Dienstleistungssektor. Eine wiedersteigende Industriequote und ein saniertes Budget bei sinkender Staatsausgaben- und Steuerquote sind entscheidende Voraussetzungen für den Turnaround in Österreich.
Die IV OÖ sieht in der Zustimmung zum Mercosur-Abkommen auf EU-Ebene ein enorm wichtiges wirtschaftspolitisches Signal – insbesondere für den Industriestandort Oberösterreich. Internationale Handelsabkommen sind kein Selbstzweck, sondern ein zentrales Instrument, um Wachstum, Beschäftigung und Investitionen abzusichern. Oberösterreich sorgt für mehr als ein Viertel aller Exporte Österreichs, 60 Prozent der Warenproduktion im Bundesland gehen in den Export. Mit 11,8 Mrd. erzielt Oberösterreich den höchsten Handelsbilanzüberschuss aller Bundesländer. Vor diesem Hintergrund ist die ablehnende Haltung Österreichs gegenüber dem Abkommen völlig unverständlich und macht fassungslos. Wer Wohlstand und industrielle Arbeitsplätze sichern will, muss auch den Mut haben, sich zu internationaler Vernetzung zu bekennen. Als nächsten wichtigen Schritt muss die EU das Handelsabkommen mit Indien abschließen.
Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ: Exzellenzstrategie KI für den Industriestandort OÖ
Die standortpolitischen Antworten auf die Krise, die auf Landesebene gegeben werden können, finden sich in den Bereichen Forschung, Innovation, Technologie und Qualifizierung. Vor diesem Hintergrund präsentierte die IV OÖ im Oktober 2025 die Exzellenzstrategie KI für den Industriestandort Oberösterreich.
Europäische Spitzenregionen entwickeln sich in den letzten Jahren aufgrund des bundespolitischen Bremsklotzes dynamischer als Oberösterreich. Das Bundesland könnte bei einer Fortführung des aktuellen Trends über 2026 hinaus aus dem obersten Quartil des Wohlstandsniveaus der europäischen Industrieregionen fallen. Hauptproblem ist die im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Produktivitätsentwicklung (Wertschöpfung pro geleisteter Arbeitsstunde). Eine anhaltend geringe Steigerung der Produktivität schmälert langfristig die Wohlstandschancen einer Region, da sie auf eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Volkswirtschaften hindeutet. Dem regionalen Innovationsökosystem muss es in Zukunft noch besser gelingen, die gute Innovationsleistung in tatsächliche Wertschöpfung am Standort zu transferieren.
KI ist nicht bloß eine neue Technologie: „Either we disrupt or we get disrupted” lautet die eindeutige Botschaft. Firmen, die KI benutzen, werden jene verschwinden lassen, die keine benutzen. Dies gilt ähnlich für ganze Standorte. Damit Oberösterreich eine industrielle Spitzenregion in Europa bleibt, muss sich der Standort umfassend und in hohem Tempo transformieren. Die Exzellenzstrategie KI bildet die Grundlage für eine umfassende Standortoffensive. Oberösterreich verfügt über herausragende Kompetenzen in Forschung, Technologie und Qualifikation – jetzt gilt es, diese Potenziale der Transformation durch KI in eine nachhaltig gestärkte Produktivität und mehr Innovationskraft überzuführen.
LIT AI Synergy-Lab als gemeinsamer Forschungsraum von Industrie und Universität
Als ganz konkreten Beitrag im Rahmen der Exzellenzstrategie KI etabliert die IV OÖ mit der Johannes Kepler Universität Linz einen gemeinsamen Forschungsraum von Universität und Industrie in Form des „LIT AI Synergy-Lab“. Durch die Initiative, welches die historisch größte finanzielle Unterstützung der IV OÖ für ein Einzelprojekt darstellt, wird exzellente KI-Forschung gezielt mit industriellen Anwendungsfeldern verknüpft und so Technologietransfer, Innovationskraft und die internationale Positionierung des Industriestandorts Oberösterreich gestärkt.
Ziel der Initiative ist es, exzellente KI-Forschung systematisch mit jenen Fachgebieten zu verknüpfen, die für die industrielle Wertschöpfung von zentraler Bedeutung sind – heute und in Zukunft.
Für die Etablierung eines gemeinsamen Forschungsraums stellt die IV OÖ eine Investition in der Höhe von 1 Mio. EUR 2026 bis 2028 in folgenden vier Bereichen zur Verfügung:
- Robotik
- Strömungslehre
- Chemie & Life Sciences
- Quantenwissenschaften
Für jedes dieser Themenfelder wird eine eigene Prä-Doc-Stelle eingerichtet, die als verbindendes Element zwischen universitärer Forschung und industrieller Praxis fungiert. Damit wird die Industrie frühzeitig und strukturiert in den Forschungsprozess eingebunden.
Ein zentrales Anliegen aus Sicht der Industrie ist die Möglichkeit, konkrete und aktuelle Themenstellungen für Dissertationen aktiv mitzugestalten. Der kontinuierliche Dialog stellt sicher, dass wissenschaftliche Exzellenz und industrielle Relevanz Hand in Hand gehen. Unternehmen profitieren von frühzeitigem Zugang zu neuestem Know-how, innovativen Lösungsansätzen und wissenschaftlicher Tiefe. Gleichzeitig gewinnen Nachwuchswissenschaftler wertvolle Einblicke in industrielle Anforderungen, reale Daten und konkrete Anwendungsfelder – ein entscheidender Faktor für qualitativ hochwertige und praxisnahe Dissertationen.
Besonders wertvoll für die Betriebe ist die Hebelwirkung der eingesetzten Mittel: Unternehmen können zusätzlich zu den gemeinsam definierten Dissertationsthemen eigene selbstfinanzierte Projekte und Fragestellungen an das Synergy-Lab andocken. Dadurch entstehen Synergien, die über einzelne Forschungsarbeiten hinausgehen und nachhaltige Innovationsprozesse ermöglichen.
Die Kooperation zeigt, wie durch enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft zukunftsweisende KI-Kompetenzen aufgebaut werden können. Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet, Oberösterreich als führenden Industriestandort und als internationales Zentrum für industrienahe KI-Forschung weiter zu stärken.
Stefan Koch, Rektor der JKU: JKU Linz als Forschungs-Hotspot für KI
Die Johannes Kepler Universität Linz ist seit vielen Jahren ein wissenschaftlich renommierter und international sichtbarer Hotspot für Forschung und Lehre im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Mit einem der europaweit ersten KI-Studienprogramme und einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Fachbereichen, die auf das vorhandene Know-how zurückgreifen, ist die JKU eine zentrale Wissensdrehscheibe für die digitale Transformation. Mehr als 50 Millionen Euro konnten bereits an Drittmitteln zum Thema KI eingeworben werden. Daneben verdeutlichen zahlreiche Spitzenforschungsgruppen – darunter das LIT Artificial Intelligence Lab, die ELLIS Unit Linz oder der österreichweite FWF Cluster of Excellence Bilateral AI unter der Leitung der JKU – den Anspruch der Universität, KI nicht nur anzuwenden, sondern deren Methoden weiterzuentwickeln.
„Die JKU verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit dem Willen, den gesellschaftlichen Impact von KI mitzugestalten“, erklärt JKU Rektor Univ.-Prof. Dr. Stefan Koch. „Unser Ziel ist es, nicht nur Wissen um KI zu vermitteln, sondern die Technologie selbst und die Entwicklung neuer entsprechender Anwendungen aktiv voranzutreiben.“
Darüber hinaus wird an der JKU bereits jetzt an den Möglichkeiten von KI in anderen Anwendungsfeldern gearbeitet. Beispielsweise hat sich die Forschungsgruppe AI in Life Sciences (AILS) das Ziel gesetzt, Machine Learning für Biowissenschaften mitzugestalten und KI mit Biologie und Chemie zusammenzubringen. Mit dem neu gegründeten Klinischen Forschungsinstitut (KFI) „Medical Artificial Intelligence“ bündelt die JKU die Expertisen verschiedener Fachrichtungen und forscht interdisziplinär. Das KFI soll zentrale Anlaufstelle und Drehscheibe für alle wissenschaftlichen Fragestellungen zu Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Medizin in Oberösterreich werden. Das Institut für Robotik treibt hingegen die Entwicklung intelligenter Robotersysteme maßgeblich voran. Nicht zuletzt setzt man sich an der JKU aktuell auch mit der Verbindung zwischen KI und Partikelströmungsmodellierung auseinander.
Das breit aufgestellte Ökosystem am Standort Oberösterreich mit der JKU schafft eine hervorragende Ausgangssituation für die Entwicklung praxisorientierter Anwendungen: Forschung, Ausbildung, Interdisziplinarität und Technologietransfer greifen an der JKU unmittelbar ineinander. Spin-offs und Ausgründungen wie „NXAI“ oder „Emmi AI“ zeigen bereits, wie rasch JKU-Innovation in skalierbare Wirtschaftsmodelle münden kann.
Brückenschlag zwischen Forschung und Industrie
Mit dem neuen LIT AI Synergy-Lab setzen JKU und IV OÖ einen gemeinsamen strategischen Schritt, um KI-Expertise noch enger mit jenen Fachgebieten zu verzahnen, die für die oberösterreichische Industrie besondere Bedeutung oder hohes Potenzial besitzen. Im Zentrum stehen die Bereiche Robotik, Strömungslehre, Chemie & Life Sciences sowie perspektivisch die Quantenwissenschaften. Für jedes dieser Felder wird eine Prä-Doc-Stelle eingerichtet, welche die Industrie systematisch in den universitären Forschungsprozess einbindet. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen erfolgt dabei in mehreren strukturierten Phasen. Entlang definierter Meilensteine stellen die Prä-Docs ihre Zwischenergebnisse und Fortschritte vor. Zum Abschluss werden die Forschungsergebnisse präsentiert und deren praktische Implikationen für die beteiligten Unternehmen diskutiert. Durch diese kontinuierliche Vernetzung entsteht ein Dialog, der akademische Qualität und industrielle Relevanz verbindet. Die Prä-Docs profitieren von praxisnaher Expertise, was Qualität und Relevanz der Dissertationen erhöhen. Zudem können konkrete Herausforderungen oder Innovationspotenziale der Unternehmen adressiert werden. So rückt das Synergy-Lab jene Fragestellungen in den Fokus, die wissenschaftlich anspruchsvoll sind und gleichzeitig ein klares Anwendungspotenzial besitzen.
„Mit dem LIT AI Synergy-Lab ermöglichen wir ein Projekt, in dem Wissenschaft und Industrie gemeinsam Zukunft schaffen“, so Rektor Stefan Koch. „Die beteiligten Unternehmen profitieren von der exzellenten Forschung und unsere Nachwuchswissenschaftler*innen von der praktischen Perspektive und dem Zugang zu entsprechenden Daten.“
Durch die Anbindung an das Linz Institute of Technology und das House of Research and Innovation erhält das LIT AI Synergy-Lab zudem jene organisatorische und strategische Unterstützung, die internationale Sichtbarkeit und professionelle Projektentwicklung sicherstellt. Das Ergebnis ist ein Forschungsraum, in dem exzellente Grundlagenforschung und konkrete industrielle Herausforderungen gezielt miteinander verschränkt werden.
Wissenschaftlicher Beitrag für den Industriestandort
Diese Kooperation zeigt, wie stark der Industriestandort Oberösterreich von enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit profitieren kann. Für die JKU ist das Projekt ein logischer Schritt, um exzellente universitäre Forschung noch stärker in den industriellen Kontext zu führen. Das LIT AI Synergy-Lab steht für einen modernen Forschungsansatz: wissenschaftlich fundiert, interdisziplinär gedacht und industriell relevant. So wird ein weiterer Schritt gesetzt, um das Industriebundesland Oberösterreich zu einem internationalen Zentrum für innovative und industrienahe KI-Forschung und -Entwicklung zu machen.






