Industrie-Summit OÖ-NÖ: Länder und Industrie mit gemeinsamem Kurs

Politik und Industrie bekennen sich zu Reformen, leistbarer Energie und Wettbewerbsfähigkeit. Ein gemeinsames Industriemanifest soll Investitionen sichern, Wertschöpfung halten und eine schleichende Deindustrialisierung verhindern.

Beim Industriegipfel von IV-NÖ und IV-OÖ am 14. Jänner in der Verbund-Lehrwerkstätte beim Kraftwerk Ybbs-Persenbeug haben Politik und Industrie ein klares Signal gesetzt: Der industrielle Kern Österreichs will den Standort aktiv sichern und weiterentwickeln. Angesichts wachsender struktureller Herausforderungen standen Wettbewerbsfähigkeit, leistbare Energie, Arbeit und Reformen im Fokus – und mündeten in einem gemeinsamen Industriemanifest als Bekenntnis zu Kooperation, Investitionen und langfristiger Wertschöpfung. 

Oberösterreich und Niederösterreich bilden gemeinsam das industrielle Rückgrat Österreichs: 43 Prozent der industriellen Wertschöpfung (27 % OÖ, 16 % NÖ), rund 120 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung jährlich und mehr als 800.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an dieser Industrieregion. Vor diesem Hintergrund diskutierten die beiden Landeshauptleute gemeinsam mit den Präsidenten der Industriellenvereinigungen und Industrievertretern über notwendige Reformschritte für den Standort. 

Österreich brauche Reformen, die spürbar wirken, betonte IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner: „Die Unternehmen investieren jeden Tag in Effizienz und Innovation – damit das erfolgreich ist, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen.“ Es gehe nicht um radikale Einschnitte, sondern um gezielte Maßnahmen: „Dafür brauchen wir keine Kettensäge, sondern ein Schweizer Messer.“ Ochsner nannte unter anderem verlängerte Arbeitszeit, ein höheres faktisches Pensionsantrittsalter und einen moderaten Selbstbehalt im Gesundheitssystem als wirksame Hebel. Dass der Standort weiterhin von ungelösten strukturellen Problemen geprägt ist, unterstrich IV-OÖ-Präsident

Thomas Bründl: Steigende Kosten, sinkende Arbeitsleistung und zunehmende regulatorische Belastungen schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. „Reformieren statt Symptome bekämpfen, Steuern senken statt erhöhen und vereinfachen statt überregulieren“ sei notwendig, um eine schleichende Deindustrialisierung zu verhindern. Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte: „In Niederösterreich und Oberösterreich schlägt das industrielle Herz der Republik.“ Mit dem Industriemanifest werde ein klares industriepolitisches Bekenntnis abgegeben – verbunden mit der Forderung nach einem Industriestrompreis, einer Entlastung des Faktors Arbeit und einem entschlossenen Bürokratieabbau. Auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer unterstrich die gemeinsame Verantwortung: „Ohne starke Industrie gibt es keine sicheren Arbeitsplätze und keinen Wohlstand.“ Ziel sei es, Investitionen auszulösen, Wertschöpfung im Land zu halten und Planungssicherheit für Betriebe zu schaffen.

Mit dem Industriemanifest schaffen Niederösterreich und Oberösterreich eine strategische Klammer für ihre industriepolitische Zusammenarbeit – von leistbarer Energie und fairen Arbeitskosten über schnellere Verfahren bis hin zu Innovation, Infrastruktur und Fachkräfteentwicklung.