Bescheidene Aussichten

FINANZMARKT: Führende CFOs der OÖ. Industrie diskutierten mit JKU-Professor Teodoro Cocca über nationale und globale Aspekte der Finanzpolitik.

V.l.n.r: IV-OÖ-Präsident Axel Greiner, Johann Habring (CFO IFN Holding-AG), Gerald Mayer (CFO AMAG Austria Metall AG), Univ.-Prof. Teodoro Cocca, Peter Haidenek (CFO Polytec Holding AG), Moderator Dietmar Mascher (OÖ Nachrichten) und IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch
Die Gegebenheiten der Weltwirtschaft haben sich seit letztem Jahr kaum verändert: Die Rohstoffpreise sind extrem niedrig, die Zinsen bewegen sich um den Nullpunkt, die Aktienkurse entwickeln sich positiv. „Eigentlich stellt das ein in diesem Ausmaß noch nie dagewesenes Konjunkturprogramm dar. Trotzdem wirkt es nicht“, ortete Teodoro Cocca, Professor für betriebliche Finanzwirtschaft an der JKU Linz, einen Widerspruch zu den Lehrbüchern. Zwar wachse die Weltwirtschaft heuer moderat um 3,4 Prozent, die meisten EU-Staaten lägen jedoch deutlich unter diesem Wert. „Die Situation ist alarmierend, weil selbst massive Interventionen der EZB bisher nur wenig Wachstum generiert haben“, so Cocca.
 
Musterschüler Irland
Ein EU-Staat habe sich aber vom allgemeinen Trend entkoppelt und erlebe nun mit einem Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent einen wahren Boom: „Irland hat nach der Finanzkrise die Lohnstückkosten gesenkt, den Arbeitsmarkt liberalisiert und seine Staatsfinanzen saniert. Diese Maßnahmen wären eine Agenda für viele Staaten in Europa“, betonte Cocca, der damit auch Österreich ansprach. Während nämlich hier das BIP-Wachstum am unteren Ende liegt, ist die Arbeitslosigkeit im EU-Vergleich überdurchschnittlich gestiegen. „Die EZB tut alles und die einzelnen EU-Mitgliedstaaten tun zu wenig“, forderte daher Cocca umfassende Staatsreformen ein. Diese seien umso wichtiger, als der öffentliche Sektor die niedrigen Zinsen intensiv nutzt und die Verschuldung massiv anwächst. Wenn die Zinsen wieder steigen, werde das die öffentlichen Finanzen stark betreffen.
 
Aufholbedarf für Österreich
Auf die oberösterreichischen Industriebetriebe wirken sich die Entwicklungen der Rohstoff-, Aktien- und Geldmärkte unterschiedlich aus, sowohl bei der AMAG als auch bei Polytec wird aber kräftig investiert. „Wir setzen auf Spezialitäten und Know-how“, erklärte etwa AMAG-Finanzvorstand Gerald Mayer die geplanten Investitionen. Ähnlich wie er sieht auch Polytec-CFO Peter Haidenek in der Arbeitszeitflexibilisierung, bei den Lohnnebenkosten und im Bildungsbereich großen Aufholbedarf. Für IFN-Finanzvorstand Johann Habring trägt daneben auch die überbordende Bürokratie zum Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes bei.

IV-OÖ-Präsident Axel Greiner ermahnte daher die Politik, der Realität ins Auge zu blicken und nicht nur über Reformen zu reden, sondern diese auch in Angriff zu nehmen: „Es braucht wieder mehr staatspolitische Verantwortung und öffentliches Verständnis dafür, dass Maßnahmen zur Attraktivität des Standortes gesetzt werden müssen“, betonte Greiner vor den Finanzexperten der OÖ. Industrie.

IV-IconInformationen zum Beitrag


IV-IconVerwandte Themen


Finanzpolitik & Recht

Perfekte Welt?

Laut Papierform stehen die Ampeln für Europas Wirtschaft auf Grün. Tatsächlich bewegen sich aber die meisten BIP-Wachstum...

Finanzpolitik & Recht

Verdrehte Finanzwelt

Zinsen auf Rekordtief, sinkende Rohölpreise, die Abschwächung des Euros und steigende Aktienkurse sollten Europas Realwir...

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild