2021 stellt die Weichen für den Standort Oberösterreich

Industrie verhinderte Absturz der Wirtschaft 2020 und erwartet kräftigen Aufschwung 2021 – Schlüsselkräfte in Unternehmen mit dringender internationaler Reisetätigkeit priorisiert impfen – Post-Corona braucht Initiative zur Umsetzung modernster digitaler Standards für Prozesse der öffentlichen Hand und seriöses Herangehen an die umfassenden Herausforderungen der Energieversorgung – Legislaturperiode 2021-2027 in OÖ entscheidet über Aufstieg zur industriellen Spitzenregion in Europa bis 2030 – IV OÖ legt auf Basis eines dreijährigen Analyseprozesses und einem Dialog mit der Bevölkerung ein Standortprogramm mit 20 zusammenfassenden Punkten vor

IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch (li.) und IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner (re.)

Corona hält die Welt auch zu Beginn des Jahres 2021 in Atem. Die Verlängerung des Lockdowns und die damit verbundenen Maßnahmen werden von der IV OÖ mitgetragen, wenngleich der wirtschaftliche Schaden enorm ist. Der produzierende Sektor ist und bleibt der entscheidende Faktor, damit die Wirtschaft Österreichs nicht ins Bodenlose stürzt. Insgesamt hat die OÖ. Industrie das Jahr 2020 angesichts der Tiefe der Krise aufgrund ihrer breiten Branchenaufstellung außergewöhnlich gut gemeistert. Stark betroffenen Branchen wie z.B. der Flugzeugindustrie stehen zahlreiche Sektoren wie Medizintechnik und Pharma, Logistik und Verpackung, Elektronik und IKT oder die Baubranche sowie Haus und Garten mit guten bis überdurchschnittlichen Entwicklungen gegenüber. Auch die für Oberösterreich so wichtige Fahrzeugindustrie und insbesondere der Bereich Automotive haben sich im Laufe des Sommers 2020 stark erholt. „Damit die Industrie weiterhin stabilisierend wirken kann, werden umfassende Maßnahmen gesetzt und keine Kosten in den Betrieben gescheut, um den Betrieb trotz Pandemie aufrecht zu erhalten“, erklärt Dr. Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ): „Dazu zählen vor allem Sicherheits- und Hygiene-Konzepte, Maskenbereitstellungen, umfassende Testungen und – wo möglich und sinnvoll – Homeoffice-Lösungen.“

Trotz dieser Herausforderungen und der angespannten Situation rund um Corona bleibt die OÖ. Industrie für 2021 optimistisch – mit den Impfungen als Gamechanger bei der globalen Bewältigung der Pandemie. „Der Aufschwung wird durch die Verlängerung des Lockdowns zwar verzögert, aber er kommt und er wird kräftig“, prognostiziert Greiner. Im Zuge der Corona-Krise habe sich die Sparquote verdoppelt, wodurch es für dieses Jahr ein deutlich steigendes Konsumpotenzial gebe. Weiters würden – angetrieben durch die Investitionsprämie – die Investitionen 2021 deutlich überdurchschnittlich ausfallen. Auch die USA dürften nach geschlagener Präsidentenwahl zu zusätzlichem Wachstum beitragen. „Jedes Monat Verlängerung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einschränkungen durch eine verzögerte Durchimpfung der Bevölkerung verschieben den Wiederaufschwung und kosten damit den Steuerzahler zusätzliche Milliarden.“

Steiler Anstieg des Konjunkturbarometers

Dass das Jahr 2021 tatsächlich einen kräftigen Aufschwung bringen wird, zeichnet sich mittlerweile auch in den Konjunkturdaten ab. Haben die Umfragen im Herbst noch eine mäßige Geschäftslage gepaart mit ausgeprägtem Optimismus ergeben, so haben sich nun auch die Ist-Werte deutlich verbessert und in den Positivbereich gewechselt. Bei der IV OÖ-Konjunkturumfrage über das 4. Quartal 2020, an der sich 102 Unternehmen mit insgesamt mehr als 118.000 Mitarbeitern beteiligten, stieg das Konjunkturbarometer von der Nulllinie auf 22,5 Punkte und damit knapp über den Wert vom Dezember 2018, wie IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch erläutert: „Verantwortlich für den steilen Anstieg ist der Umstand, dass sich sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftserwartung in der OÖ. Industrie gegenüber dem Vorquartal noch einmal deutlich verbesserten“. Konkret meldeten – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – mittlerweile 38 Prozent der Unternehmen eine gute Geschäftslage, während nur mehr 34 Prozent ihren derzeitigen Geschäftsverlauf mit „schlecht“ beurteilten. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen stieg damit von zuvor -18 Punkten auf nunmehr +5 Punkte (Rundungsdifferenzen werden nicht ausgeglichen). Noch kräftigere Anstiege zeigt die Konjunkturerhebung beim derzeitigen Auftragsbestand und bei den Auslandsaufträgen – bei Ersten kletterte der Saldo von zuvor -16 auf nun +20 Punkte, bei Letzteren sogar von -23 auf nunmehr +21 Punkte. Von den Ist-Werten liegt damit nur mehr die derzeitige Ertragssituation im Minusbereich (-21 Punkte, zuvor -26).

Auch bei den in die Zukunft gerichteten Indikatoren kam es überwiegend zu Verbesserungen gegenüber dem Vorquartal – am stärksten bei der Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten, wo der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von zuvor +17 auf nun sehr gute +40 Punkte anstieg. Eine steigende Erwartungshaltung zeigte sich auch bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten (+35 Punkte, zuvor +27), bei den Verkaufspreisen in 3 Monaten (+21 Punkte, zuvor +5) und bei der Ertragssituation in 6 Monaten (+29 Punkte, zuvor +23). Auf stabil hohem Niveau verbleibt auch die Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten (+30 Punkte, zuvor +33). Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt, aber auch beim Beschäftigtenstand in 3 Monaten zeigen die Rückmeldungen der Betriebe eine deutliche Erholung von -42 auf nunmehr -9 Punkte.

Hohe Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel brauchen flexibles Arbeitsmarktmanagement

Aus den Ergebnissen der jüngsten Konjunkturumfrage ist zu erkennen, dass ein starker Aufschwung in der OÖ. Industrie kommen wird und die Kapazitäten entsprechend angepasst werden. „Während die Arbeitslosigkeit im Dienstleistungssektor hoch ist, bleibt der Fachkräftemangel in der OÖ. Industrie ein Kernproblem beim Aufbau von zusätzlichen Beschäftigten“, so Haindl-Grutsch. Umschulungen und Neuqualifizierungen sowie mehr Mobilität am Arbeitsmarkt rücken kurz- wie auch längerfristig in den Mittelpunkt eines flexiblen Arbeitsmarktmanagements. Völlig kontraproduktiv seien erneut aktuelle Vorschläge der Arbeitszeitverkürzung „zur besseren Verteilung von Arbeit“ und der Erhöhung der Arbeitslosen-Ersatzrate: „Eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit, eine Verteuerung von Arbeit, eine Verschärfung des Fachkräftemangels und damit ein wirtschaftlicher Rückschlag und die Vertiefung der Krise wären die Folge!“

Rasche und effiziente Impfung in Betrieben

Klar ist, dass das Ende der Pandemie und die Rückkehr zu einem normalen Leben nur über eine rasche und professionell durchgeführte Impfung der Bevölkerung herbeigeführt werden kann. „Der Impfstart war in Österreich leider nicht gerade Vertrauen erweckend und Optimismus verströmend. Es ist aus Managementperspektive unergründlich, warum nicht bereits im Sommer des letzten Jahres damit begonnen wurde, einen detaillierten Impfplan auszuarbeiten, der nun ausgerollt werden könnte“, moniert IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner. Jetzt brauche es mehr Tempo bei der Durchimpfung der Bevölkerung. Außer Streit steht, dass Risikogruppen Vorrang haben. Je schneller diese geimpft werden, umso schneller können auch Lockdown-Maßnahmen aufgehoben werden, weil damit nicht mehr eine Überlastung des Gesundheitssektors droht.

Neben der gesundheitspolitischen Dimension ist aber auch die wirtschaftspolitische Dimension zu berücksichtigen. Österreichs wirtschaftlicher Aufschwung hängt unmittelbar am Erfolg auf den Weltmärkten. „Es ist entscheidend, dass die im internationalen Wettbewerb stehende Exportindustrie möglichst zeitnah mit Impfstoff versorgt wird“, fordert Greiner. Als Impfnachzügler entstünden unmittelbar Wettbewerbsnachteile gegenüber Ländern, die rascher impfen: „Daher spricht alles für eine selektive Vorgehensweise, bei der Schlüsselkräfte in Unternehmen mit dringender internationaler Reisetätigkeit priorisiert werden.“

Damit bei Verfügbarkeit des Impfstoffs dann ein rascher und effizienter Impfprozess über die Bühne gehen kann, ist es sinnvoll, auch die vorhandene Infrastruktur, das Management-Know-how und die Präsenz der Mitarbeiter in den Betrieben zu nutzen. Impfstraßen in großen Betrieben sind eine wichtige Maßnahme zur Impfung der Beschäftigten, entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen in der OÖ. Industrie sind im vollen Gang.

Post-Corona: Modernste Standards für Prozesse der öffentlichen Hand einführen

Schon jetzt lässt sich aus der Corona-Krise ein Schluss klar und deutlich ziehen: Es darf nach Bewältigung der Pandemie keine Ausreden mehr geben, alle Bereiche des öffentlichen Sektors auf Bundes- und Landesebene – vom Bildungssystem über das Gesundheitssystem bis zur Verwaltung – sowohl organisatorisch wie auch in Bezug auf die Digitalisierung der Prozesse umfassend zu durchleuchten und auf modernste Standards zu bringen. Die IV OÖ steht dafür als Partner zur Verfügung und wird detaillierte Vorschläge einbringen. Die Zeit ist mehr als reif, auch in diesen Sektoren zu den Besten in Europa aufzusteigen.

Beinahe-Blackout war „Schuss vor den Bug“

Neben der Situation rund um die Corona-Pandemie und der von ihr ausgelösten Wirtschaftskrise bestehen noch weitere Herausforderungen, die es dringend zu bewältigen gilt. So muss z.B. der beinahe europaweite Totalausfall des Stromnetzes „als klarer Weckruf und Handlungsauftrag“ verstanden werden. Die Entwicklungen bei der Stromerzeugung in Europa in den nächsten Jahren – vom starken Ausbau volatiler Sonnen- und Windstromkapazitäten bis zur Schließung der bislang für die Grundlast so wichtigen Kohle- und Atomkraftwerke in Deutschland – müssen energiepolitisch in Österreich entsprechende Maßnahmen zur Folge haben. „Physikalische Grundlagen bei der Stromversorgung lassen sich nicht durch ideologische und parteipolitische Sonntagsreden wegdiskutieren“, so Greiner. Der Industriestandort Oberösterreich ist aufgrund seiner Energieintensität und seiner zahlreichen hochtechnologischen Produktionsanlagen besonders anfällig, eine zukunftsfähige und damit sichere Energieversorgung ist Grundbedingung für den weiteren Erfolg des Standortes. Was aber jahrzehntelang als eine Selbstverständlichkeit gegolten hat, wird nun – auch aufgrund des schleppenden Ausbau der Strominfrastruktur – zunehmend infrage gestellt. Schon geringe Spannungsschwankungen können zu massiven Störungen in den Produktionsabläufen führen und damit immense Kosten verursachen. Technologieoffen Backup-Kapazitäten vorzuhalten, um das Stromnetz im Bedarfsfall stabilisieren zu können – etwa während kalter und sonnenarmer Tage, stelle eine entscheidende Voraussetzung dar, damit in Oberösterreich auch in Zukunft industrielle Wertschöpfung stattfinden kann.

„Seit Jahren übertrifft man sich auf europäischer und österreichischer Ebene bei der Formulierung besonders ehrgeiziger Energie- und Klimaziele, ohne einen umfassenden Maßnahmenkatalog für die Anpassung des gesamten Energiesystems vorzulegen“, kritisiert Greiner: „Der Beinahe-Blackout sollte Anstoß genug gewesen sein, sich auf Basis von naturwissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Detail mit den umfassenden Herausforderungen der Energieversorgung zu befassen.“ Eine sichere und wirtschaftliche Energieversorgung und gleichzeitig die kosteneffiziente Reduktion von CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung, der industriellen Produktion und der Mobilität seien Grundsäulen eines hochentwickelten Standortes, die sich nicht für oberflächliche Parteipolitik eignen. „Es ist höchste Zeit für eine in die Tiefe gehende Auseinandersetzung mit allen Themen der Transformation des Energiesystems.“

Industrielle Spitzenregion 2030 – die nächste Legislaturperiode entscheidet

Im Rückblick auf das abgelaufene Jahr steht für die OÖ. Industrie fest: 2020 wird einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern einnehmen. Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie löste die größte Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg aus und beschleunigt den technologischen und wirtschaftlichen Strukturwandel in diesem Jahrzehnt enorm. Vor diesem Hintergrund geht die aktuelle Legislaturperiode der OÖ. Landesregierung im Herbst 2021 zu Ende. „Die nächste Legislaturperiode läuft bis zum Jahr 2027. Diese Regierungsphase entscheidet daher darüber, wie erfolgreich Oberösterreich im internationalen Standortwettbewerb im Jahr 2030 agiert und damit, wie sich der Wohlstand der Bevölkerung in unserem Land entwickelt“, bekräftigt Greiner.

Oberösterreich könne mit seinen hervorragenden Voraussetzungen besser und schneller aus der Krise herausgehen und bis 2030 in den Kreis der industriellen Spitzenregionen Europas aufsteigen. Ein Ziel, das nur durch konsequente Standortpolitik erreicht werden könne, wie der IV OÖ-Präsident erklärt: „Die IV OÖ hat dazu in den vergangenen drei Jahren umfassende Analysen und Studien ausgearbeitet, die in das Programm eingeflossen sind. Zusätzlich führten wir im Jahr 2020 einen Dialog mit den Menschen in Oberösterreich, um zuzuhören, in welchen Themenbereichen die Industrie zu weiteren Verbesserungen beitragen soll.“ Mehr als 5.000 Rückmeldungen erbrachten eine Reihe von Kernaussagen, die im Detail auf der IV OÖ-Plattform wirerzeugenzukunft.at dargestellt sind.

Insgesamt lässt sich daraus ableiten: Die Bevölkerung sieht ihre hohen Erwartungen in die OÖ. Industrie sehr gut erfüllt bei ihrem Beitrag zur Sicherung des Wohlstands im Land, der Erzeugung hochwertiger Produkte und bei der Erzielung wirtschaftlichen Erfolgs sowie bei ihrer regionalen Verankerung und der positiven Prägung Österreichs. Dies gilt auch für ihre Zukunftsausrichtung in der Aus- und Weiterbildung, bei Forschung, Innovation und Investitionen am Standort sowie für die Rolle als verantwortungsvoller und fairer Arbeitgeber, der sichere und vielfältige Arbeitsplätze zur Verfügung stellt und hohe Kompetenz aufweist. Noch mehr Engagement erwartet sich die Bevölkerung von der OÖ. Industrie bei den Themen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gesundheit und Altersvorsorge der Mitarbeiter, Gleichberechtigung und Chancengleichheit sowie bei Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung.

20-Punkte-Katalog für OÖ 2021-2027

„Um hierzu die Grundlagen zu schaffen und Oberösterreich zukunftsfit zu machen, definierte die IV OÖ zusammenfassend folgende 20 Themenbereiche und Maßnahmen, die für die Legislaturperiode 2021 – 2027 für den Industriestandort Oberösterreich höchste Bedeutung haben“, wie IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch ausführt. Das umfassende Programm mit allen Details wird in den kommenden Wochen auf breiter Basis zur Verfügung gestellt.

Lebensqualität und Standortqualität bilden eine Symbiose:

1.    Die Standortqualität hängt maßgeblich von der Gebarung und dem entsprechenden Rating auf Bundes- und Landesebene ab. Ein ausgeglichener Landeshaushalt und der Schuldenabbau sind die Basis für die Zukunftsfähigkeit von OÖ. Nach Bewältigung der Folgen der Covid-19-Pandemie ist eine Rückkehr zu Nulldefizit und Schuldenbremse unerlässlich.

2.    Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Prozesse öffentlicher Dienstleistungen erhebliches Digitalisierungs- und Effizienzsteigerungspotenzial haben. Innovationen im öffentlichen Sektor sind notwendig, um einen Mehrwert für Bürger, Unternehmen und die ganze Gesellschaft zu schaffen. Alle Bereiche des öffentlichen Sektors – vom Bildungssystem über das Gesundheitssystem bis zur Verwaltung – müssen sowohl organisatorisch wie auch in Bezug auf Digitalisierung umfassend durchleuchtet und entsprechend professionalisiert werden und damit bessere Dienstleistungen zu niedrigeren Kosten ermöglichen. Behördenverfahren müssen vereinfacht und beschleunigt werden.

3.    Die EU steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen: Mit Großbritannien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas aus der Union ausgetreten, die Beziehungen zu den USA sind abgekühlt, die Migrationsfrage ist weiterhin ungelöst, der Klimaschutz kann nur global Wirksamkeit erzielen und generell wird die Frage nach einer Neuausrichtung der EU gestellt. Das Industrieland Oberösterreich ist als Teil der Europäischen Gemeinschaft in erheblichem Maße von den Entwicklungen auf EU-Ebene betroffen - sowohl was die Rolle der EU auf der globalen Bühne als auch innenpolitische Entscheidungen der EU anbelangt.

4.    Die Standortpolitik ist der Dreh- und Angelpunkt für unser wirtschaftliches Fortkommen, indem sie Wachstum und Prosperität und damit finanzierbare Sozial- und Gesundheitsleistungen, hochwertige Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie eine moderne Infrastruktur ermöglicht.

5.    Für Oberösterreichs Wettbewerbsfähigkeit bleibt der Fachkräftemangel das dominierende Thema der 2020er Jahre, zusätzlich verstärkt durch die demographische Entwicklung. Trotz hoher Arbeitslosenzahlen infolge der Pandemie bleiben viele ausgeschriebene Stellen aufgrund des Qualifikations-Mismatch unbesetzt. Durch eine treffgenauere Umschulung oder Neuqualifizierung von niedrig oder nicht richtig qualifizierten Personen muss dem Fachkräftemangel als der zentralen Wachstumsbremse für OÖ wirkungsvoll begegnet werden. Freiwerdende Fachkräftepotenziale infolge des wirtschaftlichen Strukturwandels wie beispielsweise bei der Digitalisierung des Handels müssen dafür besser genutzt werden. Lebenslanges Lernen rückt in den Mittelpunkt.

6.    Völlig kontraproduktiv sind Diskussionen rund um eine weitere Arbeitszeitverkürzung. Europa und insbesondere Österreich wird immer stärker geprägt von einer Freizeitgesellschaft, obwohl der Fachkräftemangel der entscheidende Engpassfaktor für eine weitere positive Entwicklung von Oberösterreich ist. Auch die Folgen der Corona-Krise können nur durch Leistung und Wachstum wieder beseitigt werden und nicht durch eine Verkürzung und Verteuerung der Arbeit.

7.    Soziale Marktwirtschaft, Globalisierung und Migration haben den heutigen Wohlstand unserer Gesellschaft in OÖ ermöglicht. Sozialismus-Träumereien, Verstaatlichungsideen, alter Klassenkampf, die Flüchtlingsdebatte oder das Reichen-Bashing und die permanente Forderung nach Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuern zeigen die hohe Bedeutung von gesellschaftspolitischer Orientierung auf. Neue Probleme benötigen neue Lösungsansätze und keine rückwärtsgewandten Parolen.

8.    Die größte Herausforderung und zugleich das größte Hemmnis beim Ausbau der Infrastrukturnetze sind die viel zu lange dauernden Behördenverfahren. Gerade Oberösterreich hat als Industriestandort und als Exportland hohe Anforderungen im Personen- und Güterverkehr, in der Energieversorgung und -speicherung sowie bei den Datennetzen und dem Flächenbedarf.

Digitalisierung und neue Technologien benötigen Exzellenz in Bildung und Forschung:

9.    MINT-Qualifikationen stellen in allen Wirtschaftsräumen die maßgebliche Ressource für technologische Innovationen dar, ihre Nachfrage wird weiter stark steigen. Kein anderes Bundesland hat einen derart ausgeprägten Mangel an technisch-naturwissenschaftlich qualifizierten Mitarbeitern wie Oberösterreich. Das Angebot an MINT-Ausbildungen im Schulbereich und die Zahl der Absolventen müssen daher weiter vergrößert und an neue Entwicklungen angepasst werden. Die Lehre ist eine gleichwertige Alternative zur Matura, eine Akademisierung um jeden Preis ist der falsche Weg. Modelle, die eine hochwertige Lehre mit oder nach der Matura ermöglichen, sind stark zu befürworten.

10.  Neue Wege in der MINT-Ausbildung und eine Adaptierung der Wissensvermittlung sind notwendig, um stereotype Rollenbilder aufzuheben. Der spielerische Zugang von Kleinkindern zu Technik und Naturwissenschaften geht vielfach im Zuge der Schullaufbahn verloren, was eine Adaptierung der Unterrichtsmethoden und der Wissensvermittlung erforderlich macht. Die Pädagogik in den "Angstfächern" Mathematik und Naturwissenschaften benötigt eine völlige Neuausrichtung auf die sinnstiftende Bedeutung von MINT-Kompetenzen und ihre Anwendungsbeispiele in der Praxis, um Jugendliche dafür verstärkt zu gewinnen.

11.  Die Einrichtung einer Technischen Universität für Digitalisierung und digitale Transformation stellt den stärksten Hebel zur Weiterentwicklung des Landes dar und wird als neuer Leuchtturm auch positive Auswirkungen auf die bestehende Hochschullandschaft haben, die eng vernetzt werden muss. Entscheidend für den Erfolg der neuen Universität ist es, wie es gelingt, dem heimischen Arbeitsmarkt exzellente Absolventen zur Verfügung zu stellen. Die konsequente Weiterentwicklung von FH OÖ und JKU bleibt weiterhin auf der politischen Agenda.

12.  Die OÖ. Industrie als Teil eines zentraleuropäischen Produktionsclusters ist weltweit führend in der Entwicklung und Umsetzung präziser, hochautomatisierter und digitalisierter industrieller Wertschöpfungsprozesse. In der Vergangenheit sind wesentliche Industriebranchen aus Europa abgewandert. OÖ konnte seine Industriestärke weiter ausbauen, während andere Regionen massiv von Deindustrialisierung betroffen waren. Verliert Zentraleuropa seine weltweit führende Maschinen- und Fahrzeugindustrie, würde das für OÖ einen massiven Wohlstandsverlust und stark steigende Arbeitslosigkeit bedeuten.

13.  Wichtige Technologietrends in diesem Jahrzehnt sind künstliche Intelligenz, Quantencomputer, Blockchain, Digitaler Zwilling, Edge Computing, 4D-Druck oder Energiespeichertechnologien. OÖ muss, gefördert durch die öffentliche Hand, eigene Stärken bei Zukunftstechnologien in enger Zusammenarbeit von betrieblichen sowie universitären und außeruniversitären Einrichtungen auf- und ausbauen.

14.  Führende Industrieregionen in Europa weisen eine F&E-Quote zwischen drei und fünf Prozent auf, eine F&E-Quote von 4 Prozent stellt für Oberösterreich eine zukunftsfähige Zielgröße dar. Die Einrichtung der neuen Technischen Universität für Digitalisierung und digitale Transformation in Oberösterreich sowie der weitere Ausbau von JKU und FH OÖ und die Etablierung von neuen außeruniversitären Forschungsreinrichtungen wie den COMET-Zentren oder CD-Laboren sind zentrale Maßnahmen zur Stärkung der Technologie- und Forschungskompetenz von Oberösterreich.

Nachhaltige Energieversorgung und Umweltschutz gelingen nur in smarter Vernetzung von Ökonomie und Ökologie:

15.  Eine verlässliche, leistbare und nachhaltige Energieversorgung ist für OÖ von herausragender wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung und stellt einen zentralen Standortfaktor für die OÖ. Industrie und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit dar. Ein mehrtägiges und großflächiges Blackout hätte dramatische Folgen für Unternehmen und Gesellschaft. Um die Versorgungssicherheit sicherzustellen, bedarf es der Errichtung und des Erhalts der entsprechenden Infrastruktur (Erzeugung, Speicherung, Transport) sowie schnellere Genehmigungsverfahren (mit Hilfe des Standortentwicklungsgesetzes).

16.  Europa und insbesondere Österreich sind Vorreiter und nicht Nachzügler beim Klimaschutz. Die OÖ. Industrie ist weltweit führend bei der Energie- und Rohstoffeffizienz von Wertschöpfungsprozessen sowie als Entwickler von innovativen Energie- und Umwelttechnologien. Österreich verfügt in der EU über den höchsten Anteil an Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Die Verfügbarkeit von ausreichend Strom aus erneuerbarer Energie verbunden mit stromnetzstabilisierenden Back-up-Kapazitäten sowie ausreichend alternativen, CO2-neutral produzierten Energieträgern zu wettbewerbsfähigen Preisen ist eine Grundbedingung für die Transformation des Energiesystems.

17.  Unterschiedliche globale und nationale Ambitionsniveaus bei der Implementierung von Klimaschutzmaßnahmen und deren Auswirkungen auf die Energie-, Rohstoff- und Mobilitätskosten für Betriebe können dazu führen, dass Industrieunternehmen von Ländern mit stringenteren Rahmenbedingungen in Länder mit weniger stringenten Maßnahmen abwandern ("Carbon Leakage"). Die Grundstoffindustrie in OÖ steht am Beginn der eng verflochtenen Wertschöpfungsketten - geht sie verloren hat dies massive Auswirkungen auf die verarbeitenden Branchen und damit auf die gesamte Wirtschaft und die verbundenen Arbeitsplätze. Mehr und nicht weniger heimische Industrie ist gut für Umwelt- und Klimaschutz weltweit.

18.  Umwelt- und Klimaschutz wird durch neue Technologien und innovative Lösungen und keine rückwärtsgewandten Verbote erzielt. Energie-, Rohstoff- und Materialeffizienz von Gebäuden und Produktionsprozessen, Recycling und Kreislaufwirtschaft, umweltfreundliche Energieerzeugung und -speicherung sowie eine moderne Wasser- und Abfallwirtschaft stehen dabei im Mittelpunkt.

19.  55 Prozent der österreichischen Fahrzeugindustrie sind in Oberösterreich angesiedelt, die damit neben der metalltechnischen Industrie der zentrale Wirtschaftssektor des Bundeslandes ist. Die Transformation der Mobilität und die Gestaltung der gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen hat damit wesentlichen Einfluss auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserem Bundesland.

20.  Die Mobilität von Personen und Gütern auf Straße, Schiene, zu Wasser und in der Luft wird sich in den nächsten Jahren durch neue Geschäftsmodelle, alternative Antriebssysteme, den Ausbau der Fahrassistenzsysteme in Richtung autonomes Fahren, die digitale Vernetzung und den Leichtbau stark verändern. Die Entwicklung und Implementierung von neuen Mobilitäts- und Logistikkonzepten gewinnen an Bedeutung. Eine thematische Forschungsförderung zur Mobilität der Zukunft ist ein zentraler Standortfaktor für die OÖ. Industrie.

Die OÖ. Industrie ist sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Land und seinen Menschen bewusst. „Wir fühlen uns dem Standort und der Bevölkerung eng verbunden und wollen noch stärker dazu beitragen, das in uns gesetzte Vertrauen weiter auszubauen und das Industrieland Oberösterreich in eine positive Zukunft zu führen“, betont IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner abschließend.

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