Konjunkturumfrage der IV OÖ über das 1. Quartal 2017: Oberösterreichs Industriekonjunktur gewinnt an Fahrt

IV OÖ-GF Haindl-Grutsch: Guter Auftragsbestand und steigende Auslandsaufträge führen zu signifikanter Zunahme der Produktionstätigkeit und der Nachfrage nach Mitarbeitern – Konjunktureller Aufwärtstrend setzt sich fort, wird wegen geopolitischer Risiken aber noch vorsichtig taxiert – Verbesserung der regionalen Standortfaktoren wird den fahrenden Konjunkturzug weiter beschleunigen

IV OÖ Geschäftsführer DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) über das 1. Quartal 2017 (105 Firmen, insgesamt 96.500 Mitarbeiter) zeigen einen klaren Aufwärtstrend. „Sowohl die derzeitige Geschäftslage als auch die Zukunftsindikatoren deuten auf einen Konjunkturaufschwung hin“, interpretiert IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch die vorliegenden Zahlen.

Tatsächlich beurteilten – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – 42 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“ und nur 1 Prozent mit „schlecht“. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen liegt bei 41 Prozentpunkten und erreicht damit den höchsten Wert seit Jahresmitte 2012. Die immerhin 5 Jahre anhaltende Stagnationsphase scheint damit überwunden, wie Haindl-Grutsch erklärt: „Die Produktionstätigkeit in den nächsten 3 Monaten und die Auslastung der Produktionskapazitäten werden durch hohe Auftragsbestände befeuert, auch für die Verkaufspreise gibt es positive Prognosen. Dass die Geschäftstätigkeit und die Ertragssituation in 6 Monaten noch etwas vorsichtig eingeschätzt werden, ist den vielen geopolitischen Risiken geschuldet.“

Die Ergebnisse im Detail

Neben der aktuellen Geschäftslage (Saldo: +41 %, Vorquartal: +30 %) weisen auch die Auftragsbestände und die Auslandsaufträge deutliche Zunahmen auf – die Salden stiegen innerhalb eines Quartals von +34 bzw. +31 Prozentpunkten auf nunmehr +55 bzw. +51 Prozentpunkte. Die derzeitige Ertragssituation (Saldo: +32 %) wurde ebenfalls positiver beurteilt als im Vorquartal (+25 %). Infolge der vollen Auftragsbücher steigen auch die Produktionstätigkeit in 3 Monaten (Saldo: +30 %, Vorquartal: -4 %) und die Auslastung der Produktionskapazitäten in 3 Monaten (+43 % / -5 %) sprunghaft an. Dass die Geschäftslage in 6 Monaten mit einem Saldo von +11 Prozentpunkten nur geringfügig positiver als im Vorquartal (+8 %) und die Ertragssituation in 6 Monaten nahezu unverändert (+1 % / +2 %) eingeschätzt werden, sind Zeichen der nach wie vor bestehenden Vorsicht.

Eine branchenweise Analyse der Umfrageergebnisse zeigt zudem, dass mit der Maschinenbau- und Metallwarenindustrie, der Chemie- und Kunststoffindustrie, der Bauindustrie sowie mit der Fahrzeugindustrie wichtige oberösterreichische Stärkefelder den Konjunkturaufschwung tragen.

Steigender Bedarf an Mitarbeitern

Mit dem beginnenden Konjunkturaufschwung nimmt gleichzeitig der Bedarf an Mitarbeitern deutlich zu. Die Frage nach dem Beschäftigtenstand in 3 Monaten beantworteten – wiederum gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – 32 Prozent der Unternehmen mit „steigend“ und nur 2 Prozent mit „fallend“. Damit drehte der Saldo von zuvor -8 Prozentpunkten in den Positivbereich und legte einen massiven Anstieg auf +30 Prozentpunkte hin. Etwa ein Drittel der Firmen plant also, in den nächsten 3 Monaten Mitarbeiter einzustellen. Das bringt für die Betriebe jedoch auch negative Auswirkungen mit sich: Der insbesondere im technischen Bereich seit Jahren bestehende Fachkräftemangel legt ebenfalls zu und verstärkt für viele Betriebe die Herausforderung, das Wachstum mit entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern begleiten zu können. „Es muss uns gelingen, wesentlich mehr Nachwuchskräfte für Berufe im MINT-Bereich zu begeistern. Der Bedarf zieht sich von der Lehrausbildung über die HTL- bis zu den FH- und Universitätsabschlüssen“, so Haindl-Grutsch, aus fachlicher Sicht stünden Mechatroniker und Informatiker weiterhin ganz oben auf der Bedarfsliste.

Positive Entwicklung der STandort-Rahmenbedingungen

Sofern sich nicht aus geopolitischen Gründen Wachstumsdämpfer ergeben, scheint sich der aktuelle Aufschwung auch im 2. Halbjahr fortzusetzen. Positiv ist, dass die Konjunkturentwicklung in Oberösterreich durch ein Paket an Maßnahmen zur Verbesserung der regionalen Standortfaktoren ergänzt wird. „Die in Fertigstellung befindliche Standort-Agenda wird in den nächsten Wochen präsentiert werden“, so Haindl-Grutsch.

Auf Bundesebene dränge vor allem die von den Sozialpartnern wild umstrittene Flexibilisierung der Arbeitszeitregelungen. „Wir weisen darauf hin, dass eine Einigung bis Ende Juni gelingen muss, weil die Sozialpartner andernfalls ihre Daseinsberechtigung verlieren“, betont Haindl-Grutsch. Über die Arbeitszeitflexibilisierung würde bereits seit Jahren gestritten, bislang sei jedoch der Austausch von „Killer-Argumenten“ im Vordergrund gestanden. „Aus Sicht der Industrie ist es nicht nachvollziehbar, warum die Erstellung eines Konzeptes unmöglich sein sollte, das einer definierten Mitarbeitergruppe mit Gleitzeitvereinbarung in Bereichen wie Montage, Vertrieb, Marketing, Forschung & Entwicklung oder Planung, Konstruktion und IKT ermöglicht, die erlaubte Tagesarbeitszeit bei Bedarf auf 12 Stunden auszudehnen, ohne dass Überstunden verloren gehen oder die wöchentliche Höchstarbeitszeit ausgedehnt wird.“ Für IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch steht fest, dass sich daraus Vorteile für alle Seiten ergeben würden: „Sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber wünschen eine Win-win-Situation, die den Mitarbeitern längere Freizeitblöcke und den Unternehmen mehr Flexibilität ermöglicht!“

Linz, 20. April 2017

 

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

 

 

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