Konjunkturumfrage der IV OÖ über das 2. Quartal 2017: Optimismus in OÖ. Industrie nimmt weiter zu

IV OÖ-GF Haindl-Grutsch: Konjunkturbarometer durchbricht erstmals seit 2012 den Trendkanal der Stagnation – Optimismus in den Betrieben gewinnt weiter an Fahrt – Fachkräftemangel wird virulent und dämpft das Wachstum – Bis Jahresende muss Oberösterreich wieder zum Musterschüler in Sachen Arbeitslosigkeit werden

IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner, IV OÖ GF Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Das IV OÖ-Konjunkturbarometer, das als Mittelwert aus den Beurteilungen der aktuellen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, zeigt nun das dritte Quartal in Folge nach oben und erreicht den höchsten Wert seit sechs Jahren. Mit 33,4 Punkten durchbricht es auch erstmals seit 2012 den Trendkanal der Stagnation, in dem die Werte bislang halbjährlich hin und her pendelten. Insgesamt zeigt die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 2. Quartal 2017 (101 Firmen mit insgesamt 85.000 Mitarbeitern) sehr erfreuliche Ergebnisse. „Der Optimismus, der sich schon im ersten Quartal abzeichnete, setzt sich in den OÖ. Betrieben fest und gewinnt weiter an Fahrt“, interpretiert IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch die neuesten Konjunkturzahlen. Nicht nur die gegenwärtige Geschäftslage hat sich mit einem Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen von +57 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal (+41 Punkte) spürbar verbessert, auch die Geschäftslage in 6 Monaten wird – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – von 89 Prozent der Betriebe als gleichbleibend eingeschätzt. Der Saldo von +9 Prozentpunkten (10 % „steigend“, 1 % „fallend“) lässt in Kombination mit den zukunftsgerichteten Indikatoren allerdings keinen weiteren signifikanten Anstieg erwarten und deutet darauf hin, dass der Zenit vorerst erreicht ist.

Die Konjunkturzahlen im Detail

Neben einer guten Geschäftslage (Saldo: +57 Prozentpunkte) werden überwiegend auch hohe Auftragsbestände (+59 Punkte, Vorquartal: +55 Punkte) aus den oberösterreichischen Industriebetrieben gemeldet. Die Auslandsaufträge (+46 Punkte, zuvor +51) sind geringfügig zurückgegangen, ebenso die derzeitige Ertragssituation (+30 Punkte, zuvor +32). Bei den Zukunftsindikatoren gehen die Salden aus Positiv- und Negativmeldungen gegenüber dem Vorquartal durchwegs zurück, die Umfragewerte konzentrieren sich noch stärker als bisher auf die Antwortmöglichkeit „gleichbleibend“. So geht die Einschätzung der Produktionstätigkeit in 3 Monaten auf einen Saldo von +21 Prozentpunkte (zuvor: +30) zurück, bei der Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten reduziert sie sich auf +19 Punkte (zuvor: +43). Bei den Verkaufspreisen in 3 Monaten fällt der Saldo sogar auf die Nulllinie zurück (zuvor: +27), die Ertragssituation in 6 Monaten (Saldo: +11 Punkte) wird trotzdem als stabil eingeschätzt. Auch der Beschäftigtenstand bleibt mit einem Saldo von +10 Prozentpunkten stabil, jedoch planen – wiederum gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – statt 32 Prozent im Vorquartal nun nur mehr 16 Prozent der Unternehmen eine weitere Erhöhung des Beschäftigtenstandes; 6 Prozent denken sogar an eine Reduktion. Zusammengefasst gehen Oberösterreichs Betriebe also von einer weiterhin stabilen Entwicklung aus, zusätzliche Steigerungen sind aber eher nicht zu erwarten.

Problemzonen Arbeitsmarkt und Fachkräftemangel

Der erste Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IV OÖ-Konjunkturumfrage scheint nach sechs Jahren der stagnativen Entwicklung, in der sich Konjunktursteigerungen und -rückgänge, Optimismus und Pessimismus abwechselten, beinahe zu schön um wahr zu sein. Selbst die Volatilität der internationalen Märkte und globale politische Risiken schaffen es derzeit nicht, die Auftragslage der exportorientierten oberösterreichischen Industrie und auch den Optimismus zu dämpfen. Die Positivstimmung bringt allerdings eine andere Problemzone zum Vorschein, die das anspringende Wachstum abzubremsen droht: Der Fachkräftemangel insbesondere im technischen Bereich erreicht mittlerweile ein Niveau, das sich durchaus mit jenem der Hochkonjunkturjahre vor der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 vergleichen lässt. Nicht umsonst wurde auch bei einer im Zuge der jährlichen IV OÖ-Vollversammlung durchgeführten Mitgliederbefragung eben der Fachkräftemangel als die mit Abstand größte Herausforderung der nächsten fünf Jahre eingestuft. Die damit verbundene negative Konsequenz ist, dass die Betriebe gezwungen sind, deshalb an Standorten außerhalb Mitteleuropas zu investieren, wo genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. „Das zusätzliche Wachstum findet woanders statt, während es hier gedämpft wird. Der Wettbewerb zwischen den Betrieben um Mitarbeiter nimmt zu“, betont Haindl-Grutsch.

Arbeitslosigkeit: OÖ. muss wieder Musterschüler werden!

Zugleich zeigt sich, dass angesichts des Konjunkturanstieges die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich sinkt – allerdings langsamer als im Vergleich zu anderen Industrieregionen in Österreich und Mitteleuropa aber auch deutlich zu langsam im Verhältnis zum Problemdruck in den Betrieben! Während also Fachkräfte händeringend gesucht werden, bleibt die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich weiterhin zu hoch. „Hier ist das AMS OÖ gefordert“, betont Haindl-Grutsch. Denn in der vergleichsweise zu hohen Arbeitslosigkeit bestehe durchaus Potenzial, den Fachkräftemangel zu lindern. „Es muss gelingen, das Matching zu verbessern und mehr Arbeitslose in die Industrie zu vermitteln. Das würde eine Win-win-Situation für die Industrie und für die öffentliche Hand bedeuten. Oberösterreich muss daher bis zum Jahresende wieder zum Musterschüler in Sachen Arbeitslosigkeit werden und die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer aufweisen!“

Daneben gelte es, Jugendliche, die aufgrund einer mangelnden Bildungsorientierung wenig nachgefragte Ausbildungen in Angriff nehmen, für MINT-Ausbildungen aller Bildungsstufen – von der Lehre über die HTLs bis hin zu den Hochschulen – zu gewinnen. „Leider verlieren wir noch immer zu viele Jugendliche, die bei ihrer Bildungsentscheidung nicht darauf achten, wo heutzutage echte Karrierechancen bestehen. Gerade die technische Lehre ist ein echtes Karrieresprungbrett, das aber wie das gesamte duale System immer noch zu wenig wertgeschätzt wird“, so Haindl-Grutsch. Daneben müsse es auch gelingen, mehr Schüler und Studenten für die HTLs und für die MINT-Studienrichtungen an den Unis und FHs zu begeistern. „Im Zeitalter der Digitalisierung nimmt der Bedarf an Technikern aller Disziplinen stark zu. Maschinenbauer werden in der Industrie genauso benötigt wie Mechatroniker und Informatiker“, bricht IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch erneut eine Lanze für die technischen Ausbildungen.
 

Konjunkturbarometer

Abb.:   Das Konjunkturbarometer der IV OÖ berechnet sich aus der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in 6 Monaten.

 

Linz, 17. Juli 2017

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

 

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