Ungesunde Zentralisierung

Forschung: Obwohl Oberösterreich bei den Forschungs- und Universitätsmitteln zulegen konnte, öffnet sich die Schere zu Wien immer weiter. Ähnlich verhält es sich bei den Gebietskrankenkassen und den AMS-Mitteln. Ein viel zu großer Teil der Bundesbudgets wird von der Stadt Wien aufgesaugt.

v.l.: Dr. Joachim Haindl-Grutsch (GF IV), Mag. Angelika Sery-Froschauer (Vizepräsidentin WK OÖ), Univ.Prof. Meinhard Lukas (designierter Rektor der JKU), Dr. Wolfgang Eder (CEO voestalpine und Beiratsvorsitzender des LIT)

Die neuesten Forschungszahlen der Statistik Austria für das Jahr 2013 fielen aus oberösterreichischer Sicht erfreulich aus: Gegenüber 2011 steigerte sich die F&E-Quote von 2,62 auf 3,17 Prozent – vor allem aufgrund des Unternehmenssektors, der seine Forschungsausgaben in diesem Zeitraum um knapp 300 Mio. Euro gesteigert hat.

Sehr viel unerfreulicher wird es aber für die heimische Forschungslandschaft, wenn man die F&E-Ausgaben des Bundes in den Vergleich miteinbezieht. Das Forschungsbudget des Bundes beträgt rund 2,4 Mrd. Euro, etwa 50 Prozent bzw. 1,2 Mrd. Euro blieben in der Bundeshauptstadt Wien. Nur 205 Mio. Euro kamen nach Oberösterreich. „Im Jahr 2007 gingen noch 800 Mio. Euro vom Bund an Forschungsprojekte und -einrichtungen in Wien, innerhalb von sechs Jahren betrug der Anstieg 50 Prozent“, erklärt dazu IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch: „Alleine die Steigerung um 400 Mio. Euro in Wien ist fast doppelt so groß wie die Gesamtsumme, die nach Oberösterreich überwiesen wird!“ Zwar habe es im selben Zeitraum auch in unserem Bundesland einen Zuwachs von rund 100 Mio. Euro gegeben, in der Bundeshauptstadt war er jedoch etwa viermal so hoch.

„Die Schere zwischen Wien und den Bundesländern öffnet sich also immer weiter“, kritisiert Haindl-Grutsch: „Die Hälfte der Forschungsgelder bleibt in Wien, während die übrigen Bundesländer mit dem Rest abgespeist werden!“ Umgelegt auf die Einwohnerzahlen werden in Wien 687 Euro pro Kopf für Forschung ausbezahlt, in Oberösterreich nur 144 Euro.

Aufgehende Schere
Noch deutlicher entwickelt sich die Schieflage beim Universitätsbudget. Der Hauptgrund dafür ist die sehr unterschiedlich ausgebaute Uni-Infrastruktur. Gemäß der nun auslaufenden Leistungsvereinbarung zwischen Bund und Universitäten wurden zuletzt vom insgesamt 7,4 Mrd. Euro schweren Uni-Budget mehr als vier Mrd. Euro bzw. 55 Prozent in Wien aufgeteilt, magere 4,9 Prozent oder 367 Mio. Euro gingen nach Oberösterreich.

Umgelegt auf die Einwohnerzahlen zahlt der Bund 2.336 Euro pro Jahr in Wien aus, 1.230 Euro in der Steiermark und nur 262 Euro in Oberösterreich. „Vergleicht man die Leistungsvereinbarungen 2007 bis 2009 und 2013 bis 2015, so konnte alleine die Uni Wien einen Zuwachs von 284 Mio. Euro verzeichnen
– nur der Anstieg entspricht damit beinahe dem Gesamtbudget der JKU Linz im ersteren der beiden Vergleichszeiträume“, erklärte dazu IV-OÖ-Vizepräsident Wolfgang Eder, der den Vorsitz im Beirat des neuen Linz Institute of Technology (LIT) an der JKU Linz übernommen hat, anlässlich der bevorstehenden
LV-Verhandlungen.

Ungesunde Schieflage
Das von Eder angesprochene Missverhältnis sei für die Forschung in ganz Österreich höchst ungesund: „Wir brauchen die MINT-Absolventen dort, wo die Industrie ist! Die Forschung findet nicht im 1. Wiener Gemeindebezirk statt, sondern zu einem beträchtlichen Teil am Industrie- und Forschungsstandort Oberösterreich! Wir erwarten daher ein deutliches Signal des Bundes, dass die Produktionsforschung in unserem Bundesland ernst genommen und unterstützt wird.“ Auch für Haindl-Grutsch ist damit bewiesen, dass die Budget-Schere zwischen Wien und den Bundesländern immer weiter auseinandergeht: „Ähnlich wie bei der Forschung verhält es sich nämlich bei den Mitteln für den Arbeitsmarkt, die Differenzen lassen sich nur bedingt mit der höheren Einwohnerzahl der Bundeshauptstadt erklären.“ 2014 flossen 378,2 Mio. Euro nach Wien, aber nur 160,8 Mio. Euro nach Oberösterreich. Das Gießkannen-Prinzip müsse daher laut Wolfgang Eder und Haindl-Grutsch beendet und durch gezielte Schwerpunktförderungen ersetzt werden: „Eine derart dramatische Schieflage bei der Verteilung von Bundesbudgets ist für den Standort Österreich höchst ungesund!“

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