13 Punkte für die Metropolregion Linz-Wels

Bürgermeister Prammer: Ein Schulterschluss für den Wirtschaftsstandort

Die Region Linz-Wels zählt im Vergleich der NUTS-3-Regionen zu den bedeutendsten Industrie- und Wirtschaftsräumen Österreichs. Ihre besondere Stärke ergibt sich aus dem Zusammenspiel international erfolgreicher Leitbetriebe, industrieller Produktion, Forschung und Entwicklung, Hochschulen und HTLs, eines leistungsfähigen Mittelstands sowie einer wachsenden Technologie- und Gründungsszene. Gemessen am regionalen Durchschnittseinkommen ist Linz-Wels (AT312) mit einem durchschnittlichen Einkommen von knapp 43.000 Euro die wohlhabendste Region Österreichs. Auch ein Blick in die Beschäftigungsstatistik verdeutlicht: Die Region Linz-Wels ist mit seiner überproportional hohen Beschäftigung in den Sektoren ‘Herstellung von Waren’ ein wichtiger Industriestandort Österreichs. Im Jahr 2023 erwirtschafteten die NUTS-3-Regionen Salzburg (AT323) und Linz-Wels (AT312) mit 67.000 Euro bzw. 66.000 Euro die österreichweit höchsten Pro-Kopf-Bruttoregionalprodukte.

Die Metropolregion Linz-Wels besteht aus den Gemeinden und Städten Linz (ca. 215.000 Einwohner*innen), Wels (ca. 65.000), Leonding (ca. 30.000), Traun (ca. 25.000), Marchtrenk (ca. 15.000), Ansfelden und Pasching (jeweils ca. 8.000) sowie Gunskirchen und Hörsching (jeweils ca. 7.000). Die Ökosystemanalyse kommt zu dem Schluss, dass die Region mit ihren insgesamt ca. 600.000 Einwohner*innen standortpolitisch als eine Metropolregion gedacht werden muss, um wirtschaftlich weiterhin stark zu bleiben. 

„Diese Zusammenarbeit ist ein Novum: Zwei Statutarstädte arbeiten über Stadtgrenzen hinweg an einer gemeinsamen Vision für den Wirtschaftsraum Linz-Wels. Unser Ziel ist es, die Stärken der Region zu bündeln und gemeinsam mit der Wirtschaft innovative Lösungen für die Zukunft zu entwickeln“, betont Bürgermeister Dietmar Prammer.

Bürgermeister Rabl: Kirchturmdenken von gestern löst keine Herausforderungen von morgen

Gemeinden stehen heute bei Betriebsansiedlungen nicht mehr im regionalen Wettbewerb, sondern im internationalen. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob sich ein Unternehmen in Wels oder Linz ansiedelt, sondern ob die Ansiedlungen in München, Ostrava oder Bologna erfolgt. Für eine Ansiedelungsentscheidung werden heute von allen Konzernzentralen europaweit Ansiedlungsfaktoren bewertet und verglichen.

Um für eine Ansiedelung in Frage zu kommen, ist daher ein erster wichtiger Schritt, als Region überhaupt international sichtbar zu werden. 

Sobald es die Region Linz-Wels in die engere Auswahl schafft, sprechen viele Standortfaktoren für eine Ansiedelung in unsere Region. Ausschlaggebend dafür sind nicht nur eine perfekt ausgebaute Infrastruktur, sondern vor allem auch ein großer Pool an top ausgebildeten Fachkräften und hochqualitative Bildungs- und Forschungseinrichtungen. 

Mit dem nun geplanten Schulterschluss zwischen Linz und Wels wird nicht nur diese Metropolregion international sichtbar, sondern wird damit auch ein klares Bekenntnis zur gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit in allen wirtschaftlich relevanten Bereichen abgegeben. Dabei geht es besonders um die Bündelung der vorhandenen Ressourcen insbesondere in den Wachstumsfeldern Industrial Intelligence, Clean Technologies sowie Aerospace Engineering.

Bei allen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verstärkung dieser Metropolregion spielen Gemeindegrenzen keine Rolle mehr. Es ist daher auch nebensächlich, in welcher Gemeinde zwischen Wels und Linz konkret eine Ansiedlung erfolgt, weil alle davon profitieren werden. 

Wir müssen in allen betroffenen Gemeinden das Verständnis schaffen, dass eine Betriebsansiedelung in dieser Region unmittelbare Wachstumsimpulse in allen umliegenden Gemeinden z.B. als Wohn- oder Einkaufsort der Mitarbeiter auslöst. 

Die Aufgabe der Städte und Gemeinden wird es sein, gemeinsam mit dem Land ein wirtschaftsfreundliches Milieu zu schaffen, das wettbewerbserschwerende Faktoren wie z. B. die hohen Energiepreise bzw. eine im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenquote etc. ausgleicht. Das schaffen wir in einer Region nur gemeinsam mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen. 

„Mit dem Kirchturmdenken von gestern werden wir die Herausforderungen von morgen nicht lösen. Wenn wir aber diese 13 Punkte umsetzen und vor allem ein kluges Betriebsflächenmanagement mit einer internationalen Sichtbarkeit verbinden, wird das in der gesamten Region einen Wachstumsturbo auslösen.“

Präsident Bründl: Investitionen kennen keine Gemeindegrenzen

„Wer heute als Industrieunternehmen investiert, hat die ganze Welt als möglichen Standort zur Auswahl. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob sich ein Unternehmen für Linz oder Wels entscheidet, sondern ob die Investition überhaupt in Österreich stattfindet.“ Mit diesen Worten unterstreicht IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl die Bedeutung einer gemeinsamen Standortpolitik für den Wirtschaftsraum Linz-Wels.

Besonders positiv bewertet Bründl die Bereitschaft zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Linz und Wels. „Dass zwei Städte mit unterschiedlichen politischen Mehrheiten gemeinsam an ihrer wirtschaftlichen Zukunft arbeiten, ist alles andere als selbstverständlich. Diese Zusammenarbeit verdient große Anerkennung. Sie zeigt, dass wirtschaftliche Vernunft und gemeinsame Interessen stärker sein können als parteipolitisches Denken. Ein Unternehmen denkt nicht in Gemeindegrenzen, sondern in Lieferketten, Absatzmärkten, Arbeitskräftepotenzialen, Infrastruktur und Investitionsmöglichkeiten. Genau so muss auch moderne Standortpolitik funktionieren. 

Einen besonderen Schwerpunkt sieht Bründl beim Abbau von Bürokratie und Investitionshürden. Die Städte Linz und Wels könnten hier gemeinsam eine Vorreiterrolle übernehmen: durch abgestimmte Verwaltungsverfahren, digitale Genehmigungsprozesse, gemeinsame Sachverständigenressourcen und verbindliche Zeitpläne.

Ein zweiter zentraler Ansatzpunkt ist für Bründl die gemeinsame Entwicklung von Industrie- und Gewerbeflächen. Geeignete Flächen würden zunehmend zum Engpass für Betriebsansiedlungen und Erweiterungen. Deshalb brauche es ein regional abgestimmtes Flächenmanagement, das verfügbare Standorte erfasst, neue Flächen erschließt und bestehende Betriebsgebiete weiterentwickelt.

Auch bei der internationalen Vermarktung sieht Bründl erhebliches Potenzial. Für internationale Investoren zählt das Gesamtangebot einer Region. Deshalb brauche es ein modernes Place Branding mit einem gemeinsamen internationalen Auftritt als Linz-Wels Metropolitan Area.

„Die engere Zusammenarbeit zwischen Linz und Wels ist für die OÖ. Industrie der einzig richtige Weg, um im internationalen Wettbewerb urbaner Räume aufzeigen zu können. Jetzt gilt es, aus dem gemeinsamen Willen konkrete Ergebnisse zu machen. Denn am Ende zählt für den Industriestandort nur eines: dass Unternehmen hier investieren, wachsen und Arbeitsplätze schaffen.“

Geschäftsführer Haindl-Grutsch: Linz-Wels als industrieller Motor Österreichs

Die NUTS-3-Region Linz-Wels ist der industrielle Motor der Republik. Keine andere Region Österreichs vereint auf so engem Raum eine vergleichbare industrielle Leistungsfähigkeit, internationale Leitbetriebe, innovative mittelständische Unternehmen sowie eine hohe Dichte an Technologie-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen.

Obwohl die Bundeshauptstadt rund 3,3-mal so viele Einwohner zählt wie der Zentralraum Linz-Wels, beschäftigt ihr produzierender Sektor lediglich um ein Viertel mehr Menschen und erwirtschaftet nur rund ein Drittel mehr Bruttowertschöpfung als jener der Region Linz-Wels. Auch beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt Linz-Wels vor Wien. „Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll: Die industrielle Wertschöpfung im oberösterreichischen Zentralraum ist das wirtschaftliche Kraftwerk Österreichs. Hier wird ein wesentlicher Teil jenes Wohlstands erarbeitet, von dem die gesamte Republik profitiert“, betont IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.

Die international erfolgreichen Industrieunternehmen der Region leben vom Export und müssen sich täglich gegen die besten Wettbewerber aus Europa, Amerika und Asien durchsetzen. „Unsere Unternehmen können sich ihre Konkurrenten nicht aussuchen. Sie müssen weltweit bei Technologie, Qualität, Innovation und Produktivität an der Spitze mitspielen. Deshalb müssen auch die Standortbedingungen internationalen Spitzenansprüchen genügen“, so Haindl-Grutsch. „Linz-Wels spielt nicht in der Regionalliga, sondern in der Weltmeisterschaft.“

Das Städteband zwischen Linz und Wels wächst wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich immer stärker zusammen. Unternehmen, Arbeitskräfte, Hochschulen und Forschungseinrichtungen agieren längst über Gemeindegrenzen hinweg. Diesen Prozess wird nun mit einer gemeinsamen Strategie gezielt beschleunigt und intensiviert.

Besonders große Chancen für die Region eröffnen sich durch die beiden disruptiven Transformationen unserer Zeit: die digitale und die grüne Transformation. Linz-Wels verfügt dafür über herausragende Voraussetzungen. International führende Industriebetriebe, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, HTLs sowie eine dynamische Start-up-Szene bilden ein industrielles Innovationsökosystem mit enormem Potenzial.

Damit diese Strategie erfolgreich umgesetzt werden kann, braucht es neben der engen Zusammenarbeit der Städte Linz und Wels auch die konsequente Unterstützung durch Land und Bund. Insbesondere bei Verkehrs-, Energie- und Wasserstoffinfrastruktur, Hochschulen, Forschung und international wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen sind auch die übergeordneten politischen Ebenen gefordert.

„Wenn der industrielle Motor Linz-Wels auf Hochtouren läuft, profitiert ganz Österreich. Unser Anspruch muss sein, Linz-Wels als einen der führenden europäischen Standorte für Industrial Intelligence und Clean Technologies zu etablieren und damit auch künftig Wertschöpfung und Wohlstand nach Österreich zu holen“, so Haindl-Grutsch abschließend.

 

Doppelte industrielle Erneuerung: Tradition und Innovation vereint

Neben den Stärken benennt die Ökosystemanalyse auch zentrale Herausforderungen in der Region, u.a. eine schleichende Deindustrialisierung, die Abhängigkeit von der deutschen Automobilindustrie und ein noch unterentwickeltes Startup-Ökosystem. Gleichzeitig definiert sie auch konkrete Zukunftschancen, insbesondere in den Bereichen „Industrial Intelligence“ und „Clean Technologies“. Industrial Intelligence steht für die Verbindung von Industrie, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz – etwa durch intelligente Produktionssysteme, digitale Zwillinge oder datengetriebene Prozessoptimierung. Die Erfolgsgeschichte von Emmi AI ist ein gutes Beispiel dafür: Emmi AI entwickelt physikbasierte Künstliche Intelligenz für die Industrie, um Ingenieurprozesse und Simulationen drastisch zu beschleunigen.

Clean Technologies umfassen klimafreundliche Technologien und Lösungen in puncto Wasserstoff, Carbon Management, Kreislaufwirtschaft oder erneuerbare Energien (z.B. voestalpine greentec steel, Fronius International). Beide Felder knüpfen an bestehende Stärken des Standorts an. Gleichzeitig zählen sie zu den weltweit wachsenden Technologiemärkten und bieten großes Potenzial für Innovation, Wertschöpfung und Export.

Um diese Chancen zu nutzen und die Region langfristig wettbewerbsfähig zu halten, unterstreicht die Ökosystemanalyse die Notwendigkeit neu zu denken in der Standortentwicklung: das Konzept der „doppelten industriellen Erneuerung“. Dieses Konzept zielt darauf ab, zwei scheinbar gegensätzliche Strategien gleichzeitig zu verfolgen:

  • Bestehende Stärken stärken: Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Optimierung von bestehenden Produkten und Prozesse – eine Qualität, die die Region seit jeher auszeichnet.
  • Aufbruch durch Innovation: Das entschlossene Aufbrechen in radikal neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder, etwa durch Industrial Intelligence und Clean Technologies.

     

Zukunft gestalten: Das 13-Punkte-Programm für eine wettbewerbsfähige Metropolregion Linz-Wels

In anderen Worten gilt es traditionellen Stärken zu bewahren und gleichzeitig neue, disruptive Technologien zu fördern, um die Region als global sichtbarer, wettbewerbs- und zukunftsfähiger Innovationsraum zu positionieren. Dafür braucht es konkrete Maßnahmen, eindeutige Zuständigkeiten und einen gemeinsamen politischen Umsetzungswillen von Städten und Gemeinden, Land und Bund – diese sind im 13-Punkte-Programm festgehalten. Konkrete Maßnahmen sind unter anderem:

  • Die stärkere Zusammenarbeit und der Austausch in der Verwaltung, um bspw. Genehmigungsprozesse zu beschleunigen.
  • Der Aufbau einer gemeinsamen Flächenentwicklungsagentur für die Entwicklung und Vermarktung der Flächen und des Standortes sowie die professionelle Entwicklung dieser Flächen.
  • Der Aufbau bzw. die Bündelung eines Ausbildungsschwerpunkts “AI Engineering/Industrial Intelligence” beziehungsweise „Aerospace Engineering“ gemeinsam mit der JKU, der FH Oberösterreich, den HTLs und der Industrie. Zentral ist dabei auch eine Weiterentwicklung im Sinne einer “Mechatronik 2.0”.
  • Die Priorisierung des Ausbaus des öffentlichen Verkehrs zwischen Linz, Wels und den umliegenden Gemeinden, inkl. höheren Frequenzen und attraktiven Fahrzeiten für Pendler*innen. Ausbau des überregionalen öffentlichen Verkehrs (z.B. Anbindung nach München).
  • Die Frühzeitige Förderung von MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie Unternehmergeist in Lehre, Schulen und Hochschulen sowie die Zusammenarbeit mit Initiativen wie der Techniktalente (Digitale Meile).
  • Der Aufbau von gemeinsamen Veranstaltungsformaten, wie bspw. ein Linz-Wels Innovationsgipfel.
  • Das gemeinsame Auftreten auf der internationalen Weltbühne, bpsw. durch die gemeinsame Präsenz auf internationalen Wirtschafts- und Technologiekonferenzen sowie Leitmessen in Kooperation mit Business Upper Austria.
  • Die Gründung einer politischen Steuerungsgruppe aller Bürgermeister*innen in der Metropolregion bzw. der zuständigen Stadtsenatsmitglieder und Einbindung des Landes Oberösterreich.

Das Zielbild des Programms: Linz-Wels wird zu einer der produktivsten und innovativsten Industrieregionen Europas – mit international erfolgreichen Leitbetrieben, attraktiven Arbeitsplätzen, einer führenden Position bei Industrial Intelligence und Clean Technologies, hervorragenden Bildungs- und Forschungseinrichtungen, einer modernen Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie einem urbanen Umfeld, das Talente aus Österreich und der Welt anzieht.
 

Hintergrund:
Die Ökosystemanalyse „Zukunftsprofil für das Wirtschafts- und Innovationsökosystem Linz-Wels“ wurde im Zuge der Erstellung des Linzer Wirtschaftsprogramm von der Stadt Linz gemeinsam mit der Industriellenvereinigung OÖ in Auftrag gegeben und in Kooperation mit der Stadt Wels erstellt. Ziel war es die Stärken und Schwächen der Region zu analysieren und strategische Leitlinien für eine „doppelte industrielle Erneuerung“ zu entwickeln. 

Während das Wirtschaftsprogramm der Stadt Linz unter anderem Themen wie Urban Fabric, Start-ups, (Aus-)Bildung, Entbürokratisierung und die Marke “Linz” sowie die Belange der lokalen Wirtschaft behandelt, liegt der Fokus der Ökosystemanalyse auf den Linz-Wels-

Korridor als zusammenhängendem Industrieraum. Beide Dokumente ergänzen einander und bilden so eine umfassende Grundlage für die wirtschaftliche Weiterentwicklung. 

„Diese Analyse zeigt, dass wir unsere Stärken gezielt ausbauen und gleichzeitig neue Wege gehen müssen, um die Region weiterhin zukunftsfähig zu halten“, betont Stadtrat für Wirtschaft, Innovation und Finanzen Thomas Gegenhuber. „Nur im Schulterschluss können wir die Herausforderungen meistern und Linz-Wels zu einem der führenden europäischen Standorte für Industrial Intelligence und Clean Technologies machen.“