Hochkonjunktur befindet sich in ihrer reifen Phase

Im IV OÖ-Konjunkturbarometer setzt sich die Eintrübung der Zukunftsaussichten fort – Normale konjunkturelle Abschwächung flankiert von zunehmenden internationalen Risikofaktoren – Fortsetzung des Entlastungs- und Reformkurses der Bundesregierung macht Österreich resilient für zukünftige Krisenphasen – OÖ muss Aufholjagd mit hoher Dynamik fortsetzen

2017 und 2018 waren geprägt von einem weltweiten Wirtschaftswachstum, das sich auch auf die OÖ. Industrie sehr positiv auswirkte. „Es kommt nur alle paar Jahrzehnte vor, dass die wesentlichen Wirtschaftsräume der Welt gleichzeitig wachsen“, erklärt dazu IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner. „Unsere stark international und exportorientiert aufgestellte OÖ. Industrie konnte vom synchronen Wirtschaftsaufschwung wesentlich profitieren. Trotz erheblicher politischer Unsicherheiten auf globaler Ebene – beginnend bei den von den USA ausgerufenen Strafzöllen über den Brexit, oder die Russland-Sanktionen bis hin zu den Kriegsschauplätzen vor der Haustüre Europas – entwickelte sich die Wirtschaft erstaunlich robust“, so Greiner. Die wenigsten der genannten Risiken werden jedoch geringer: Im Gegenteil kommt in den nächsten Monaten der Austritt Großbritanniens aus der EU auf uns zu, ergänzt unter anderem durch die italienische Budgetkrise, die im Gegensatz zu Griechenland im Ernstfall nicht mit den Rettungsinstrumenten der Europäischen Zentralbank zu bewältigen wäre. „Gleichzeitig hat der Konjunkturzyklus in Österreich seinen Zenit überschritten und ist in Richtung Normalisierung unterwegs“, wie der IV OÖ-Präsident betont. Die Risiken rund um Großbritannien und Italien hätten aber im schlimmsten Fall sehr wohl das Potenzial für einen kräftigen Abschwung.

(Univ.-Prof. Dr. Teodoro Cocca: Aktuelle internationale wirtschafts- und finanzpolitische Entwicklungen; siehe Präsentationsfolien im Anhang)

OÖ. INDUSTRIE ALS PROFITEUR DES SYNCHRONEN AUFSCHWUNGS

Angesichts der internationalen Konjunktur- und Finanzmarktentwicklungen, vor allem aber im Hinblick auf die weltweit zahlreichen politischen Unsicherheiten weist IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch darauf hin, dass der ursprünglich avisierte Untergang der europäischen Wirtschaft – man erinnere sich an die Griechenland-Krise, die Euro-Krise, den befürchteten Eintritt einer Hyperinflation ebenso wie den einer Deflation – im Rückblick ausgeblieben ist. Stattdessen sei es in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt - in 35 OECD-Ländern wie auch in den fünf BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) - synchron zu einem Wirtschaftsaufschwung gekommen. „Seit 1980 gab es so eine Phase nur einmal, nämlich in den Jahren 2004 bis 2007“, erklärt dazu Haindl-Grutsch. „Gleichzeitig darf nicht unerwähnt bleiben, dass es ein‚ Europa der 2 Geschwindigkeiten‘ gab und immer noch gibt“, so Haindl-Grutsch: „Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland liegen bei der Produktion immer noch unter dem Prä-Lehman-Niveau, während der DACH-Raum und Osteuropa stark gewachsen sind!“

IST-WERTE AUF HOHEM NIVEAU, ZUNEHMENDER PESSIMISMUS BEI ZUKUNFTSINDIKATOREN

Die Ergebnisse der IV OÖ-Konjunkturumfrage über das 3. Quartal 2018, an der sich 94 Unternehmen mit insgesamt 108.500 Mitarbeitern beteiligten, spiegeln die bereits im Frühjahr angekündigte Entwicklung wider: Die aktuelle Hochkonjunktur hat ihren Zenit überschritten. Vor allem hinsichtlich der Zukunftsaussichten ist es nach Überscheiten des konjunkturellen Wendepunktes im 2. Quartal 2018 zu einer weiteren Eintrübung gekommen. Während die Ist-Situation weiterhin sehr positiv und nur leicht rückgängig beurteilt wird – die aktuelle Geschäftslage (Saldo +82 Punkte, zuvor +86), Auftragsbestände (+83, zuvor +89) und Auslandsaufträge (+85, zuvor 90) befinden sich weiterhin auf hohem Niveau – sind die Einschätzungen für die nächsten 3 bis 6 Monate rückläufig. Beispielsweise gingen die Salden aus Positiv- und Negativmeldungen bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten (+16 Punkte, zuvor +23), bei der Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten und beim Beschäftigtenstand in 3 Monaten (+16 Punkte, zuvor +27) zurück, wobei ein Großteil der Firmen (82 Prozent der Unternehmen gewichtet nach Mitarbeiterzahlen) von einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand ausgeht und 17 Prozent der Betriebe eine weitere Aufstockung der Mitarbeiterzahl planen. „Hauptthema in Oberösterreich bleibt der Fachkräftemangel“, betont IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch.

Pessimistischer ist allerdings die allgemeine Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten – hier hat sich der Saldo von -1 auf -24 Punkte weiter reduziert: Während im letzten Quartal, wiederum gewichtet nach Mitarbeiterzahlen, noch 10 Prozent der Unternehmen von einer Eintrübung der Geschäftslage (9 % „steigend“, 81 % gleichbleibend) ausgingen, erwarten mittlerweile 23 Prozent der Firmen eine Verschlechterung der Geschäftslage in 6 Monaten (4 % „steigend“, 68 % „gleichbleibend“). Ähnlich verhält es sich mit der Ertragssituation der Unternehmen: Hier kippte zuletzt der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von zuvor +10 auf nunmehr -12 Punkte deutlich ins Minus. „Diese Zahlen spiegeln eindeutig einen reifen Konjunkturzyklus und darüber hinaus auch die internationalen Risiken wider – nicht mehr und nicht weniger“, betont Haindl-Grutsch.

POSITIVE STANDORTPOLITISCHE MASSNAHMEN DER BUNDESREGIERUNG SCHAFFEN VERTRAUEN

Für IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner steht fest, dass Österreich von einer starken Industrie, die mit ihrer Technologiekompetenz das weltweite Wirtschaftswachstum nutzen konnte, stark profitiert. „Der internationale Aufschwung hat unsere Republik befeuert und Wachstum, Arbeitsplätze und damit Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen generiert“, resümiert Greiner. Oberösterreich als Wirtschaftsmotor der Republik habe hierbei den größten Anteil. „Gleichzeitig erbrachten die Nationalratswahl 2017, die daraus gebildete Regierung und das Regierungsprogramm einen Stimmungsumschwung und eine starke Vertrauensbildung bei den Unternehmen, weil erstmals nicht ständig von neuen Steuern und Belastungen die Rede war, sondern von einer Senkung der Steuer- und Abgabenquote, von Deregulierung und Flexibilisierung. Das spiegelt sich auch in den Investitionen am Standort wider.“
Die bisher mit Abstand wichtigste Maßnahme war das neue Arbeitszeitgesetz, das trotz einer Kampagnisierung, geprägt von Halbwahrheiten und unseriöser Propaganda, seit 1. September d. J. in Kraft ist und zu einer Entkriminalisierung und zur Anpassung an die Realität der heutigen Arbeitspraxis für Unternehmen und Mitarbeiter geführt hat. „Die Arbeitswelt ist am 1. 9. 2018 nicht untergegangen und das wird sie auch weiterhin nicht. Für diese Umsetzungskraft verdient die neue Bundesregierung ein ausdrückliches Lob“, dankt Greiner.

Hinsichtlich der erwähnten Propaganda gilt laut Greiner Gleiches auch für die Sozialversicherungsreform. Unabhängig davon, wieviel Einsparung davon am Ende herauskommen wird, sei es höchst an der Zeit, aus 21 Sozialversicherungsträgern mit insgesamt rund 2.000 Funktionären und vielen hochbezahlten Direktoren-Jobs ein schlankes und effizientes System aufzusetzen – mit einer paritätischen Besetzung der Selbstverwaltung. „Wie beim Arbeitszeitgesetz geht es auch hier den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer in Wahrheit nur um Macht, Einfluss und Parteipolitik, nicht jedoch um die Sache selbst“, kritisiert der IV OÖ-Präsident. Besonders augenscheinlich wird dies im Hinblick auf die nächstjährige AK-Wahl in Oberösterreich, die sich bereits durch regelmäßige Pressegespräche des Präsidenten ankündigt. Sowohl in ihrer Frequenz als auch in der dabei verwendeten Klassenkampfrhetorik, dem ständigen Unternehmer-Bashing und den linksideologischen Inhalten sind die Pressegespräche von Präsident Kalliauer österreichweit einzigartig. „Dies ist insbesondere deswegen erstaunlich, weil die AK OÖ mit vielen ihrer Forderungen gegen die Interessen ihrer eigenen Pflichtmitglieder vorgeht. Ich denke dabei nur an die Themen Steuererhöhungen oder Überstundenabbau“, betont Greiner. Gleichzeitig kassiert die AK als reiche und privilegierte Institution aufgrund der Zwangsbeiträge ihrer Mitglieder von den selben Jahr für Jahr die gesetzlich höchstmöglichen Beiträge ein – was laut einer repräsentativen Befragung unter der oberösterreichischen Bevölkerung übrigens als intransparent und unfair eingestuft wird. Demnach wissen nur 13 Prozent der Pflichtmitglieder über die Höhe der AK-Beiträge Bescheid und lediglich 8 Prozent ist es bekannt, dass es sich dabei um den gesetzlich höchstmöglichen Betrag handelt, der eingehoben wird.

Zur ideologisch und parteipolitisch motivierten Vorgangsweise der AK OÖ passt auch der von den Gewerkschaften angekündigte „heiße Herbst“ gut ins Bild. „Die betriebliche Sozialpartnerschaft funktioniert ja weiterhin hervorragend. Es versteht daher niemand, dass nun Streikdrohungen der Gewerkschaften im Raum stehen“, so IV OÖ-Präsident Greiner. Nachdem sich zu einem Gehaltsabschluss der Metaller auch die Bundesregierung zu Wort gemeldet hat, sei hier noch einmal klar erwähnt: Die größten Profiteure von Lohnerhöhungen sind immer der Staat, staatliche Institutionen und Kammern durch höhere Lohnsteuer-, Kommunalsteuer-, Sozialversicherungs- und Mitgliedsbeitragseinnahmen. „Erst dann profitiert der Arbeitnehmer von der Lohnerhöhung“, kritisiert Greiner. Deswegen sollten sich die zuvor genannten Einrichtungen besonders für Steuer- und Lohnnebenkosten-Senkungen einsetzen, damit den Mitarbeitern mehr Netto in der Geldtasche bleibt.

HOCHKONJUNKTUR FÜR HAUSAUFGABEN AUF BUNDES- UND LANDESEBENE NÜTZEN!

Die Bundesregierung hat zuletzt erste Maßnahmen gesetzt, weitere sind in der Pipeline. Sie tut damit genau das, wofür eine Regierung gewählt ist, nämlich zu entscheiden und umzusetzen und sich nicht von NGOs und einer sozialpartnerschaftlichen Schattenregierung davon abhalten zu lassen. „Österreich hat in der aktuell guten Konjunkturphase die Möglichkeit, die Hausaufgaben zu machen, wovon die Republik in Phasen einer schwächeren Konjunktur profitieren wird“, erläutert Greiner, der diesbezüglich auf Länder wie die Schweiz, Schweden, Dänemark und Deutschland hinweist, die wesentlich niedrigere Schuldenquoten als Österreich aufweisen und damit auch in Krisenzeiten finanzpolitischen Spielraum besitzen.

Im Gegensatz zum Bund ist auf Oberösterreichs Landesebene bereits die Halbzeit der Legislaturperiode durchschritten. Mit dem finanzpolitischen Kurswechsel inklusive Null-Schulden-Politik und Schuldenbremse sowie dem Fokus auf Digitalisierung, Forschung und Hochschulausbau sind zahlreiche wichtige Schritte erfolgt. „Diese Aufholjagd muss mit hoher Dynamik fortgesetzt werden, um die Landesfinanzen nachhaltig zu gesunden und dem Ziel einer industriellen Spitzenregion in Europa näherzukommen“, fordert IV OÖ-Präsident Axel Greiner. Im Hinblick auf den bevorstehenden Wechsel im Standortressort ist er zuversichtlich, dass der in den letzten Jahren eingeschlagene Kurs fortgesetzt wird. Für die OÖ. Industrie sei aktuell ein möglichst hoher Abschluss bei den Leistungsvereinbarungsverhandlungen der JKU Linz am wichtigsten, weil ein starker Industriestandort weltweit nur mit einer starken Hochschullandschaft reüssieren kann. „Gleichzeitig setzen wir hohe Erwartungen in die neue Bildungsdirektion, die einen Schub in der Bildungsqualität in Oberösterreich bringen kann“, so Greiner abschließend: „Besonders hinweisen möchten wir auf unsere neue Initiative mint-ist-zukunft.at, mit der wir mehr Jugendliche für eine MINT-Ausbildung in OÖ gewinnen wollen.“

 

Rückfragehinweis:

Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

Kontakt

DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Geschäftsführer, Industriepolitik, Industriellenvereinigung Oberösterreich

T +43 732 781976 16
joachim.haindl-grutsch@iv.at


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