Die jüngst veröffentlichten Konjunkturprognosen von Wifo und IHS werden vielerorts als Ende der Krise interpretiert. Für die OÖ. Industrie besteht dafür jedoch keinerlei Anlass. „Das ausgewiesene leicht höhere Wachstum ist vorrangig statistisches Rauschen, von einem Aufschwung kann keine Rede sein“, betont der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich, Dr. Joachim Haindl-Grutsch.
Das konjunkturelle Lagebild der OÖ. Industrie bleibt von strukturellen Belastungen dominiert, die sich im Jahr 2026 sogar weiter verschärfen könnten. Dazu zählt die Aufwertung des Euro, die die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Exportwirtschaft weiter untergräbt. Gleichzeitig nimmt der globale Protektionismus spürbar zu. Handelsbarrieren, Zölle und industriepolitische Abschottung treffen exportorientierte Regionen wie Oberösterreich hart – und verschlechtern die Position der heimischen Industrie genau auf jenen Märkten, die für Wachstum und Beschäftigung entscheidend wären.
Auf europäischer Ebene bleibt die hohe und weiter zunehmende Staatsverschuldung zahlreicher Länder verbunden mit einer steigenden Zinsenlast ein Problem. Österreich sticht dabei negativ hervor: Trotz einer historisch hohen Steuer- und Abgabenquote werden auch in den kommenden Jahren massive Budgetdefizite ausgewiesen. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis der Reformunwilligkeit der Bundesregierung. Notwendige Reformen im Pensions- und Gesundheitssystem werden seit Jahren vertagt. Ein ineffizienter Föderalismus und eine ausufernde,Förderlandschaft treiben die öffentlichen Ausgaben weiter nach oben – ohne messbaren Nutzen für Wachstum oder Wettbewerbsfähigkeit. „Österreich schüttet seit Beginn der Covid-Krise Rekordsummen an Subventionen und Förderungen aus und erntet dafür Stagflation. Das ist das erwartbare volkswirtschaftliche Ergebnis durch einen Staat, der verteilt statt reformiert, kompensiert statt korrigiert und Symptome bekämpft statt Ursachen“, so Haindl-Grutsch. Die Folge: Gemäß der IMF-Prognose 2025 – 2030 liegt Österreich beim Wirtschaftswachstum auf Platz 184 von 191 Ländern und Territorien.
Die Jahresarbeitsleistung der Bevölkerung sinkt weiter, angetrieben durch einen ungebremsten Teilzeitboom. Der Lohnstückkostenanstieg in Österreich ist so steil, dass unser Land eigentlich Nulllohnrunden in Serie bräuchte, um wieder mit Italien auf Augenhöhe zu kommen. Für die Industrie bedeutet das: weniger verfügbare Arbeitsstunden, steigender Kostendruck und eine weitere Schwächung der Produktivität.
Auch der regulatorische Druck wächst weiter. Trotz punktueller Entschärfungen – etwa durch das Omnibus-Verfahren oder die Abmilderung des Verbrenner-Verbots – türmen sich neue Bürokratiepakete auf. Beispielsweise erhöhen Entwaldungsverordnung, Entgelttransparenzrichtlinie oder das sogenannte Betrugsbekämpfungspaket den administrativen Aufwand für Betriebe weiter. Das von der Bundesregierung vorgestellte Entbürokratisierungspaket kehrt kleine Kieselsteine beiseite, während die großen Felsbrocken liegen bleiben.
Besonders gravierend ist die energiepolitische Fehlsteuerung. Einmalige Zuschüsse wie die geplante 500-Millionen-Euro-Gießkanne sind teuer und ohne wesentliche Wirksamkeit. Die aktuelle wochenlange Dunkelflaute mit Gaskraftwerken im Dauerbetrieb machen deutlich, dass das derzeitige Strommarktdesign an seine Grenzen stößt. „Ohne Eingriffe in die Merit Order bei den Gaspreisen und ohne eine nachhaltige Senkung der Energiesteuern werden die Energiepreise angesichts der enormen Kosten der Transformation des Energiesystems für Netze, Speicher und Back-up-Kraftwerke weiter steigen“, so Haindl-Grutsch. „Auch von der Strompreiskompensation profitieren weiterhin eine große Zahl an sehr energieintensiven Betrieben wie beispielsweise die Chemieindustrie gar nicht.“
Die Summe dieser Belastungen bedeutet eine Fortsetzung der schleichenden Deindustrialisierung. Produktivität, Investitionsbereitschaft und Innovationskraft werden systematisch untergraben. „Solange die Hausaufgaben am Standort Österreich durch die Bundesregierung nicht endlich angegangen werden, wird ein nachhaltiger Aufschwung eine Fata Morgana bleiben“, so Haindl-Grutsch abschließend.


