Ungeahnte Möglichkeiten durch Blockchain-Technologie

IV OÖ und EY gaben erste Eindrücke von der Vielfalt möglicher Blockchain-Anwendungen: Fälschungssicherheit, Transparenz und dezentrale Speicherung der Datensätze ermöglichen neue Geschäftsfelder und erweitern das bisherige „Internet of Information“ um das „Internet of Assets“.

Spannend aber in mancher Hinsicht noch als „Black Box“ präsentierte sich das Thema der heute von Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) und EY gemeinsam durchgeführten Veranstaltung aus der Reihe „Industrie im Dialog“. Die Blockchain sei eine neue Technologie, die sich gerade in seiner Aufbruchsphase befindet, wie IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner in seiner Einführung erklärte: „Der Informationsstand zur Blockchain ist vergleichbar mit dem Beginn des Internet-Zeitalters der 1990er-Jahre. Die Anwendungsfelder dieser Technologie sind teilweise noch vage. Es zeichnen sich aber bereits vielfältige Anwendungsmöglichkeiten ab, die das Potenzial haben, in der Wirtschaft, zum Beispiel im internationalen Warenverkehr, in der Politik beispielsweise durch Bürokratieabbau, oder in der Finanzwelt etwa im Bereich der internationalen Geldtransaktionen grundlegende Veränderungen zu bewirken.“

Technisch gesehen ist die Blockchain eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, die mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind und dezentral geführt werden. „Im Wesentlichen handelt es sich bei der Blockchain um ein von allen Usern geteiltes, synchronisiertes, erweiterbares und vor allem verifiziertes sowie unabänderliches Transaktionsbuch“, erläuterte auch Jonas Jünger, MSc von EY Advisory Services in seiner Keynote. Die Technologie ermögliche das sogenannte „Internet of Assets“, in welchem Transfers fälschungssicher und in Echtzeit vollzogen werden. Das bislang bestehende „Internet of Information“ werde damit auf eine völlig neue Stufe gestellt. „Durch die Unabänderlichkeit der Transaktionen ermöglicht die Blockchain neue Geschäftsfelder, von denen wir uns viele heute noch nicht einmal vorstellen können“, so Jünger weiter.

VEREINFACHUNG DURCH BÜROKRATIEENTFALL

Einen ersten Eindruck von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Blockchain vermittelte Jünger anhand von vier Anwendungsfällen, die aktuell schon Realität sind: Die „Wine Supply Chain“ ermöglicht die Rückverfolgung bestimmter Weine über die Produktionsschritte bis hin zum Weinstock, mit „Green Energy Zertifikaten“ wird der grenzüberschreitende Handel von Biogas dramatisch vereinfacht, mittels „Open Government Data“ stellt die Stadt Wien ihren Bürgern öffentliche Nachweise ohne zentrale Autorität zur Verfügung und „Marine Insurance“ stellt ein Beispiel dafür dar, wie das Versicherungswesen im Bereich der internationalen Schifffahrt mithilfe der Blockchain revolutioniert werden kann.

Welche Herausforderungen andererseits mit der neuen Blockchain-Technologie verbunden sind, diskutierte Jünger mit Dipl.-Ing. Gottfried Tonweber, Dr. Ernst Marschner (beide Ernst & Young), MMag. Thomas Breuss (EY, Pelzmann Gall Rechtsanwälte) und dem geschäftsführenden Gesellschafter der Catalysts GmbH, Dr. Christoph Steindl. Dabei wurde klar, dass gerade im Bereich der Sicherheit noch manche Fragen zu klären sind.

Die in einer Blockchain festgeschriebenen Datensätze seien unabänderlich und auch aufgrund der dezentralen Speicherung sicher. Dennoch gelte es, die Plattform an sich und somit das Umfeld der Blockchain zu sichern. Während nicht zuletzt durch den Wegfall sogenannter Mittelsmänner, die aufgrund der Blockchain oft nicht mehr benötigt werden, zahlreiche neue Geschäftsmodelle entstünden, bleibe der Bereich der „Internet Security“ bestehen und sei in weiterer Folge deutlich auszubauen. Welche weiteren Möglichkeiten eben durch den Wegfall von Mittelsmännern noch entstünden, erklärten die Experten am Podium anhand weiterer Anwendungsfälle: Beispielsweise würde die Hotelzimmer-Vermittlung stark vereinfacht, die Führung eines fälschungssicheren Auto-Servicebuches ermöglicht oder im internationalen Warengeschäft die Bürokratie durch den Wegfall des Akkreditivgeschäfts vereinfacht.

Linz, 04. April 2018

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

Bildunterschrift:
(V.l.n.r.): IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner, Mag. Erich Lehner, Dr. Ernst Marschner, Dipl.-Ing. Gottfried Tonweber (alle EY), Dr. Christoph Steindl (Catalysts), Jonas Jünger, MMag. Thomas Breuss (beide EY) und IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch.

Fotocredit: IV OÖ, Abdruck honorarfrei

 

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