Konjunkturbarometer der IV OÖ hält sich trotz globaler Turbulenzen knapp im positiven Bereich – Europäische und österreichische Industriepolitik mit dringendem Handlungsbedarf – Zusammenarbeit Industrie und IT in Oberösterreich intensivieren– Kronstorf: Ohne Dateninfrastruktur keine Zukunft
OÖ mit Hochdruck KI-ndustrialisieren

Nach zweieinhalb Jahren gelang im vierten Quartal 2025 wieder die Rückkehr des OÖ. Konjunkturbarometers ins positive Terrain. Trotz andauernder globaler Turbulenzen kann sich die Kennzahl, die sich aus dem Mittelwert der aktuellen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten zusammensetzt, mit +1,1 Punkten (nach +7,6 Punkten im Vorquartal) knapp über der Nulllinie halten. „Während die aktuelle Geschäftslage mehrheitlich schlecht eingestuft wird, bleiben die Betriebe in ihrer Einschätzung für die kommenden sechs Monate weiterhin vorsichtig optimistisch“, betont der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) Dr. Joachim Haindl-Grutsch. „Die wirtschaftliche Lage der OÖ. Industrie bleibt im Vergleich zum Vorquartal insgesamt betrachtet relativ unverändert. Zwischen Unternehmen und Branchen gibt es jedoch enorme Unterschiede.“
Die Konjunktur-Ergebnisse im Detail
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IV OÖ über das zweite Quartal 2026 (92 teilnehmende Firmen mit insgesamt rund 119.000 Beschäftigten) zeigen ein gemischtes Bild. Während sich die aktuelle Geschäftslage vor dem Hintergrund schwieriger Rahmenbedingungen von -8 auf -14 Punkte wieder etwas eintrübt, bleibt die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten mit +16 Punkten (nach +23 Punkten im Vorquartal) weiterhin von optimistischer Erwartungshaltung geprägt.
Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich im derzeitigen Auftragsbestand, der sich erstmals seit zweieinhalb Jahren mit +19 Punkten (nach -4 Punkten) deutlich über die Nulllinie bewegt. Dasselbe gilt für die Auslandsaufträge, die ein Plus von +15 (nach -4 Punkten) aufweisen. Die Einschätzungen der Produktionstätigkeit in drei Monaten geht mit +6 Punkten (nach +16) zurück. Auch die Auslastung der Produktionskapazitäten in 3 Monaten wird nun kritischer bewertet und fällt von +12 auf 0 Punkte ab. Die Erwartungen bei der Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten bleiben zwar im deutlich positiven Bereich, entwickeln sich aber etwas weniger optimistisch wie im Vorquartal (+23 nach +31 Punkten). Die derzeitige Ertragssituation hat sich im Vergleich zum ersten Quartal 2026 zwar leicht erholt, bleibt aber mit -22 Punkten (nach -33 Punkte) weiterhin deutlich angespannt. Etwas besser fällt die Einschätzung der Ertragssituation in sechs Monaten aus. Sie zeigt einen leichten Aufwärtstrend und liegt mit +11 Punkten etwas über dem Vorquartalswert von +8 Punkten.
Sorgenkind des Industriestandorts bleibt der Beschäftigtenstand in drei Monaten, der mit -26 Punkten (nach -27) nahezu unverändert tief im negativen Bereich verharrt. Mit 32 Prozent setzen weiterhin ein knappes Drittel der Betriebe den Personalabbau fort, nur 6 Prozent planen einen Mitarbeiteraufbau. „Die viel zu hohen Personalkosten im europäischen Vergleich entfalten weiterhin ihre massiv negative Wirkung. Die Personalkosten bleiben laut aktueller Umfrage klares Thema Nummer 1 in der OÖ. Industrie. 84 Prozent sehen darin das größte Problem des Standortes“, so Haindl-Grutsch.
Industriepolitik mit dringendem Handlungsbedarf
Auf globaler Ebene zeigt sich erneut, wie stark der Standort Europa im Vergleich mit China und den USA an Attraktivität eingebüßt hat. Laut Umfrage der IV OÖ schätzen mittlerweile 89 Prozent die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Vergleich mit China geringer ein, im Vergleich mit den USA sind es 72 Prozent. Sowohl kosten- als auch technologieseitig steht die europäische Industrie unter enormem Druck. Der von der Europäischen Kommission kürzlich vorgelegte Vorschlag zur Revision des EU-Emissionshandels (ETS1) ist daher als erster notwendige Schritt für die energieintensive Industrie sehr zu begrüßen, der in zentralen Punkten jedoch noch substanziell nachgebessert werden muss.
Nachdem die europäische Kommission den Ernst der Lage in der Zwischenzeit offenbar erkannt hat, ist es völlig absurd, dass die österreichische Bundesregierung weiterhin am Ziel 2040 statt EU-konform 2050 für die Klimaneutralität Österreichs festhält. Die Bundesregierung wäre gut beraten, dieses Gold Plating angesichts der bedrohlichen Lage des Industriestandortes endlich zurückzunehmen. Stattdessen muss in der europäischen und insbesondere in der österreichischen Energie- und Klimapolitik endlich Kostenwahrheit und der Blick auf die Gesamtsystemkosten im Mittelpunkt stehen. „Günstige Energie ist ein Wohlstandsmotor, teure Energie kostet Wohlstand. Eine europäisch koordinierte Energiepolitik, die die Stärken der jeweiligen Länder berücksichtigt, sowie ein konsequenter Ausbau von europäischer Energieinfrastruktur mit schnelleren Genehmigungsverfahren sind der richtige Weg und nicht teure Energieautarkiebestrebungen auf nationalstaatlicher oder gar Bundesländerebene“, betont Haindl-Grutsch.
Auch die ELAB2040-Studie des Fraunhofer-Instituts zur Entwicklung des Automotive-Sektors verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf in der europäischen Industriepolitik. Österreich ist aufgrund seiner starken Spezialisierung auf die Produktion von Komponenten für den Antriebsstrang der am stärksten betroffene Automobilstandort in Europa. Die Studie prognostiziert besonders hohe Wertschöpfungsverluste für Österreich. Im zentralen Basis-Szenario 2 – dem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission von Dezember 2025 – weist die Studie für Österreich bis 2040 einen Wertschöpfungsverlust von -13,0 Mrd. Euro bzw. -94 Prozent gegenüber 2025 aus. „Eine Nachschärfung beim EU-Automotive-Paket ist daher dringend erforderlich, um weiteren massiven Arbeitsplatzverlust zu verhindern“, so Haindl-Grutsch.
Zusammenarbeit Industrie und IT in Oberösterreich intensivieren
Die Einschätzung der OÖ. Industrie zum Standort Oberösterreich im Bundesländervergleich liegt traditionell auf hohem Niveau. Der zentrale Hebel und Haupttreiber für die Zukunftsfähigkeit Oberösterreichs liegt im Einsatz von KI in den industriellen Wertschöpfungsprozessen. Oberösterreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einem europäischen Hotspot für KI entwickelt. „Der Standort verfügt über ideale Voraussetzungen für ‚Industrial Intelligence‘, der Anwendung von KI in der Industrie. Dabei ist mehr Tempo gefragt, wie von allen Seiten bestätigt wird. Die ‚KI-ndustrialisierung‘ muss von allen beteiligten Akteuren mit Hochdruck vorangetrieben werden“, betont Haindl-Grutsch.
Google Kronstorf – Ohne Dateninfrastruktur keine Zukunft
Welchen Wohlstand hätte Oberösterreich heute, hätten wir auf jene Demonstranten gehört, die sich gegen Innkreisautobahn, Phyrnautobahn, die Welser Westspange, die B309 nach Steyr und zuletzt den Westring, die Donaukraftwerke, das Kraftwerk Lambach oder auch den Ausbau von Stromleitungen lautstark zu Wort gemeldet haben? Oberösterreich wäre ein Entwicklungsland, das von internationalen Wertschöpfungsflüssen ausgeschlossen wäre.
Heute nutzen sicher auch die Gegner von damals diese Lebensadern eines modernen Standortes. Ganz sicher googeln sie regelmäßig oder nutzen Google Maps. „Es ist immer wieder das gleiche Schema: Eine Minderheit blockiert oder verzögert Infrastrukturprojekte, die für ein exportorientiertes Industrieland wie Oberösterreich überlebensnotwendig sind und die Zukunftsfähigkeit gewährleisten“, kritisiert Haindl-Grutsch. „Ein modernes Datencenter ist heute eine ebenso wichtige Infrastruktur wie Straßen, Schienen oder das Stromnetz. Es bildet das digitale Rückgrat einer Region und ermöglicht den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Cloud-Anwendungen und datenintensiver Forschung.“
Unternehmen sind zunehmend darauf angewiesen, große Datenmengen schnell, sicher und zuverlässig zu verarbeiten – möglichst in räumlicher Nähe zu ihren Standorten. Ein regionales Datencenter stärkt daher die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, erhöht die digitale Souveränität und macht die Region für technologieorientierte Unternehmen und Investitionen attraktiver. Gleichzeitig schafft es die Voraussetzungen für Innovationen in Bereichen wie Automatisierung, Robotik, Medizintechnik oder autonomer Mobilität. „Wer künftig bei KI und Digitalisierung an der Spitze stehen will, braucht leistungsfähige digitale Infrastruktur. Kronstorf ist ein wichtiger Standortvorteil und Erfolgsfaktor für Oberösterreichs Zukunft“, betont Haindl-Grutsch abschließend.
Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der IV beteiligten sich in Oberösterreich 92 Unternehmen mit rund 119.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen Antworten gebildet.


