Bildung und Beruf: Systemfehler endlich beheben!

Aktuelle Hochkonjunktur macht Mängel am Arbeitsmarkt und im Bildungssystem verstärkt sichtbar – IV OÖ identifiziert sowohl kurzfristige- als auch mittel- und langfristige Maßnahmen zur besseren Abdeckung künftig benötigter Qualifikationen – Änderungen im bestehenden System jetzt umsetzen

Oberösterreich befindet sich dank positiver Entwicklung seiner Industrie in einer Phase der Hochkonjunktur. Neben sprudelnden Steuereinnahmen hat das Konjunkturhoch allerdings auch weniger erfreuliche Effekte – der Fachkräftemangel ist stärker denn je, der Bedarf an qualifiziertem Personal von der Lehre bis zur Hochschule kann nicht annähernd gedeckt werden. Der Standort Oberösterreich kann damit nicht sein ganzes Potenzial entfalten, Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit werden deutlich sichtbar. „Dieser Trend muss einerseits mit kurzfristig wirkenden, praxisnahen Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik beantwortet werden, andererseits braucht es mittel- und langfristig eine Änderung unseres Bildungssystems, damit dieses besser auf die Qualifikationen der Zukunft ausgerichtet ist und Jugendliche jene Berufe wählen, die ein hohes Zukunftspotenzial bieten“, erklärt dazu Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ). Es sei dringend an der Zeit, die Diskussion über unrealistische Bildungsreformen zu beenden und konkrete, rasch umsetzbare Maßnahmen zu ergreifen, um bildungs- und arbeitsmarktpolitisch besser für die Herausforderungen der nächsten Jahre gerüstet zu sein.

VERBESSERUNGEN AM ARBEITSMARKT

Für die OÖ. Industrie steht fest, dass kurzfristig wirkende Maßnahmen vor allem im Bereich des Arbeitsmarktes möglich sind und dass zu allererst von einem bisher zur Anwendung gekommenen Grundprinzip abgegangen werden muss: „Es ist zur schlechten Tradition geworden, dass das Arbeitsmarktservice bei steigender Arbeitslosigkeit höhere Budgets bekommt, diese aber in Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit nicht wieder abgesenkt werden“, so Joachim Haindl-Grutsch. Die aktuelle Aufregung ist dazu ein besonders skurriles Beispiel. Die kolportierten Einsparungen in Höhe von rund 600 Mio. Euro kamen wie folgt zustande: 430 Mio. Euro betreffen die nunmehr gestoppte Aktion 20.000, 50 Mio. Euro werden bei der Integration von Flüchtlingen eingespart, 60 Mio. bei den Fördermitteln für Asylberechtigte und 35 Mio. Euro bei Projekten für Langzeitarbeitslose. „Es handelt sich hier also trotz Hochkonjunktur keineswegs um eine generelle Kürzung des AMS-Förderbudgets“, betont der IV OÖ-Geschäftsführer, obwohl in Zeiten stark sinkender Arbeitslosigkeit auch dieses entsprechend sinken müsste.

Zusätzlich zur budgetären Flexibilität muss auch die Flexibilität der arbeitsmarktpolitischen Instrumente erhöht werden, um schneller und besser auf Konjunktur- und Nachfrageentwicklungen reagieren zu können. „Es darf jedenfalls nicht passieren, dass ein AMS-Jahresbudget weitestgehend verplant wird, obwohl eine Nationalratswahl und die Bildung einer neuen Bundesregierung unmittelbar bevorstehen und zusätzlich dynamische konjunkturelle Veränderungen eintreten. Rasche Reaktionen und die Forcierung neuer Schwerpunkte werden damit verunmöglicht“, betont Haindl-Grutsch. In der aktuellen
Hochkonjunkturphase müsse alles getan werden, um Arbeitsuchende so schnell und effizient wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und an offene Stellen zu vermitteln. Aus Sicht der OÖ. Industrie müssten dazu Beschäftigungsanreize verstärkt und Inaktivitätsfallen beseitigt werden. Überbetriebliche Ausbildungsstätten und sozialökonomische Betriebe dürften bei der Arbeitsplatzvermittlung in dieser Phase jedenfalls nicht an erster Stelle stehen. Für die IV OÖ geht es bei den rasch wirksamen Änderungen im Bereich des Arbeitsmarktes beispielsweise um die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  • Zielgerichtete und effiziente Durchführung von Schnellqualifizierungen im IT-Bereich
  • Forcierung der arbeitsplatznahen Qualifizierung (AQUA)
  • Bedarfsorientierte Um- und Aufschulung insbesondere von Migranten
  • Stärkeres Motivieren von Frauen, sich für MINT-Berufe umschulen zu lassen

MITTEL- UND LANGFRISTIGE HEBEL IM BILDUNGSBEREICH
Während Anpassungen der Arbeitsmarktpolitik kurzfristig umgesetzt werden können, gilt es im oberösterreichischen Bildungssektor, die mittel- und langfristig wirkenden Weichen richtig zu stellen. „In den nächsten Wochen müssen die Chancen genützt werden, die sich durch die Neuaufstellung der Bildungsdirektion im Land ergeben“, nennt Joachim Haindl-Grutsch ein Beispiel dafür. Im bestehenden System könnten erhebliche Verbesserungen erzielt werden, indem ein Führungsteam etabliert wird, das die Kompetenz und den Willen hat, positive Veränderungen einzuleiten und sich dabei an internationalen Standards zu orientieren. Der Hebel auf die oberösterreichische Bildungslandschaft sei ein wesentlicher, wie Haindl-Grutsch erklärt: „Die personelle Trennung der Funktionen des Bildungsdirektors und des Gewerkschaftschefs ist eine grundlegende Voraussetzung, um neue Wege im oberösterreichischen Bildungssystem zu gehen und damit einen nachhaltigen Impuls zur Verbesserung der Standortqualität Oberösterreichs zu erzielen!“
Im oberösterreichischen Bildungssystem gibt es darüber hinaus eine ganze Reihe von Maßnahmen, die von der OÖ. Industrie als besonders wichtig erachtet werden:

  • Volksschule: Qualitätsoffensive in den Volksschulen mit dem Ziel der Beherrschung der Grundkulturtechniken am Ende der Primarstufe
  • Neue Mittelschule: Rasche Überarbeitung des NMS-Konzeptes mit dem Ziel, das Image und die Qualität der Ausbildung zu erhöhen
  • Professionalisierung der Bildungs- und Berufsorientierung und Berücksichtigung aktueller Informationen über die zukünftigen Bedarfe der Wirtschaft, Vermittlung von zeitgemäßem Technik- und Wirtschaftswissen in allen Schulstufen
  • Lehre: Etablierung der dualen Ausbildung als gleichwertige Alternative zur höheren Schulausbildung und Forcierung einer verkürzten, separaten und hochwertigen Lehre nach der Matura als Alternative zum Hochschulstudium
  • HTL: Rasche Umsetzung des Projektes „Neue HTL für Digitalisierung“ in der Tabakfabrik Linz und kontinuierliche Weiterentwicklung aller HTLs gemäß den neuen technologischen Anforderungen in den verschiedenen Fachgebieten
  • Pädagogische Hochschulen: Qualitätsoffensive an den PHs und stärkere Vernetzung mit der Wirtschaft in der Ausbildung (z.B. verpflichtende Praktika in Betrieben), um die Ausbildung der Lehrkräfte besser und aktueller zu gestalten
  • FH OÖ: Fortsetzung der Expansion der Fachhochschule OÖ in den MINT-Studiengängen
  • JKU: Fortsetzung des Erfolgsweges der Johannes Kepler Universität Linz mit weiterer Attraktivierung des Campus und dem Ausbau des LIT

Linz, 14. März 2018
Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild