Konjunkturlage der OÖ. Industrie zum 3. Quartal 2026 trotz turbulentem wirtschaftlichem und politischem Umfeld weiterhin mit zart positiver Tendenz – Stopp des Personalabbaus als erfreulichste Nachricht – Lernende Roboter werden zum Game Changer in der Industrie– Mit Super-Abschreibung den technologischen Strukturwandel beschleunigen
Lieber Roboter abschreiben als den Industriestandort

Das Konjunkturbarometer für die OÖ. Industrie, welches sich als Mittelwert aus aktueller Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten errechnet, bleibt auch im dritten Quartal im positiven Terrain und steigt leicht von +1,1 Punkte auf +4,1 Punkte. Ein national und international anhaltend herausforderndes wirtschaftliches und politisches Umfeld führt dazu, dass die aktuelle Geschäftslage weiterhin keine positive Entwicklung zeigt. Erfreulich ist, dass sich die positive Erwartungshaltung zwar erneut um ein weiteres Quartal in die Zukunft verschiebt, aber trotz aller Widrigkeiten erhalten bleibt.
„Seit zwei Jahren zeigt sich das ungewöhnliche Bild, dass die aktuelle Lage schlechter beurteilt wird als der Ausblick auf die nächsten sechs Monate. Der Optimismus für einen Aufwärtstrend ist stabil vorhanden, hat sich aber noch nicht in einer nachhaltig verbesserten Unternehmensentwicklung materialisiert. Das liegt einerseits an den zahllosen globalen Herausforderungen und anderseits an fehlenden heimischen Strukturreformen, die das Vertrauen in den Standort Österreich wieder stärken würden“, analysiert der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), Dr. Joachim Haindl-Grutsch. Erfreulich ist, dass der Personalabbau in der OÖ. Industrie erstmals seit März 2023 gestoppt ist. Der Beschäftigtenstand in drei Monaten erreicht mit -2 Punkten erstmals seit 3,5 Jahren die Nulllinie.
Die Konjunktur-Ergebnisse im Detail
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IV OÖ über das dritte Quartal 2026 (89 teilnehmende Firmen mit insgesamt rund 114.000 Beschäftigten) zeigen insgesamt ein leicht verbessertes Bild. Die aktuelle Geschäftslage stagniert im negativen Bereich mit -13 Punkten (nach -14 Punkten im Vorquartal), die Geschäftslage in sechs Monaten verbessert sich auf +20 Punkte (nach +16 Punkten).
Im positiven Bereich bleibt auch der Auftragsbestand mit +9 Punkten, wenngleich reduziert zum letzten Quartal mit +19 Punkten. Die Auslandsaufträge bleiben mit +14 Punkten nach +15 Punkten praktisch unverändert. Die Einschätzungen der Produktionstätigkeit in drei Monaten verbessert sich von +6 Punkten auf +11 Punkte. Auch die Auslastung der Produktionskapazitäten in 3 Monaten steigert sich von der Nulllinie auf +4 Punkte. Weiter zulegen können die Erwartungen bei der Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten (+33 nach +23 Punkten). Stark unter Druck bleibt jedoch die aktuelle Ertragssituation in den Unternehmen mit -19 nach -22 Punkten. Hohe Inflationsraten und hoher Wettbewerbsdruck sind die Ursachen dafür. Etwas besser fällt die Einschätzung der Ertragssituation in sechs Monaten aus. Der leichte Aufwärtstrend setzt sich mit +15 Punkten nach +11 Punkten fort.
Die positivste Nachricht dieser Konjunkturumfrage betrifft den Arbeitsmarkt. Das große Sorgenkind der letzten Jahre – die Entwicklung des Beschäftigtenstands in drei Monaten – erreicht mit -2 Punkten nach -26 Punkten im Vorquartal erstmals seit mehr als drei Jahren die Nulllinie. Nur mehr 13 Prozent der Firmen melden einen weiteren Personalabbau, 10 Prozent einen Personalaufbau und 77 Prozent eine gleichbleibende Mitarbeiterzahl. „Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die infolge der zu stark gestiegenen Lohnkosten der letzten Jahre notwendig gewordene Verkleinerung der Belegschaft in der OÖ. Industrie jetzt erledigt ist“, so Haindl-Grutsch.
Lernende Roboter als Game Changer
Welche Folgen hat die aktuelle wirtschaftliche, gesellschaftliche und technologische Entwicklung für das Industrieland Oberösterreich? Der nächste Schritt der Industriellen Revolution durch Künstliche Intelligenz betrifft die Robotik. Drei Entwicklungen treffen erstmals mit großer Dynamik aufeinander:
- Künstliche Intelligenz gibt Robotern ein Gehirn. Sie können ihre Umgebung interpretieren, Objekte erkennen, Entscheidungen treffen und zunehmend auch unbekannte Situationen bewältigen.
- Neue Sensorik und leistungsfähige Hardware geben ihnen Augen und Hände. Fortschritte bei Kameras, Greiftechnik, Motorik und Rechenleistung ermöglichen komplexere Tätigkeiten.
- Demografie und Wettbewerbsdruck schaffen einen enormen wirtschaftlichen Bedarf, hohe Arbeitskosten und globaler Wettbewerb machen den nächsten Schritt der Automatisierung für immer mehr Betriebe erforderlich.
Die großen Game Changer der Robotik sind:
- Vom programmierten zum lernenden Roboter
- Von der Fertigung zur gesamten Wertschöpfungskette im Betrieb
- Von Spezialmaschinen zu universellen Robotern
- Vom Spezialprogrammierer zum Facharbeiter als Trainer
- Vom Kleinunternehmen bis zum Leitbetrieb für alle relevant
Mit Super-Abschreibung den technologischen Strukturwandel beschleunigen
„KI gibt der Industrie ein neues Gehirn. Robotik gibt diesem Gehirn Hände. Künftig passt sich der Roboter zunehmend an die Produktion an. Wer Menschen und intelligente Maschinen am produktivsten kombiniert, hat künftig einen Wettbewerbsvorteil. Diese Entwicklung erfordert umfassende Investitionen der Betriebe“, betont Haindl-Grutsch. „Für die OÖ. Industrie wäre daher eine dauerhafte, technologieoffene Super-Abschreibung jetzt das wirksamste standortpolitische Instrument, um den notwendigen Investitionsturbo für die Produktion der Zukunft zu zünden und damit den heimischen Industriestandort für die nächsten Jahrzehnte technologisch abzusichern.“
Was sind die Vorteile einer Super-Abschreibung? Investitionen werden durch eine Super-Abschreibung attraktiver, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe steigt, Technologieoffenheit sorgt für die beste Investitionsentscheidung, es ist keine Förderbürokratie damit verbunden, die steuerliche Entlastung erleichtert die Finanzierung und hat positive Effekte auf Wachstum und Beschäftigung.
„Eine Super-Abschreibung macht aus Steuergeld kein Förderprogramm, sondern einen Investitionsanreiz. Die Investitionen von heute sind die Basis für den Industriestandort von morgen. Die Bundesregierung sollte jetzt rasch handeln, weil das Tempo des industriellen Strukturwandels so hoch ist wie noch nie und unser Standort technologisch nicht den Anschluss verlieren darf. Besser jetzt Roboter abschreiben als morgen den Industriestandort“, so Haindl-Grutsch abschließend.
Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der IV beteiligten sich in Oberösterreich 89 Unternehmen mit rund 114.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen Antworten gebildet.



