Optimismus trotz Unzufriedenheit mit Bundesregierung und Sozialpartnern

Mitgliederbefragung der IV OÖ: Optimismus hinsichtlich Wirtschaftsentwicklung und niedrige Zufriedenheit mit Bundesregierung und Sozialpartnerschaft – Zustimmung mit der OÖ. Landesregierung erlebt Rebound – Das Finden qualifizierter Mitarbeiter, die Arbeitszeitflexibilisierung, der Abbau der Steuerlast und der Bürokratie sowie die Digitalisierung werden als größte Herausforderungen eingestuft

IV OÖ Geschäftsführer DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Der Optimismus in der OÖ. Industrie ist so hoch wie schon lange nicht mehr: Gemäß der seit 2004 jährlich im Rahmen ihrer Ordentlichen Vollversammlung durchgeführten Mitgliederbefragung der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), an der sich kürzlich rund 150 Unternehmer und Spitzenmanager der oberösterreichischen Leitbetriebe beteiligten, wurde die Frage nach der wirtschaftlichen Lage Österreichs in den nächsten 12 Monaten so positiv wie seit dem Hochkonjunkturjahr 2006 nicht mehr beantwortet. 67 Prozent der Industriemanager gehen von einer weiteren Verbesserung aus, 30 Prozent glauben an ein Gleichbleiben und nur 3 Prozent an eine Verschlechterung der Wirtschaftslage. Getrübt wird diese positive Stimmung von der anhaltend desaströsen Unzufriedenheit mit der Bundesregierung: 93 Prozent der Befragten zeigten sich „gar nicht zufrieden“ (77 %) oder „eher weniger zufrieden“ (16 %) mit der Performance des Regierungsteams. Ähnliche (Un-) Zufriedenheitswerte sind bereits in den Mitgliederbefragungen seit dem Jahr 2010 bekannt. „Dabei hat mit der Vorlage des Regierungsprogrammes Neu im ersten Quartal des Jahres durchaus Optimismus um sich gegriffen“, erklärt dazu IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch, „offensichtlich wurden die nach fast zehn Jahren bundespolitischen Stillstandes aufkeimenden Erwartungen nicht erfüllt.“

Mangelnde Problemlösung durch Sozialpartner

Ähnlicher Unmut zeigt sich in der OÖ. Industrie auch hinsichtlich der Sozialpartner, deren Leistungen zur möglichen Lösung der Probleme am Wirtschaftsstandort Österreich nahezu jeden der befragten Manager unzufrieden stimmten. Konkret votierten 95 Prozent der Befragten mit „ganz und gar nicht zufrieden“ (69 %) oder mit „eher weniger zufrieden“ (26 %), nur 1 Prozent (!) gab an, diesbezüglich „sehr zufrieden“ zu sein. „Aus Sicht der oberösterreichischen Firmenchefs besteht also auch in diesem Bereich dringender Handlungsbedarf“, interpretiert Haindl-Grutsch das Umfrageergebnis. Umso mehr darf es in den laufenden Sozialpartnerverhandlungen zur Arbeitszeitflexibilisierung keinesfalls zu schlechten und teuren Kompromissen gegen den Willen der Betriebe kommen, nur um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Das Ergebnis der mangelnden Problemlösungskompetenz auf Regierungs- und Sozialpartnerebene in Österreich sei, dass der Wirtschaftsstandort trotz seiner international erfolgreichen Betriebe im Mittelfeld stagniert. „Österreich braucht ab Herbst eine Bundesregierung, die intensiv an der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes arbeitet, die Staatsverschuldung in den Griff bekommt und die Steuerquote senkt“, so Haindl-Grutsch. Am Ende sei es die Standortkompetenz, die darüber entscheidet, ob die Republik erfolgreich ist und ob ihre Menschen aufgrund der Arbeitsmarktsituation, der Bildungsqualität und der Steuerbelastung wieder Vertrauen in die zukünftige Entwicklung finden.

OÖ. Landesregierung als Vorbild für den Bund

Für den IV OÖ-Geschäftsführer steht fest, dass hierzu die neue Politik von Oberösterreich mit den vorgesehenen Änderungen und neuen Prioritätensetzungen als Vorbild für die Bundesebene herangezogen werden kann. Wie schnell das Vertrauen wieder gestärkt werden kann, zeigen dazu die Ergebnisse der aktuellen Befragung. Noch im Vorjahr hatte die Zufriedenheit der Industriemanager mit dem Wirtschaftsstandort Oberösterreich einen deutlichen Knick nach unten erfahren, jetzt ist sie wieder ins Positive gewechselt. 64 Prozent der Befragten waren nun der Meinung, der Wirtschaftsstandort Oberösterreich sei besser als die übrigen Bundesländer, im Vorjahr lag dieser Wert nur bei 32 Prozent. Diese Bewertung ist als hoher Vertrauensvorschuss zu sehen, dass die neue Landesregierung die notwendigen Reformen in den nächsten Jahren tatsächlich umsetzen kann und wird. Bei der Mitgliederbefragung zeigten sich diesbezüglich 92 Prozent der Manager optimistisch.

Fachkräftemangel wird zur Top-Herausforderung

Welche Herausforderungen werden vor diesem Hintergrund topgereiht, welche Probleme bestimmen in nächster Zeit über die Zukunft der oberösterreichischen Industriebetriebe? Auch dazu gab es von den Managern klare Ansagen: 80 Prozent der Befragten sehen im Finden qualifizierter Mitarbeiter das größte Problem bzw. die größte Herausforderung für ihren jeweiligen Betrieb, 74 Prozent erkennen in der Flexibilisierung der Arbeitszeit und 73 Prozent im Verwaltungsaufwand bzw. bei den Behördenverfahren ein schwerwiegendes Problem. Die Reihung der größten Herausforderungen setzt sich fort mit der Steuer- und Abgabenbelastung (67 %) sowie mit der Digitalisierung (51 %), die mit zunehmender Aufmerksamkeit bedacht wird. „Bezeichnend ist die Topplatzierung für das Finden qualifizierter Mitarbeiter“, meint dazu Haindl-Grutsch: „Mit 80 Prozent, die darin das schwerwiegendste Problem sehen, wurde nun wieder ein Niveau erreicht, wie wir es in der Zeit der Hochkonjunktur vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erlebten. Es ist zu erwarten, dass die damit verbundenen Herausforderungen in den kommenden Jahren weiter zulegen!“ Insgesamt gelte es, das verkrustete System in Österreich aufzubrechen. „Die nächsten Jahre müssen politisch davon geprägt sein, dass die notwendigen Strukturen und Regelungen geschaffen werden, damit Österreich wieder jenen Platz im internationalen Vergleich einnimmt, der ihm aufgrund seiner Menschen und Betriebe möglich ist“, erklärt IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch abschließend.

Linz, 22. Juni 2017

 

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

 

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