Volle Auftragsbücher und stark steigende Kosten

Österreichs Industriekonjunktur verbessert sich weiter und erreicht ein hohes Niveau. Die boomende Weltwirtschaft verursacht allerdings Probleme in den Lieferketten der heimischen Betriebe und lässt die Kosten rasant steigen. Zudem wird der Aufbau von zusätzlichen Beschäftigten in Oberösterreich aufgrund des Fachkräftemangels im MINT-Bereich immer schwieriger.

Der Aufschwung in der OÖ. Industrie setzt sich fort: Nach einem weiteren Anstieg auf 51,5 Punkte übersteigt der im Konjunkturbarometer abgebildete Geschäftsklimaindex mittlerweile den Top-Wert des Hochkonjunktur-Jahres 2017. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 2. Quartal 2021, an der sich 101 Unternehmen mit insgesamt 113.538 Mitarbeitern beteiligten, erreichten vor allem die Ist-Werte wie z.B. die aktuelle Geschäftslage oder der Auftragsbestand ein hohes Niveau. Gleichzeitig nehmen aber die mit dem sehr schnellen Wiederaufschwung verbundenen Probleme deutlich zu. Während es nach der Lehman-Krise fast eineinhalb Jahre bis zum Erreichen des Vorkrisenniveaus dauerte, erwies sich die Corona-Krise laut Containerumschlag-Index als eine lediglich vier Monate dauernde Episode des Welthandels. Die weltweiten Lockdowns, verbunden mit branchenspezifischen Verschiebungen und der starken Beschleunigung der Weltwirtschaft, führen in den Lieferketten zu enormen Problemen bei Verfügbarkeiten, Lieferzeiten und Kostensteigerungen. „Mit diesen Herausforderungen kämpfen aktuell die meisten Betriebe und Branchen“, erklärt dazu IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch: „Besonders groß sind diesbezüglich die durch den Chipmangel hervorgerufenen Probleme in der Automobilindustrie, wodurch Versorgungsengpässe, eine hohe Volatilität und in weiterer Folge entsprechende Planungsunsicherheit trotz hoher Nachfrage von Konsumentenseite auftreten. Ob sich die Situation im Herbst entspannen wird, ist aus heutiger Sicht noch völlig offen.“

Die Ergebnisse im Detail

Trotz dieser Herausforderungen beweist sich die OÖ. Industrie einmal mehr als Zugpferd der heimischen Wirtschaft. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage meldeten – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – bereits 88 Prozent der Unternehmen einen steigenden bzw. guten Geschäftsverlauf (Vorquartal: 60 %), nur 3 Prozent (Vorquartal: 4 %) beurteilten die derzeitige Geschäftslage mit „fallend“ bzw. „schlechter“. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen stieg damit innerhalb eines Quartals von +60 auf nunmehr +86 Punkte (Rundungsdifferenzen werden nicht berücksichtigt). Ähnlich und mit sogar noch größerem Anstieg verhält es sich beim derzeitigen Auftragsbestand, hier erhöhte sich der Saldo von zuvor +53 auf nun ebenfalls +86 Punkte: Immerhin 87 Prozent der Unternehmen meldeten hier einen Anstieg, nur ein Prozent meldete einen Auftragsrückgang ein. Parallel dazu verzeichneten die aktuellen Auslandsaufträge einen deutlichen Anstieg des Saldos von +39 auf +72 Punkte.

Wenngleich auch einige der Zukunftsindikatoren einen klaren Aufwärtstrend zeigen, scheint hinsichtlich der Einschätzung der weiteren Konjunkturentwicklung doch ein beträchtliches Maß an Vorsicht vorzuherrschen, der Plafond der Erholungsdynamik dürfte erreicht sein. Während etwa die Produktionstätigkeit in 3 Monaten (Saldo: +57 Punkte, zuvor: +53) und die Verkaufspreise in 3 Monaten (+55 Punkte, zuvor +40) weiterhin einen steigenden Trend aufweisen, bleiben die Salden bei der Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten (+51 Punkte) und bei der Ertragssituation in 6 Monaten (+20 Punkte) gegenüber dem Vorquartal unverändert. Dies trägt dazu bei, dass sich bei der Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von zuvor +35 auf nunmehr +18 Punkte nahezu halbiert hat. „Insgesamt zeigt sich damit, dass sich die OÖ. Industrie über eine sehr hohe Auslastung und über volle Auftragsbücher freuen kann, gleichzeitig aber mit den deutlich gestiegenen Kosten zu kämpfen hat“, erklärt Haindl-Grutsch: „In vielen Betrieben herrscht Vollauslastung, ob sich dieser aber auch wirtschaftlich ins Ziel bringen lässt, ist angesichts der weiterhin steigenden Kostenseite ungewiss.“

Fachkräfte bleiben Mangelware

Oberösterreich profitiert massiv von der Wirtschaftskraft und der internationalen Präsenz der OÖ. Industrie, die als Lokomotive den Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit Oberösterreichs ermöglicht. Diese erfolgreiche Entwicklung bleibt weiterhin nur möglich, wenn auch in den nächsten Jahren ausreichend qualifizierte Fachkräfte verfügbar sind (Stichwort: Ausbau der Digitalkompetenzen im heimischen Schulsystem und Steigerung der MINT-Absolventenzahlen) und die Standort-Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig bleiben. Dazu zählen modernste Infrastruktur-Einrichtungen im Verkehrs-, Energie- und Datenbereich und entsprechend beschleunigte Genehmigungsverfahren (Stichwort: Evaluierung von hochrangigen Straßenprojekten), eine hochwertige, am Puls der Zeit lehrende und forschende Hochschullandschaft (Stichwort: neue TU für Digitalisierung und digitale Transformation) sowie eine Energie- und Klimapolitik (Stichwort: Klimaschutzgesetz und ökosoziale Steuerreform), die nicht zur Abwanderung führt, sondern zum Technologie-Turbo für die OÖ. Industrie wird. Natürlich sind die Rückkehr zu einer nachhaltigen Finanzpolitik mit ausgeglichenen Budgets und Schuldenabbau sowie die Digitalisierung und weitere Effizienzsteigerungen aller Prozesse der öffentlichen Hand (Stichwort: Schuldenbremse und E-Government) das Fundament der Zukunftsfitness des Standortes Oberösterreich.

„Es gibt weltweit keine wettbewerbsfähige und wohlhabende Region, die bei diesen Rahmenbedingungen nicht Standards setzt“, erklärt IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch abschließend: „Wenn der Aufstieg zu den besten Industrieregionen Europas gelingen soll, müssen wir in allen diesen Bereichen in der Top-Liga spielen!“

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