Europa braucht mehr Industrie!

DISKUSSION Was es braucht, um die schleichende De-Industrialisierung Europas zu stoppen, war die Kernfrage einer Diskussionsveranstaltung von IV-OÖ und Oberbank, bei der auch BUSINESSEUROPE-Präsidentin Emma Marcegaglia und US-Botschafterin Alexa Wesner zu Gast in Linz waren.

Europa braucht mehr Industrie!

Obwohl Industriepolitik allseits propagiert wird, ist Europa weit davon entfernt, seine Industriequote auf das Kommissionsziel von 20 Prozent des BIP bis zum Jahr 2020 anzuheben. „Tatsächlich ist die Industriequote auf 15 Prozent zurückgegangen“, betonte IV-OÖ-Präsident Axel Greiner zum Auftakt der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. Dennoch seien in Europa über direkte und indirekte Beschäftigung mehr als 50 Mio. Arbeitsplätze der Industrie zuzurechnen: „Umso bedenklicher ist es, dass laut World Economic Forum selbst die europäischenSpitzenreiter bei der Wettbewerbsfähigkeit klar hinter den USA zu liegen kommen und nur die wenigsten EU-Staaten wettbewerbsfähiger als aufstrebende Ökonomien in Asien sind.“ Für Wolfgang Eder, voestalpine-CEO und Präsident des Weltstahlverbandes, liegt ein zentraler Grund dafür in der zu niedrigen Investitionsquote, wie er in der Diskussion erklärte: „Im Gegensatz zu allen anderen wesentlichen Wirtschaftsregionen erreichen die Investitionen in Europa nicht mehr das Vor-Krisen-Niveau. Problematisch ist auch, dass die Preise für Erdgas in Europa im Vergleich zu den USA, Indien oder Russland drei- bis viermal, die Strompreise zum Teil mehr als doppelt so hoch wie in den USA und immer noch um 20 Prozent höher als in China sind!“

Überregulierung der Industrie
Auch BUSINESSEUROPE-Präsidentin Emma Marcegaglia attestierte Europa trotz der vorhandenen industriellen Basis eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Schuld daran sei neben den Energiekosten auch die zunehmende Regulierung der Industrie. Deshalb müssten rasch Maßnahmen zur Attraktivierung des Standorts ergriffen werden – etwa durch intensivere Kooperationen mit den USA und Asien oder durch eine  Intensivierung der Forschung: „Während in den USA der Grundsatz ‚innovation first’ gilt, steht in Europa die Regulierung an erster Stelle.“ Auch Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger kritisierte den „Regulierungs- und Belastungstsunami“, der über die Banken hereingebrochen sei. US-Botschafterin Wesner erläuterte, wie die USA die Re-Industrialisierung geschafft hat: „Voraussetzung war ein uneingeschränktes Bekenntnis der US-Regierung zum technologischen Fortschritt, zum Beispiel im Hinblick auf die Breakthrough-Technologie ‚Hydraulic Fracturing’. Niedrige Energie- und Transportkosten waren ebenso wesentlich wie Steueranreize. In den USA wird es jedenfalls
kein Carbon Leakage geben.“

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