Hochkonjunktur hat den Zenit überschritten

Weiterhin hervorragende Geschäftslage und Auftragsbestände in der OÖ. Industrie – Ist-Werte sind nur wenig vom Spitzenergebnis des letzten Quartals entfernt – Der konjunkturelle Wendepunkt ist aber überschritten, was sich auch in den Aussichten für die nächsten 3 bis 6 Monate abzeichnet – Politische Ereignisse auf internationaler Ebene gefährden den erfreulichen Konjunkturverlauf – Arbeitszeitflexibilisierung stärkt den Industriestandort

Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 2. Quartal 2018, an der sich 104 Unternehmen mit insgesamt 103.700 Beschäftigten beteiligten, erbrachte eine weiterhin sehr positive Einschätzung der Ist-Situation in der OÖ. Industrie. Auffällig ist, dass bei den Ist-Werten – der aktuellen Geschäftslage, den Auftragsbeständen und Auslandsaufträgen – weiterhin kein einziges Unternehmen mit „fallend/schlechter“ votierte. Wie schon bei der Konjunkturerhebung über das Vorquartal erwartet, mehren sich aber nun die Zeichen für eine konjunkturelle Normalisierung in den nächsten 3 bis 6 Monaten. „Dies zeigt sich vor allem dadurch, dass bei den zukunftsgerichteten Indikatoren zwischen 67 und 83 Prozent der Unternehmen eine gleichbleibende Entwicklung erwarten und von keinen weiteren Steigerungen mehr ausgehen“, erklärt dazu IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch. Der konjunkturelle Wendepunkt sei damit bereits überschritten. Eine ähnliche Situation ergibt sich auch beim Beschäftigtenstand: Gewichtet nach Mitarbeiterzahlen ist der Anteil jener Firmen, die zusätzliches Personal aufnehmen wollen, um 11 Prozentpunkte von 41 auf 30 Punkte gesunken, was allerdings nicht nur dem abnehmenden Konjunkturzyklus, sondern auch dem massiven Fachkräftemangel geschuldet ist. Diese Gesamteinschätzung der oberösterreichischen Industriekonjunktur spiegelt sich auch im IV OÖ-Konjunkturbarometer, das sich aus der aktuellen Geschäftslage und der Geschäftslage in 6 Monaten errechnet, wider: Verringerte sich der Barometerstand vom Höhepunkt im 4. Quartal 2017 bis zum 1. Quartal 2018 nur sehr gering um 2 Punkte, so ist nun doch ein signifikanter Rückgang um 6,6 Prozentpunkte festzustellen. „Auch dieses Faktum weist auf eine Normalisierung hin“, so Haindl-Grutsch, „insgesamt befindet sich das Konjunkturbarometer aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, das vorrangig durch die Ist-Daten und nicht so sehr durch die Erwartungshaltung getragen wird.“

Die Konjunkturergebnisse im Detail

Bei der derzeitigen Geschäftslage votierten (gewichtet nach Mitarbeiterzahlen) 86 Prozent der Unternehmen mit „steigend/gut“ und 14 Prozent mit „gleichbleibend“. Wie erwähnt stimmte kein einziges Unternehmen mit „fallend/schlechter“; der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen liegt daher bei 86 Punkten und reduzierte sich gegenüber dem Vorquartal um 5 Zähler. Bei den Auftragsbeständen ging der Saldo von zuvor 92 auf nunmehr 89 Punkte zurück, bei den Auslandsaufträgen reduzierte er sich lediglich von 91 auf nunmehr 90 Punkte. Klare Rückgänge gibt es hingegen bei den zukunftsgerichteten Werten: Bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten sank der Saldo von zuvor 31 auf 23 Punkte, bei der Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten ging er von 33 auf nun 14 Punkte zurück. 

Bei der Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten kippte der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen sogar erstmals seit 2 Jahren wieder ins Minus: 9 Prozent der Unternehmen hoffen noch auf weitere Steigerungen, 10 Prozent gehen hingegen von einer  Abschwächung aus, der Saldo liegt somit bei -1 Punkt. Beachtenswert ist auch der Rückgang des Saldos beim Beschäftigtenstand in 3 Monaten (27 Punkte, Vorquartal: 39 Punkte): 30 Prozent der Unternehmen planen eine Erhöhung ihres Mitarbeiterstandes, im Vorquartal waren es noch 41 Prozent. Allerdings denken lediglich 3 Prozent der Firmen an einen Personalabbau (Vorquartal: 1 Prozent), mit 67 Prozent gehen mehr als zwei Drittel von einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl aus.

Arbeitszeitflexibilisierung erhöht Wettbewerbsfähigkeit Österreichs 

Aus Sicht der OÖ. Industrie handelt es sich damit um weiterhin sehr gute Konjunkturwerte, die im aktuellen Zyklus den Zenit bereits überschritten haben. Zudem bestehen nach wie vor etwa mit dem anstehenden „Brexit“, dem Handelskonflikt mit den USA oder den Iran-Sanktionen erhebliche politische Risiken, die den erfreulichen Konjunkturverlauf gefährden können. Vor diesem Hintergrund ist jede einzelne Maßnahme, mit der die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Österreich gesteigert wird, zu begrüßen. Die IV OÖ gratuliert daher der Bundesregierung zum Beschluss der Arbeitszeitflexibilisierung. „Es handelt sich dabei um eine dringend notwendige Anpassung an die modernen Arbeitswelten, die eine Verbesserung, Vereinfachung und Legitimierung bringen wird“, betont Haindl-Grutsch: „Für den Standort Österreich, für die Unternehmen wie auch für die Mitarbeiter und die Gesellschaft ergeben sich daraus wesentliche Vorteile, die positiven Wirkungen werden zeitnah spürbar sein! Und nicht zuletzt wird die Arbeitszeitflexibilisierung in Zeiten schwacher Wirtschaftsentwicklung, die bestimmt kommen werden, mithelfen, Jobverluste zu verhindern.“

Nicht verständlich ist für den IV OÖ-Geschäftsführer hingegen, mit welchen Mitteln rund um die Beschlussfassung im Parlament von zahlreichen Akteuren agiert wurde: „Die Vorkommnisse der letzten Wochen, die gezielte Verunsicherung der Bevölkerung und die Verbreitung von Falschinformationen sind bezeichnend für eine fehlende Verantwortung gegenüber der Republik, für ein veraltetes Wirtschaftsverständnis, für nicht vorhandene internationale Einblicke und für rein machtpolitische Interessen.“

Tatsächlich werde durch die Erhöhung der Arbeitszeitflexibilisierung der Industriestandort deutlich gestärkt, was in weiterer Folge mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze ermöglicht. „Von einer starken Industrie profitieren immer die Mitarbeiter, deren Familien und aufgrund der Hebeleffekte das ganze Land. Von den höheren Steuer- und Abgabeneinnahmen kann die Politik Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Sozialtransfers und Infrastrukturprojekte finanzieren – das sei allen ins Stammbuch geschrieben, die beim Thema Arbeitsflexibilisierung einen Klassenkampf wie im 19. Jahrhundert heraufzubeschwören versuchten. Das sind Uralt-Methoden, die mit einer globalisierten und digitalisierten Wirtschaftswelt nichts zu tun haben“, so Joachim Haindl-Grutsch abschließend.

Das Konjunkturbarometer errechnet sich aus der aktuellen Geschäftslage und der
Geschäftslage in 6 Monaten.

Pressekontakt:

Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

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