Mehr als nur politischer Landesvater

IV OÖ-Präsidium zum heutigen Rücktritt von Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer: „Ein überzeugter Europäer, der Oberösterreich und seinen Menschen in politisch und wirtschaftlich zunehmend schwierigeren Zeiten nicht nur Wohlstand und Sicherheit, sondern auch neue Zukunftsperspektiven vermittelt hat. Die Industrie hätte sich von ihm manchmal etwas mehr Veränderungsbereitschaft gewünscht.“

v.l.: IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner, IV OÖ-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch (Jahresauftakt-PK 2016)

Mit dem heutigen Tag geht die 22-jährige Ära von Dr. Josef Pühringer als Landeshauptmann von Oberösterreich zu Ende. Sein Amtsantritt am 2. März 1995 fiel in die Phase eines umfassenden politischen und wirtschaftlichen Aufschwungs am alten Kontinent, in eine Zeit positiver Veränderungen, die Europa zu einer friedlichen und wohlhabenden Region machten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs (1989) waren vor allem der EU-Beitritt Österreichs (1995) und die spätere EU-Osterweiterung (2004 und 2007) Meilensteine in einer Entwicklung, die unserem Land entscheidende Vorteile brachte: Österreich bekam einerseits durch den EU-Beitritt vollständigen Zugang zum Binnenmarkt und konnte damit die Entwicklung Europas aktiv mitgestalten. Andererseits ließ der Mauerfall samt nachfolgendem EU-Beitritt der osteuropäischen Nachbarländer nicht zuletzt Oberösterreich vom Rand Europas in die Mitte rücken und öffnete damit den Marktzugang in diese Länder. Ein weiterer großer Schritt im europäischen Integrationsprozess erfolgte 2002 mit der Einführung des Euro.

„Dr. Josef Pühringer war in diesen so entscheidenden Jahren mehr als nur politischer Landesvater, er war aktiver Mitgestalter eines neuen Europa, er verstand auch Österreich und „sein“ Oberösterreich als aktiven Teil des europäischen Einigungsprozesses“, resümiert IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner stellvertretend für das Präsidium der Industriellenvereinigung OÖ: „Landeshauptmann Pühringer hat sich als glühender Europäer immer für eine bewusste Weiterentwicklung des Friedensprojektes Europäische Union und der konsequenten wirtschaftlichen Integration Europas eingesetzt. Die Entscheidungen vor allem in der ersten Hälfte seiner Amtszeit bildeten die Basis dafür, dass sich Oberösterreich mehr oder weniger unmittelbar aus der Krise der Verstaatlichten Industrie heraus ab den 1990er-Jahren zu einem global erfolgreichen Industriestandort entwickeln konnte. Die Erschließung neuer west- und osteuropäischer Märkte, forcierte Direktinvestitionen in diesen Regionen wie auch die Internationalisierung der heimischen Betriebe Richtung Asien und Amerika waren zentrale Entwicklungen dieser Jahre, die allesamt von entsprechender politischer Unterstützung begleitet wurden.“

BEGLEITUNG DER INDUSTRIE IN DAS NEUE EUROPA

Viele heutige Erfolge der oberösterreichischen Industrie beruhen auf dieser Zusammenarbeit – nicht zuletzt die Schaffung von Tausenden Arbeitsplätzen, die – entgegen mancher Prognosen – auch dauerhaft gehalten werden konnten. In der Ära der europäischen Integration und der sich öffnenden Märkte nahm aber auch der Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsstandorten europaweit massiv zu. Die dynamische Entwicklung und das damit einhergehende starke Wachstum der Unternehmen machte eine Verbesserung der Rahmenbedingungen des Industriestandortes Oberösterreich erforderlich. „Unser Bundesland vollzog in diesen Jahren sowohl im Bildungs- wie auch im Forschungsbereich rasante Fortschritte“, erklärt Greiner: „Ich denke dabei an den Ausbau der Kinderbetreuung, an den flächendeckenden Ausbau der HTLs, den Aufbau der Fachhochschule OÖ und an die Weiterentwicklung der JKU.“ Auch im Bereich der Straßen- und der Energie-Infrastruktur seien viele heute nicht mehr wegzudenkende Projekte umgesetzt worden. „Zu erwähnen sind hier das Kraftwerk Lambach, die Pyhrnautobahn, die Welser Westspange, die Anbindung Steyrs oder die Mühlviertler Schnellstraße. Landeshauptmann Pühringer hat den dringenden Bedarf einer Realisierung dieser Infrastrukturprojekte erkannt und auch gegen oft heftige Widerstände umgesetzt. Gleichzeitig hat er in dieser Phase aber auch erste Schritte in Richtung schlankerer und effizienterer Verwaltung veranlasst“, betont Greiner.

Insgesamt sei Oberösterreich in diesen Jahren vor der Krise zu einem attraktiven Industriestandort geworden, der Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung in überzeugenden Einklang brachte und als Folge daraus zu einer national wie international viel beachteten Region wurde, geschätzt sowohl als Arbeits- wie auch als Lebensraum. In dieser Phase wurde Österreich selbst in internationalen Medien als Land mit Vorbildcharakter hervorgehoben und Oberösterreich trug dazu als „das“ Industriebundesland mit der niedrigsten Arbeitslosenquote und einem schuldenfreien Landeshaushalt ganz wesentlich bei.

Die Folgen der Krise

Nach der Ära eines historisch außergewöhnlichen Aufschwungs in den 1990er- und 2000er-Jahren kam es im Herbst 2008 infolge der Lehman-Pleite zum Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Damit ging eine grundlegende Veränderung der internationalen und damit auch der nationalen Rahmenbedingungen einher – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Die österreichische Politik ergriff zwar Maßnahmen zur Krisenintervention, unterschätzte aber lange Zeit die Nachhaltigkeit der Folgen und des Systemwechsels. Staaten wie Deutschland, die Schweiz oder die skandinavischen Länder und auch einige europäische Industrieregionen erkannten die Zeichen der Zeit und steigerten durch teilweise zunächst schmerzvolle strukturelle Veränderungen letztlich ihre Zukunftsfähigkeit. „Die IV OÖ hat jahrelang auf diese Entwicklung hingewiesen und entsprechend tiefgreifende Veränderungen in der Finanzpolitik, in der öffentlichen Verwaltung wie auch bei den Zukunftsthemen Bildung, Forschung und Infrastruktur eingefordert“, erklärt IV OÖ-Präsident Greiner. Die Geschwindigkeit der Veränderung unseres Umfeldes habe in den letzten Jahren rasant zugenommen und erfordere eine Politik mit neuen Prioritäten und dem Willen, auch unangenehme Reformen umzusetzen, um im internationalen Standortwettbewerb weiter reüssieren zu können. Hier hätte Oberösterreich aus der Sicht seiner Industrie in den letzten Jahren durchaus mehr Mut und Konsequenz beweisen können. „Die Auseinandersetzung zu diesem Thema wurde zwischen Landesregierung und IV durchaus hart, letztlich aber fair geführt. Mit der Ausarbeitung der gemeinsam mit Landeshauptmann Dr. Pühringer und seinem Team entwickelten Standortagenda sind wir aber zuversichtlich, dass unser Bundesland in den nächsten Jahren auf die Überholspur zurückkehren wird“, so Greiner.

100-prozentiger Einsatz für das Land und seine Menschen

Das Präsidium der IV OÖ gratuliert Dr. Josef Pühringer zu seiner erfolgreichen Amtszeit. Es waren 22 Jahre, die von hundertprozentigem persönlichen Einsatz für das Land und seine Menschen geprägt waren und in denen er es schaffte, „seinem“ Oberösterreich nicht nur Wohlstand und Lebensfreude zu vermitteln, sondern ihm auch in der Bundespolitik genauso wie im Ausland entsprechendes Ansehen zu verleihen. Für die nächste Phase seines Lebens und den damit verbundenen „Unruhestand“ wünscht das IV OÖ-Präsidium dem scheidenden Landeshauptmann Freude, Glück und Erfüllung. „Persönlich wünsche ich dem Menschen Josef Pühringer weiterhin viel Gesundheit und dass ihm die neuen Aufgaben, denen er sich in der nächsten Zeit zuwenden wird, genauso viel Freude bereiten wie seine Jahre als Lenker unseres Bundeslandes“, gratuliert IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner.

Linz, 06. April 2017

 

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

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