70 Jahre IV OÖ – 70 Jahre industrieller Fortschritt Erfolgsfaktoren für die Zukunft der Industrie

70 Jahre IV OÖ: Die Industrie ist das Fundament jeder Volkswirtschaft und der maßgebliche Wohlstandstreiber – Industrielle Erfolgsfaktoren müssen wieder stärker auf Basis von Fakten beurteilt werden – IV OÖ präsentiert die neue Publikation „INDUSTRIE – Aus 70 Jahren Fortschritt für die Zukunft lernen“

Das Präsidium der IV OÖ (v.l.n.r.): Dr. Erich Wiesner, Dipl.-Ing. Stefan Pierer, Dr. Axel Greiner, Dr. Wolfgang Eder, Dipl.-Ing. F. Peter Mitterbauer und IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) feiert 2017 und insbesondere mit dem heutigen traditionellen Industrieempfang ihr 70-Jahre-Jubiläum. Seit ihrer Gründung im Jahr 1947 ist ihr die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und seiner Betriebe ein Hauptanliegen. Ob es dabei um die Arbeitswelt, um Bildung, Energie und Umwelt, Infrastruktur, Forschung und Technologie oder Finanz- und Sozialpolitik geht – die IV OÖ setzt sich als Think Tank im Umfeld wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fragen intensiv für eine zukunftsfähige Entwicklung des Landes und seiner Menschen ein und lebt Verantwortung für den Standort.

Die herausragende Entwicklung der OÖ. Industrie in den letzten Jahrzehnten zeigt auf, wie umfangreich ihr Nutzen für die gesamte Wirtschaft, die Menschen sowie die Lebensqualität in unserem Land ist und wie der Weg für Oberösterreich in eine erfolgreiche Zukunft gestaltet werden muss. Die vier Säulen des Erfolges der Industrie

  • Globalisierung und Export,
  • Neue Technologien und Industrie 4.0,
  • Ressourcen- und Umweltverantwortung und
  • Innovation durch Investition

stehen dabei im Mittelpunkt. Anlässlich des 70 jährigen Jubiläums präsentiert die IV OÖ dazu die Publikation „INDUSTRIE – Aus 70 Jahren Fortschritt für die Zukunft lernen“, die in unserem Land breit verteilt wird und zu mehr Wissen über diese Erfolgsfaktoren führen soll.

IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner:

Technisch-wirtschaftliche Fakten statt Ideologien

„Gerade die Themenbereiche Globalisierung und Freihandel, Industrie 4.0 und neue Technologien sowie Energie- und Klimapolitik entwickeln sich seit einiger Zeit zunehmend zu einer Glaubensfrage. Sie entfernen sich immer stärker von den technisch-wirtschaftlichen Fakten und Grundlagen. Mit zunehmender Komplexität dieser Themen bei gleichzeitig stagnierendem Wissen über technische und wirtschaftliche Zusammenhänge wird das Ganze zu einer Spielwiese des Populismus, der Ideologie und der ‚alternativen Fakten’. Das erleben wir in der Diskussion über Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA, beim Thema CO2-Emissionen, ganz aktuell beim Themenkomplex Elektromobilität bzw. ‚Dieselbashing‘ und nicht zuletzt bei der zunehmenden Angst vor den Robotern. Neue Kommunikationskanäle multiplizieren diese ‚alternativen Fakten’ zusätzlich und münden dann häufig in falschen Entscheidungen auf politischer Ebene. Dies alles führt dazu, dass kaum ein Land so globalisierungs- und europaskeptisch ist, wie Österreich. In der Realität sind die internationale Vernetzung und der technologische Fortschritt aber die wichtigsten Wohlstandstreiber in unserem Land!

Vor diesem Hintergrund befindet sich Österreich auf bundespolitischer Ebene, die für viele gesetzliche Rahmenbedingungen des Standortes verantwortlich ist, neuerlich in einer Schwebephase. Zu Beginn des Jahres waren wir noch sehr zuversichtlich, was die Umsetzung notwendiger Reformen anlangt. Das im Jänner beschlossene Regierungsprogramm Neu hat viele positive Maßnahmen und kleinere Reformschritte beinhaltet, die sich aufgrund der anstehenden Neuwahlen verzögern oder deren Umsetzung wieder völlig offen ist. Entscheidend ist aber, dass nach mittlerweile zehn Jahren Stillstand die großen Reformthemen im Anschluss an die Nationalratswahl umgehend in Angriff genommen werden und die umfassende Veränderung eines verkrusteten Systems in den Mittelpunkt gerückt wird.

Die Rolle, welche die Industrie dabei einnehmen werde, ist klar. Gerade in einer Zeit, in der Freihandelsabkommen, der technische Fortschritt oder zentrale Infrastrukturprojekte ständig hinterfragt und zunehmend abgelehnt werden, müsse dieser besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklung mit umfangreicher Sachinformation begegnet werden. Oberösterreich hat sich von einer landwirtschaftlich geprägten und einer von der Krise der verstaatlichten Industrie betroffenen Region zu einem starken Industriestandort im Herzen Europas entwickelt. Davon profitiert die gesamte Wirtschaft, es entstanden attraktive und gut bezahlte Arbeitsplätze und die Politik konnte mit den stark steigenden Steuereinnahmen umfangreiche Leistungen für das Land und seine Bevölkerung finanzieren. Die IV OÖ wird daher ihren Weg fortsetzen und sich als ‚Anwältin’ des Standortes Oberösterreich für die weitere Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit einsetzen.“

 

IV OÖ-Vizepräsident Dr. Wolfgang Eder:

Europa braucht Die Industrie als wertschöpfungsmotor

„In Oberösterreich hat die Industrie während der letzten Jahrzehnte eine sehr erfolgreiche Entwicklung hingelegt, Europa dagegen konnte sich über die letzten 15 Jahre einer deutlichen Deindustrialisierung nicht entziehen. Nur wenige europäische Regionen haben heute noch eine stabil hohe Industriequote. Die meisten davon befinden sich in Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland, der Schweiz und erfreulicherweise auch in Österreich. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, wie wichtig die Funktion des produzierenden Sektors als Rückgrat der gesamten Wirtschaft ist. Staaten mit einer hohen Industriequote kamen wesentlich rascher aus der Krise, als jene Länder, die ihr Heil in der Dienstleistungsgesellschaft gesehen hatten. Die Industrie hat sich einmal mehr als DER stabile volkswirtschaftliche Faktor bestätigt – aufgrund ihrer Wertschöpfungseffekte auf die gesamte Wirtschaft, aber auch, weil die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zum größten Teil in der und über die Industrie passiert, womit sie mehr als jeder andere Wirtschaftszweig zukunftssichernd wirkt.

Aus diesem Grund hat die Europäische Union vor drei Jahren auch das Ziel ausgegeben, die Industriequote bis zum Jahr 2020 möglichst wieder auf 20 Prozent anzuheben. Was Europa zu oft aber fehlt, sind konkrete Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Man hat vielfach den Eindruck, die EU tut sich schwer bei großen Themen und überreguliert die kleinen. Dabei sollte aber eines klar sein: Wir leben immer stärker von globalen Märkten, vom Export und vom internationalen Handel. Darauf muss sich Europas Politik konzentrieren. Die EU muss gerade in einer so schwierigen Phase mit Brexit, Euro-Skepsis und anhaltenden finanzpolitischen Problemen zusammenrücken und sich ihrer Stärken, die sie in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich so erfolgreich gemacht hat, besinnen. Dazu zählt vor allem der Anspruch, in den klassischen Industriebereichen – und denen gehört die Zukunft mindestens genauso wie den neuen – auch die globale Führungsrolle zu behalten. Europa hat dazu das Wissen und die Menschen, wir müssen es nur konsequent wollen.“

 

IV OÖ-Vizepräsident Dipl.-Ing. F. Peter Mitterbauer, MBA:

Nicht an Arbeit wird es mangeln, sondern an Mitarbeitern

„Neue Technologien und die 4. industrielle Revolution sind für ein industriestarkes Bundesland wie Oberösterreich eine Riesenchance, die uns neuerlich einen großen Produktivitäts- und damit Wohlstandssprung ermöglichen können. Industrie 4.0 wird aber oft als reine Optimierung von Produktionsprozessen missverstanden, tatsächlich geht es bei der Digitalisierung der Industrie aber um mehr. Die Unternehmen müssen rund um ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen auch neue, digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Neue Technologien sind keine Arbeitsplatz-Killer, sondern verändern und verbessern in erster Linie die Art der Arbeit. Das ist nichts Neues, sondern war noch in jeder industriellen Revolution der Fall. Der Mensch hat immer nach neuen Lösungen gesucht, um Aufgaben effizienter und einfacher zu erledigen und damit mehr Lebensqualität zu generieren. Für die Industrie bedeutet das, dass sich die Arbeit in der Produktion von einem Bedienen von Maschinen hin zu einer Steuerung von Prozessen und Arbeitsabläufen verändern wird. Zudem bringt die Digitalisierung viele neue Aufgabenfelder mit sich.

Dazu brauchen wir auch in Zukunft Mitarbeiter, die über die entsprechenden Qualifikationen verfügen. Und genau darin sehen wir das größte Risiko: Anders als oftmals prophezeit wird, sollten wir nicht Angst davor haben, dass die Maschinen den Menschen die Arbeit wegnehmen, sondern konkrete Maßnahmen setzen, dass die Betriebe auch in Zukunft genügend qualifizierte Mitarbeiter finden. Es muss gelingen, mehr Absolventen in den MINT-Qualifikationen – vom dualen Sektor über die HTLs bis zu den Hochschulen – hervorzubringen. Dazu braucht es eine Attraktivierung des dualen Systems, den Ausbau der HTL-Infrastruktur und kräftige Steigerungen der Absolventenzahlen an FH OÖ und JKU Linz. Insgesamt muss es unser Weg sein, neue Technologien zu fördern, anstatt sie zu besteuern!“

 

IV OÖ-Vizepräsident Dipl.-Ing. Stefan Pierer:

österreich braucht neue strukturen und mehr unternehmertum

„In einem Hochlohnland mit hoher Steuerquote kann man als Unternehmen nur mit einer Kombination aus hochtechnologischen Produkten und entsprechend hoher Innovationsrate global reüssieren. Die OÖ. Industrie muss die tägliche Herausforderung bewältigen, neue Ideen zu generieren, diese als Innovationen erfolgreich am Markt zu platzieren und damit Wachstum und Arbeitsplätze zu ermöglichen.

Innovationen setzen aber hohe Investitionen voraus. Unser Erfolg hängt davon ab, ob Unternehmen in Bildung und Forschung, in neue Maschinen und Fabrikserweiterungen investieren. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen müssen von der Politik und der Sozialpartnerschaft bereitgestellt werden. Denn eines steht fest: Am Ende ist es nicht die Politik, die Arbeitsplätze schafft, sondern der erfolgreiche Unternehmer, der für Beschäftigung, für Einkommen, für Steuereinnahmen und damit für Wohlstand sorgt. Sie müssen wesentlich stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.

Diesen Grundsatz sollten auch die Sozialpartner verinnerlichen – besonders dann, wenn es aktuell zum wiederholten Mal um die Arbeitszeitflexibilisierung geht. Bis Ende Juni wird sich herausstellen, ob die Sozialpartnerschaft in dieser Form eine Zukunft hat oder sich selbst abschafft. In der Nachkriegszeit hatte sie zweifellos ihre Berechtigung und hohe Verdienste. Heute ist sie aber von gegenseitiger Blockade, Stillstand und einem künstlich geschaffenen Klassenkampf geprägt, der insbesondere in Oberösterreich aus der untersten Schublade heraus geführt wird. Wenn sich die Sozialpartnerschaft nicht zu einer effizienten, zukunftsorientierten Standortpartnerschaft weiterentwickelt, hat sie ihre Daseinsberechtigung auf überbetrieblicher Ebene verwirkt!“

 

IV OÖ-Vizepräsident Dr. Erich Wiesner, MBA:

Was heute in der Industrie raucht, sind die Köpfe

„Österreichs und insbesondere Oberösterreichs Industrie zählt in Sachen Umweltschonung und Ressourceneffizienz zur absoluten Weltspitze. Bei praktisch allen Schadstoffen gibt es seit 1990 erhebliche Reduktionen. So wird nicht nur die weltweit sauberste Tonne Stahl in Oberösterreich produziert, sondern auch die sauberste Tonne Zement und Papier. Damit ist Oberösterreichs Industrie ganz klar ein Teil der Lösung, wenn es darum geht, die weltweiten Energie- und Umweltprobleme in den Griff zu bekommen – nicht zuletzt auch durch die vielen oberösterreichischen Firmen, die weltweit im Bereich der Energie- und Umwelttechnologien wettbewerbsfähige Lösungen anbieten können.

Diese ‚hard facts’ stehen aber im krassen Gegensatz zur öffentlichen Meinung und zum Verhalten der Politik sowie der NGOs; die Diskrepanz zwischen Realität und Wahrnehmung ist in Österreich außergewöhnlich hoch. Während etwa der Umweltschutz in der Verfassung festgeschrieben ist, bleibt das wirtschaftliche Fortkommen als Voraussetzung für Arbeitsplätze und ein menschenwürdiges Einkommen oftmals hintangestellt. Obwohl Österreich in der Realität durch hohes Umweltbewusstsein und ausgeprägte soziale Verantwortung ein weltweites Vorbild ist, kommt diese Gleichrangigkeit von Ökonomie und Ökologie bei Großprojekten immer öfter unter die Räder. Infrastrukturprojekte und auch industrielle Investitionen werden häufig jahrelang aufgeschoben oder sogar gänzlich verhindert, weil die Politik Opfer ihrer eigenen Gesetze und Regelungen geworden ist und „Golden Plating“ betrieben hat. Das geschah beim CO2-Emissionshandel ebenso wie bei der Ökostromförderung oder aktuell beim Urteil zur 3. Piste am Flughafen Wien-Schwechat oder beim Westring. Unüberlegte Verbote und verfehlte Marktanreize sind in all diesen Bereichen der falsche Weg. Nicht nur die Industrie, sondern das ganze Land braucht stattdessen die Förderung von Forschung und Entwicklung sowie von Investitionen in neue Energie- und Umwelttechnologien. Damit gelingt es am besten, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Regionen mit niedrigeren Umweltstandards zu verhindern.“
 

70 Jahre Industriellenvereinigung Oberösterreich

Die IV OÖ wurde am 11. März 1947 als parteipolitisch unabhängiger Verein gegründet. Ihr Fundament bildet die Ehrenamtlichkeit aller Funktionäre sowie die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft der Industriebetriebe und industrienahen Dienstleister entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette. Dazu zählen die großen Leitbetriebe und viele international orientierte KMUs.

Zentrale Aufgabe der IV OÖ ist der Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Oberösterreich mit dem Ziel, Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand im Land zu fördern. Im Oberösterreich hängen 50 Prozent aller Beschäftigten, fast zwei Drittel der Wertschöpfung und der Investitionen sowie 80 Prozent der Forschung von der Industrie und den industrienahen Dienstleistern ab.

Präsidenten der IV OÖ

  • KommR Gustav Hack (1947 - 1953)
  • KommR Wilhelm Poeschl (1953 - 1974)
  • KommR Eugen Malina-Altzinger (1974 - 1988)
  • Dipl.-Ing. DDr.h.c.Peter Mitterbauer (1988 - 1996)
  • Dr. Karl Büche (1996 - 2004)
  • Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger (2004 - 2013)
  • Dr. Axel Greiner (seit 2013)

Das Fundament einer starken industriellen Interessenvertretung

  • Freiwilligkeit der Mitgliedschaft
  • Parteipolitische Unabhängigkeit
  • Ehrenamtlichkeit aller Funktionäre

Die Hauptaufgaben der IV OÖ

  • Unterstützung der Mitglieder
  • „Anwältin“ des Standortes auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene
  • Benchmarking mit industriellen Spitzenregionen und Positionierung von Oberösterreich als wettbewerbsfähiger Standort mit einer modernen, offenen und leistungsorientierten Gesellschaft
  • Think-Tank für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfragen
  • Netzwerk

 

Rückfragehinweis:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

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