Schwungrad statt Teufelskreis

Standort-Deklaration - Mit 20 Fragen zum Industrie-Standort konkretisiert die IV-OÖ ihre Sorge um die Zukunft von Oberösterreich. Das Land braucht neue Impulse, um ein positives Schwungrad in Gang zu setzen.
v.l.: IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner, IV OÖ-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch (Jahresauftakt-PK 2016)

Mangelndes Wachstum und steigende Arbeitslosigkeit ließen das neue Jahr so beginnen, wie das alte geendet hatte – mit gedämpftem Optimismus in der Industrie. Für IV-OÖ-Präsident Axel Greiner steht fest, dass der weiterhin verhaltene Konjunkturausblick eng mit Versäumnissen der Bundespolitik, aber auch mit einer falschen Priorisierung seitens der Landespolitik verbunden ist. „Wir befinden uns im Teufelskreis einer abnehmenden Standortqualität“, meint Greiner. Aus diesem Grund verabschiedeten Präsidium und Vorstand der IV-OÖ eine Deklaration, mit der die zunehmende Sorge um Oberösterreichs Zukunft zum Ausdruck gebracht wurde.

Sorge um Oberösterreichs Zukunft
„Oberösterreich hängt als Industriebundesland stark von der Attraktivität des Standortes Österreich ab. Dessen abnehmende Wettbewerbsfähigkeit wirkt sich in unserem Bundesland besonders stark aus“, erläutert der IV-OÖ-Präsident. Der generelle Rahmen in der Steuer- und Finanzpolitik, im Arbeitsrecht oder bei Forschung und Bildung werde zwar auf Bundesebene definiert, dennoch zeige sich weltweit, dass sich Regionen in einem Staat trotz gleicher nationaler Bedingungen unterschiedlich entwickeln: „In der Region erfolgen die individuelle Gestaltung der Haushaltspolitik, der Sozial- und Gesundheitspolitik, die Umsetzung von Reformen im öffentlichen Sektor, von Wirtschaftsinitiativen, Infrastrukturprojekten und vielen weiteren Schwerpunkten. Gerade deshalb ist auch die regionale Wettbewerbsfähigkeit so wichtig.“

20 Fragen zum Standort
Beim traditionellen Pressegespräch zum Jahresauftakt wurde die Standort-Deklaration in Verantwortung für den Standort und hunderttausende Arbeitsplätze inhaltlich mit 20 Fragen konkretisiert. „Mit der Auflistung der von den Industrieunternehmen in den letzten Jahren am häufigsten gestellten Fragen wird eine Analyse von Anspruch und Status-quo bei diesen Themenbereichen möglich“, erklärt dazu IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. Der kritische Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Oberösterreich biete die Basis für eine inhaltliche Diskussion über die prioritären Maßnahmen mit der größten Hebelwirkung zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit des Landes und zum angestrebten Aufstieg in die Champions League der Industrieregionen.

Die Fragen gliederten sich im Wesentlichen in drei Blöcke und betrafen sowohl den Landeshaushalt als auch politische Strukturen sowie Prioritäten, die direkt und indirekt über die Finanzpolitik des Landes gesetzt werden. „Beispielsweise widmete sich eine der Fragen dem Budget des Landesmusikschulwerks, das mit 67 Mio. Euro pro Jahr höhere Kosten verursacht, als für Wirtschaft und Arbeitsmarkt zur Verfügung steht“, so Greiner. Auch Kinderbetreuung, Bildung oder Fachhochschulplätze wurden auf das Tapet gebracht.

Konstruktive Gespräche
Eine Wertung hinsichtlich ihrer Wichtigkeit wurde bei der Auflistung der Fragen absichtlich nicht vorgenommen. „Die Analyse zeigt aber deutlich auf, dass in der letzten Legislaturperiode das Schwungrad des Erfolges für Oberösterreich nicht ausreichend angetrieben wurde“, betont der IV-OÖ-Präsident. Zusätzlich dienten die Fragen zur Absteckung der Problembereiche und Handlungsfelder, die in einem direkten Gespräch behandelt werden sollten, zu dem Landeshauptmann Josef Pühringer den IV-OÖ-Vorstand bereits nach dem Beschluss der Standort-Deklaration geladen hatte. Das Gespräch, an dem neben dem IV-OÖ-Präsidium rund 50 Spitzenvertreter der OÖ. Industrie teilnahmen, fand nur wenige Tage nach dem medialen Jahresauftakt statt. Im Großen und Ganzen sei es konstruktiv verlaufen und habe auch ein konkretes Ergebnis gebracht, wie Greiner erklärt: „Wir haben uns mit dem Landeshauptmann auf die gemeinsame Erarbeitung einer Zukunftsagenda bis zum Frühsommer geeinigt. Es muss uns gelingen, die Weichen für das Industrieland Oberösterreich jetzt richtig zu stellen. Das Land braucht eine neue Aufbruchstimmung!“

IV-IconInformationen zum Beitrag


IV-IconVerwandte Themen


Infrastruktur, Transport, Ressourcen, Energie

Das Aus der Stempeluhren

Die Digitalisierung verändert sowohl das Arbeits- wie auch das Privatleben und sorgt für eine Entgrenzung beider Bereich...

20 Fragen zur Entwicklung des Standortes Oberösterreich

Die Standort-Deklaration wurde inhaltlich mit 20 Fragen zur Entwicklung Oberösterreichs konkretisiert. Die Fragen betref...

Infrastruktur, Transport, Ressourcen, Energie

Heilige Kühe

Oberösterreich braucht neue Priorisierungen und eine Zukunftsagenda, damit eine Aufbruchstimmung entsteht. Die nächsten ...

Infrastruktur, Transport, Ressourcen, Energie

Schwungrad statt Teufelskreis - OÖ braucht neue Impulse!

20 Fragen zur Entwicklung des Standortes OÖ - IV OÖ: Konjunkturelles Umfeld für die OÖ. Industrie durch zahlreiche inter...

Finanzpolitik & Recht

Zunehmende Sorge

Das Budget ist die in Zahlen gegossene Strategie unseres Bundeslandes. Als solche gibt es nicht gerade Grund zur Zuversi...

Infrastruktur, Transport, Ressourcen, Energie

IV OÖ beschließt Standort-Deklaration!

IV OÖ-Präsident Greiner bei der Medienlounge 2015: Die letzte Legislaturperiode brachte für OÖ keine ausreichenden Antwo...

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild