Das Aus der Stempeluhren

Die Digitalisierung verändert sowohl das Arbeits- wie auch das Privatleben und sorgt für eine Entgrenzung beider Bereiche. Das veraltete Stempeluhren-Weltbild ist somit Geschichte.

IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner

Die Turbulenzen am Arbeitsmarkt rufen regelmäßig Arbeitnehmervertreter auf den Plan, die glauben, mit falschen und veralteten Rezepten die Probleme der modernen Zeit lösen zu können. Die Einführung einer sechsten Urlaubswoche kommt dabei ebenso regelmäßig auf das Tapet wie eine weitere Arbeitszeitverkürzung oder die Verhinderung der Flexibilisierung von Arbeitszeit. So manche Akteure weigern sich offenbar zu verstehen, dass der Weg zu zusätzlichen Arbeitsplätzen ausschließlich über die Erhöhung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit führt und nicht über die Schaffung weiterer Beschränkungen.

Immer wieder wird dabei von Arbeitnehmervertretungen ins Treffen geführt, dass Mitarbeiter zum Beispiel berufliche E-Mails während der Freizeit abrufen, und dass die Vermischung von Arbeit und Privatleben ungesund und gefährlich sei. Tatsächlich aber ist es so, dass die Digitalisierung des Arbeitslebens ebenso rasant voranschreitet wie die Digitalisierung des Privatlebens. 

Eine Trennung von E-Mail-Checks in privat und beruflich ist heute ebenso unmöglich wie eine genaue Kontrolle des Umkehrfalles, zum Beispiel des privaten Internet-Surfens während der Arbeitszeit. Über Smartphones oder Tablets sind wir sieben Tage die Woche rund um die Uhr online. Die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit schreitet dadurch voran und verlangt einen neuen arbeitsrechtlichen Rahmen, welcher der Digitalisierung unseres Lebens Rechnung trägt.

In diesem Zusammenhang steht jedenfalls fest, dass die Beibehaltung strenger Arbeitszeitregelungen nicht nur kontraproduktiv, sondern überhaupt unmöglich ist. Es braucht individuelle, vertrauensvolle Abstimmungen mit den Mitarbeitern, die das alte Stempeluhren-Weltbild ablösen. Es ist dringend erforderlich, die arbeitsrechtlichen Regelungen an das heutige Arbeitsleben und an die modernen Anforderungen unserer Mitarbeiter an ihre Freizeit anzupassen. Alles andere ist im Zeitalter der Digitalisierung realitätsfern.

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