

Exzellenzstrategie KI: IV-OÖ und JKU etablieren gemeinsamen Forschungsraum
Ohne Reformen droht eine Verfestigung der Standortkrise. Beim Jahresauftakt der IV-OÖ wurde klar: 2026 ist ein Entscheidungsjahr. Mit der Exzellenzstrategie KI und dem neuen LIT AI Synergy-Lab setzt Oberösterreich einen starken Impuls für Wettbewerbsfähigkeit.
Beim Jahresauftakt-Pressegespräch der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV-OÖ) am 15. Jänner wurde deutlich: Ohne strukturelle Reformen droht eine Verfestigung der wirtschaftlichen Schwäche. 2025 brachte keine ausreichenden Reformantworten der neuen Bundesregierung auf die Standortkrise, der Kostendruck auf Oberösterreichs Industrie steigt 2026 weiter. Auf Landesebene ist eine Standortoffensive durch konsequente Umsetzung der Exzellenzstrategie KI möglich – die IV-OÖ ermöglicht einen neuen Forschungsraum von Industrie und JKU in vier Fachgebieten. IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl zeichnete ein nüchternes Bild der Lage: Das Jahr 2025 habe keinen wirtschaftlichen Umschwung gebracht; weder bei Kosten, Steuerbelastung noch Bürokratie seien ausreichende Reformantworten erfolgt. Der Kostendruck auf die oberösterreichische Industrie nehme weiter zu, während sich das politische Zeitfenster für Reformen rasch schließe. 2026 sei daher ein entscheidendes Jahr, um gegenzusteuern, bevor sich die strukturelle Schwäche des Standorts weiter verfestige. Man befinde sich, so Bründl, „nicht in einer normalen Konjunkturphase, sondern in einem strukturellen Umbruch. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verfestigt sich der wirtschaftliche Abstieg des Standorts.“
Industriestrompreis
Zusätzlicher Druck kommt aus dem internationalen Umfeld: Geoökonomische Fragmentierung, protektionistische Industriepolitik in anderen Wirtschaftsräumen sowie hohe Subventionen verschärfen den Wettbewerb für exportorientierte Betriebe. Gleichzeitig belasten hohe Lohnstückkosten, steigende Energiepreise und zunehmende Regulierung die Wettbewerbsfähigkeit. Besonders kritisch bleibt die Energiepolitik: Trotz eines hohen Anteils günstiger Wasserkraft gelingt es Österreich nicht, daraus einen strategischen Standortvorteil für die Industrie zu generieren. Steigende Systemkosten durch volatile Stromerzeugung sowie zusätzliche Belastungen durch CO₂-Zertifikate treffen energieintensive Betriebe besonders stark. Der angekündigte Industriestrompreis im Rahmen der Industriestrategie nach deutschem Vorbild für die kommenden drei Jahre ist daher sehr zu begrüßen – entscheidend ist dabei die Ausgestaltung im Detail, damit davon im Gegensatz zum SAG wirklich alle Industriebetriebe mit hohen Stromkosten im Verhältnis zum Umsatz profitieren können.
Die Folgen seien bereits sichtbar: „Viele Investitionen österreichischer Unternehmen finden längst nicht mehr im eigenen Land statt, sondern im benachbarten Ausland“, hielt Bründl fest. Unternehmen würden dort investieren, wo die Rahmenbedingungen wettbewerbsfähiger seien. Der Erhalt industrieller Wertschöpfung sei daher zentral, denn, so Bründl, „industrielle Substanz zu verlieren geht schnell, sie wieder aufzubauen dauert Jahre“. Ohne spürbare Entlastung bei Bürokratie und Kosten drohten weitere Investitionsverlagerungen ins Ausland und eine zunehmende Verschiebung von Arbeitsplätzen aus dem wertschöpfungsintensiven Industriesektor in den öffentlichen Dienstleistungsbereich. Ziel müsse es daher sein, verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen und wieder in die Spitzengruppe internationaler Standorte aufzuschließen. Für die IV-OÖ ist dabei klar: Österreich muss wieder den Weg in die Top Ten des internationalen Wettbewerbsfähigkeitsrankings des IMD finden.
Gemeinsame KI-Forschung
Die standortpolitischen Antworten auf die Krise, die auf Landesebene gegeben werden können, finden sich in den Bereichen Forschung, Innovation, Technologie und Qualifizierung. IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch verwies in diesem Kontext auf die im Oktober 2025 präsentierte Exzellenzstrategie KI als zentralen Rahmen für eine Standortoffensive. Die Transformation durch künstliche Intelligenz sei mit der Einführung des elektrischen Stroms vor 100 Jahren vergleichbar: eine Basistechnologie, die sämtliche Bereiche durchdringe und die Produktivität grundlegend verändere.
Hauptproblem ist die im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Produktivitätsentwicklung (Wertschöpfung pro geleisteter Arbeitsstunde). Eine anhaltend geringe Steigerung der Produktivität schmälert langfristig die Wohlstandschancen einer Region, da sie auf eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Volkswirtschaften hindeutet. Dem regionalen Innovationsökosystem muss es in Zukunft noch besser gelingen, die gute Innovationsleistung in tatsächliche Wertschöpfung am Standort zu transferieren. Als ganz konkreten Beitrag im Rahmen der Exzellenzstrategie KI etabliert die IV-OÖ mit der Johannes Kepler Universität Linz einen gemeinsamen Forschungsraum von Universität und Industrie in Form des „LIT AI Synergy-Lab“. Durch die Initiative, welche die historisch größte finanzielle Unterstützung der IV-OÖ für ein Einzelprojekt darstellt, wird exzellente KI-Forschung gezielt mit industriellen Anwendungsfeldern verknüpft; so werden Technologietransfer, Innovationskraft und die internationale Positionierung des Industriestandorts Oberösterreich gestärkt. Das Präsidium der IV-OÖ hat dafür beschlossen, die Johannes Kepler Universität Linz in den Jahren 2026 bis 2028 mit insgesamt einer Million Euro zu unterstützen.
Vier Fachbereiche
Im LIT AI Synergy-Lab wird exzellente KI-Forschung gezielt mit industriellen Anwendungsfeldern verknüpft. Der Fokus liegt auf vier für die industrielle Wertschöpfung zentralen Bereichen: Robotik, Strömungslehre, Chemie und Life Sciences sowie Quantenwissenschaften. Für jedes dieser Themenfelder wird eine eigene Prä-Doc-Stelle eingerichtet, die als Schnittstelle zwischen universitärer Forschung und industrieller Praxis fungiert. Besonders wertvoll für die Betriebe ist die Hebelwirkung der eingesetzten Mittel: Unternehmen können zusätzlich zu den gemeinsam definierten Dissertationsthemen eigene, selbst finanzierte Projekte und Fragestellungen an das Synergy-Lab andocken.
JKU-Rektor Stefan Koch unterstrich die Rolle der JKU als international sichtbarer Forschungs-Hotspot für künstliche Intelligenz. Mit mehr als 50 Millionen Euro an eingeworbenen Drittmitteln im KI-Bereich sowie Einrichtungen wie dem LIT Artificial Intelligence Lab, der ELLIS Unit Linz und dem FWF-Cluster of Excellence „Bilateral AI“ sei die JKU sowohl in der Grundlagenforschung als auch im Technologietransfer stark positioniert. Universitäten hätten gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Aufgabe, „exzellente Grundlagenforschung mit konkreten gesellschaftlichen und industriellen Anwendungen zu verbinden“.
Das LIT AI Synergy-Lab schaffe nun einen zusätzlichen strukturierten Rahmen, um wissenschaftliche Exzellenz noch enger mit den Anforderungen der Industrie zu verbinden. „KI, Digitalisierung und Robotik sind entscheidend, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern“, betonte der Rektor abschließend.

