Konjunkturumfrage der IV OÖ über das 3. Quartal 2017: Impulse setzen, um den Aufschwung zu verstärken!

Positive weltweite Wirtschaftsentwicklung und breite internationale Nachfrage beenden konjunkturelle Stagnation der vergangenen 5 Jahre – Erfreuliche Geschäftslage der OÖ. Industrie aber weiterhin Vorsicht in der Erwartungshaltung – Steigender Beschäftigtenstand entlastet Arbeitsmarkt und verstärkt Fachkräftemangel im MINT-Bereich – Österreich braucht jetzt Veränderung und neue Prioritätensetzung, um für nächsten Konjunkturabschwung gerüstet zu sein

V.l.n.r.: DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch, IV OÖ-Geschäftsführer, Univ.-Prof. Dr. Teodoro Cocca, JKU Linz - Institut für betriebliche Finanzwirtschaft, Dr. Axel Greiner, Präsident der IV OÖ

Die erfreuliche Entwicklung der oberösterreichischen Industriekonjunktur hat sich auch im 3. Quartal des laufenden Jahres fortgesetzt. Obwohl auf internationaler Ebene zahlreiche politische Risiken und Unsicherheiten wie z.B. der anstehende Brexit, die politische Entwicklung der Türkei, die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens oder internationale Bedrohungen in Nordkorea und im Nahen Osten bestehen, zeigen sich mit Amerika, Asien und Europa die großen Wirtschaftsregionen der Welt erstaunlich stabil. Das globale Wirtschaftswachstum und die daraus resultierende breite internationale Nachfrage haben erfreuliche Auswirkungen auf die exportorientierte OÖ. Industrie: Bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 3. Quartal 2017, an der sich 90 Firmen mit insgesamt über 91.000 Mitarbeitern beteiligten, wurde die derzeitige Geschäftslage gewichtet nach Mitarbeiterzahlen von 57 Prozent der Unternehmen mit „steigend bzw. gut“ und von 42 Prozent mit „gleichbleibend“ beurteilt. Nur ein Prozent bewertete sie mit „fallend bzw. schlechter“.
 

Abb.:   Das Konjunkturbarometer der IV OÖ berechnet sich aus der aktuellen Geschäftslage und der erwarteten Geschäftslage in 6 Monaten.

„Die positive Konjunkturentwicklung zieht sich quer durch die Branchen und oberösterreichischen Stärkefelder“, berichtet dazu IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner: „Chemie, Papier, Maschinen- und Metallwaren, Elektronik, Fahrzeugbau und auch Bau und Holz melden eine positive Stimmung.“ Eine Einschränkung gibt es laut Greiner aber doch festzuhalten: Die Freude bezieht sich auf die aktuelle Geschäftslage, bei der Einschätzung der Zukunftsaussichten herrscht seitens der Unternehmen weiterhin Vorsicht. Das Konjunkturbarometer, das sich aus der aktuellen Geschäftslage und der zu erwartenden Geschäftslage in 6 Monaten errechnet, zeigt damit weiterhin nach oben, wenngleich auch flacher als in den Vorquartalen.

Anstieg bei den Auslandsaufträgen

Die Auswirkungen der international hohen Nachfrage auf die heimische Industrie lassen sich auch in den Details der Konjunkturumfrage ablesen. Während die Salden aus Positiv- und Negativmeldungen in der aktuellen Geschäftslage (+57 Punkte, Vorquartal: ebenfalls +57 Pkt.) und bei den Auftragsbeständen (+60 Punkte, zuvor +59 Pkt.) konstant blieben, gab es vor allem bei den Auslandsaufträgen Steigerungen zu verbuchen: Der Saldo stieg von +46 auf nunmehr +60 Punkte spürbar an. „Bei den zukunftsgerichteten Indikatoren spiegelt sich allerdings die in den Betrieben herrschende Vorsicht wider“, teilt IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch die Einschätzung von Präsident Greiner: „Die Produktionstätigkeit und die Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten werden als konstant eingestuft, die Salden bleiben aber deutlich unter der 30-Prozentpunkte-Grenze.“ Die Werte im Detail: Bei der Produktionstätigkeit in 3 Monaten sank der Saldo von zuvor +21 auf nunmehr +20 Punkte, bei der Auslastung der Produktionskapazitäten in 3 Monaten verbesserte er sich von +19 auf +26 Punkte. Bei der Ertragssituation in 6 Monaten reduzierte sich der Saldo von +11 auf +10 Punkte, bei der Einschätzung der Geschäftslage in 6 Monaten stieg er hingegen von +9 auf nunmehr +12 Punkte. „Eine nennenswerte oder sogar deutliche weitere Verbesserung wird demnach nicht erwartet“, interpretiert Haindl-Grutsch die Ergebnisse der Konjunkturumfrage.

Konjunktur sorgt für steigende Beschäftigung

Einen erfreulichen und in die Zukunft gerichteten Aspekt gibt es allerdings doch zu berichten: Die grundsätzlich recht gute Konjunkturentwicklung scheint sich nun auch am Arbeitsmarkt zu manifestieren. Wiederum gewichtet nach Mitarbeiterzahlen gaben nun 29 Prozent der Unternehmen an, ihren Beschäftigtenstand in den nächsten 3 Monaten erhöhen zu wollen, der Saldo stieg hier gegenüber dem Vorquartal von +10 auf nunmehr +26 Punkte deutlich an. „Quer durch die Branchen und Mitgliedsbetriebe bekommen wir das Feedback, dass die Aufnahme neuer Mitarbeiter zum zentralen Thema wird“, erklärt dazu Haindl-Grutsch: „Positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind weiterhin zu erwarten, allerdings gibt es dabei auch einen negativen Effekt – die Nachfrage nach Fachkräften kann insbesondere im technischen Bereich nicht oder nur sehr schwer gedeckt werden.“ Der Fachkräftemangel werde immer deutlicher spürbar und drohe mittlerweile zur gläsernen Decke für das Wirtschaftswachstum in Oberösterreich zu werden.

Dieser Umstand veranlasst den IV OÖ-Geschäftsführer zur Kritik an der jahrelangen Stillstandspolitik der bisherigen Bundesregierung: „Gerade in der Bildungspolitik ging wertvolle Zeit verloren. Die letzten zehn Jahre wurden leider nicht genützt, um das österreichische Bildungssystem so zu verändern, dass es wesentlich weniger Schulabbrecher und wesentlich mehr MINT-Absolventen gibt.“ Fast jeder dritte Schüler in Österreich gehört in zumindest einem Gebiet (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) zur Gruppe der Risikoschüler. 13 Prozent sind sogar in allen drei Gebieten in dieser Gruppe zu finden. „Beim PISA-Test liegt Österreich weiterhin nur im Mittelfeld, obwohl die Pro-Kopf-Ausgaben für Bildung europaweit zu den höchsten zählen.

Konjunkturanstieg für echte Reformen nützen!

Für IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner steht indessen fest, dass die generell erfreuliche Entwicklung der Industriekonjunktur von der künftigen Bundesregierung tatsächlich für Reformen genützt wird. „In einer konjunkturellen Aufschwungsphase können durch zusätzliche Steuereinnahmen die dringend erforderlichen Systemänderungen und Steuersenkungen wesentlich leichter umgesetzt werden, als während eines konjunkturellen Abschwunges. Das Wirtschaftswachstum erleichtert der Politik jetzt die Sanierung der öffentlichen Haushalte, die Senkung der Steuer- und Abgabenquote, die Umsetzung entsprechender Strukturreformen und letztlich das Setzen neuer Prioritäten in Zukunftsthemen“, so Greiner. Darüber hinaus könne durch diese Maßnahmen jetzt die Standortattraktivität erhöht werden, damit Österreich in der nächsten Phase des Konjunkturabschwunges wesentlich besser gerüstet ist und aus einer Position der Stärke heraus agieren kann, wie es jetzt schon beispielsweise Schweden, Deutschland oder der Schweiz möglich ist. Diese Länder haben ihre Hausaufgaben bereits erledigt, während das in Österreich noch ansteht – denn zehn Jahre des standortpolitischen Leerlaufs machen sich in den volkswirtschaftlichen Daten und internationalen Rankings längst bemerkbar. Auf die völlig veränderten globalen Rahmenbedingungen seit Ausbruch der Wirtschaftskrise sei laut Greiner nicht adäquat reagiert worden, die Probleme Österreichs bei Staatsverschuldung (über 80 %), Budgetdefizit (Jahr für Jahr), Steuerquote (mit 43 % am obersten Limit), Lohnnebenkosten (im weltweiten Spitzenfeld), Arbeitsmarkt (von Platz 1 auf 9 in der EU), Arbeitsrecht (nicht mehr zeitgemäß, keine Arbeitszeitflexibilisierung), Pensionsfinanzierung (hohe staatliche Zuschüsse), Sozialtransfer (fehlende Treffsicherheit und hohe Kosten), Migration (ungesteuerte Zuwanderung Geringqualifizierter), Bildung und Forschung (hoher Input, zu schwacher Output, fehlende MINT-Absolventen), Wirtschaftswachstum (viele Jahre unterdurchschnittlich), Verwaltung (Überregulierung), Energie (falsche Förderanreize) oder auch in der Sozialpartnerschaft (Promotoren des Stillstandes) seien umfassend. „Nach Jahren zu geringer Veränderungsdynamik braucht der Standort Österreich jetzt den Aufbruch“, fordert der IV OÖ-Präsident ein umfassendes Programm zur Steigerung der Standortattraktivität, von dem die Bürger unseres Landes und die Unternehmen gleichermaßen profitieren: „Mit diesem Programm muss einerseits ein Heilfasten bei den Ausgaben und Strukturen Österreichs eingeleitet werden und andererseits eine neue Prioritätensetzung auf die Zukunftsthemen Bildung und Forschung, Digitalisierung und Infrastruktur erfolgen!“

Rückkehr auf die Überholspur

Laut IV OÖ-Präsident Greiner muss Österreich endlich in den Kreis der europäischen Spitzenländer aufsteigen, wo es aufgrund seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eigentlich immer hingehört. „Hierfür können wir das oberösterreichische Modell als Vorbild für die Bundesebene wärmstens empfehlen. Unser Bundesland hat einen Weg eingeschlagen, der von einer neuen Finanzpolitik mit Schuldenbremse und Bürokratieabbau sowie von neuen Prioritäten in Bildung, Forschung, Wirtschaft und Digitalisierung geprägt ist“, so Greiner. Oberösterreichs Kurswechsel sei ein Beweis dafür, dass mit den richtigen Personen an der Spitze – hier sind dies LH Mag. Thomas Stelzer und die LH-Stellvertreter Dr. Michael Strugl und  Dr. Manfred Haimbuchner – die notwendigen Veränderungen tatsächlich eingeleitet und umgesetzt werden können, wenn das notwendige Wissen und der nötige Wille vorhanden sind.

Auf Bundesebene gelte es daher, jetzt eine klar proeuropäische Regierung der besten Köpfe aus den beiden wahlgewinnenden Parteien zu formen. „Die Bürger haben bei der Nationalratswahl jene Veränderung gewählt, die Österreich dringend benötigt, damit wir auch in Zukunft erfolgreich sind.“ Aus der Sicht von IV OÖ-Präsident Greiner geht es nun darum, den Menschen wieder mehr Chancen und Möglichkeiten für ein eigenverantwortliches Leben zu geben. Chancen und Möglichkeiten für ein eigenverantwortliches Leben bedeuten für Greiner nicht, die Menschen ständig in eine Opferrolle zu bringen, aus der sie mit den Almosen des Staates gerettet werden müssen: „Gerechtigkeit herrscht nicht, wenn alle gleich sind, sondern wenn alle die gleichen Chancen haben. Wir brauchen also Chancengerechtigkeit und nicht Verteilungsgerechtigkeit!“, so IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner abschließend.

Linz, 24. Oktober 2017

 

Rückfragehinweis:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

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