Wirtschaftsunwissen öffnet Populismus die Tür

Zwei Drittel der Oberösterreicher halten ein größeres Wirtschaftswissen in der Bevölkerung für wünschenswert, 52 Prozent bräuchten selbst mehr Wissen, um Politiker-Entscheidungen beurteilen zu können – „Industrie im Dialog“- Veranstaltung ging dem herrschenden Wirtschafts(un)wissen in Oberösterreich auf den Grund

V.l.n.r.: IV OÖ-Ehrenpräsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner, Dipl.-Ing. Peter Bruckmüller (Geschäftsführer Spectra Marktforschung) und Dr. Stefan D. Haigner (GAW Institut)

Demonstrationen gegen Freihandelsabkommen und klassenkämpferische Kapitalismuskritik kommen in Mode, gleichzeitig ist das Wirtschaftswissen in unserer Gesellschaft nur sehr schwach ausgeprägt. Dieser Mangel öffnet dem Populismus Tür und Tor und gefährdet das Fundament des Wohlstandes eines Industrielandes wie Oberösterreich. Die IV OÖ ging daher in einer Dialog-Veranstaltung der Frage auf den Grund, wieviel Wirtschafts(un)wissen unsere Gesellschaft prägt. Die Basis dazu lieferte eine repräsentative Studie, die im Auftrag der IV OÖ von Spectra Marktforschung durch die Befragung von 800 Oberösterreichern erhoben wurde. Demnach erkennen 66 Prozent der Oberösterreicher in der Bevölkerung ein Defizit im Wirtschaftswissen und immerhin 52 Prozent bei sich selbst. „Sie sind jedoch nur bedingt bereit und in der Lage, etwas dagegen zu tun, fordern aber von den Schulen die verstärkte Berücksichtigung im Unterricht, nicht zuletzt, weil man der Meinung ist, dass die Materie zu kurz kommt“, erklärt dazu Spectra-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Peter Bruckmüller.

Handelsabkommen würden grundsätzlich positiv gesehen, nicht zuletzt aufgrund des geringen Wirtschaftswissens sollte die Kommunikation aber einfacher und „barrierefrei“ sein, wie er meinte. Bemerkenswert sei nämlich, dass immerhin 63 Prozent der Bevölkerung Handelsabkommen für eine „gute Sache“ halten, die Zustimmung aber auf 40 Prozent zurückfällt, sobald die Einstellung zu „FREI-Handelsabkommen“ abgefragt wird. Die positive Grundstimmung gegenüber Handelsabkommen im Allgemeinen resultiere laut Bruckmüller aus dem Bewusstsein, dass durch Handelsabkommen der Export gefördert wird und dieser wiederum Wohlstand und Arbeitsplätze schafft. Auffällig ist auch, dass die Freihandelsabkommen CETA und TTIP namentlich 87 Prozent der Oberösterreicher bekannt sind, sich allerdings 82 Prozent der Bevölkerung eingestehen, nicht oder nur mangelhaft darüber Bescheid zu wissen. Aus dieser Unwissenheit heraus wird allerdings ein mehrheitlich negatives Urteil über diese Freihandelsabkommen abgegeben.

Unwissenheit führt zu Stammtisch-mentalität

Genau darin besteht für IV OÖ-Präsident Dr. Axel Greiner auch ein zentrales Problem: „Es zeigt sich, wie wichtig es ist, über den Tellerrand hinaus zu denken, sich Wissen anzueignen und es auch anwenden zu können. Unwissenheit führt nämlich – wie die Umfrageergebnisse beweisen – zu Stammtisch-Mentalität.“ Daher sei es umso wichtiger, in der Schule die Vermittlung von Wirtschaftswissen zu forcieren und diese von Ideologien frei zu halten. „Viele aktuelle Geographie- und Wirtschaftskundebücher sind diesbezüglich veraltet, ideologisch belastet und insgesamt zu wirtschaftsfeindlich“, so Greiner, der diesbezüglich auch von Dr. Stefan Haigner (GAW Institut) – Autor einer aktuellen Analyse von 57 Schulbüchern aus Geographie und Wirtschaftskunde der 5. bis 8. Schulstufe – Unterstützung bekam. Der Handel werde grundsätzlich negativ dargestellt, gleichzeitig werde die Industrie durchwegs mit Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung in Verbindung gebracht. „Diese Einstellung zieht sich durch alle Altersschichten und Bildungsniveaus in der Bevölkerung“, so Haigner, der deshalb auf die mangelnde Wirtschaftskompetenz der Schulbücher hinwies.

IV OÖ-Ehrenpräsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger ging sogar noch einen Schritt weiter und führte die negative Einstellung gegenüber Handel und Unternehmertum nicht nur auf die Schule, sondern auf die gesamte Gesellschaft zurück: „In kaum einer Krimiserie kommt ein Unternehmer vor – und wenn doch, ist er immer der Täter“, kritisierte Pöttinger diese Form der gesellschaftlichen Indoktrination, die in Österreich langfristig ihre Wirkung zeige.

Greiner fand am Umfrageergebnis besonders interessant, dass nur 3 Prozent der Bevölkerung angaben, gut über TTIP und CETA informiert zu sein, was ein klarer Ausdruck von Orientierungslosigkeit sei und von zahlreichen NGOs für deren ideologische Positionierung genützt würde. „Wir brauchen wieder mehr Sachlichkeit“, forderte daher der IV OÖ-Präsident, der auch das Vorherrschen von Schwarz-Weiß-Bildern und Pauschalurteilen bemängelte.

Schulen mangelt es an wirtschaftsfachwissen

Stefan Haigner vom GAW Institut erklärte dazu, die Schwarz-Weiß-Bilder würden nicht zuletzt auch von den Lehrern in den Schulen kommuniziert. „Der Lehrplan würde durchaus Raum bieten, den Unterricht umfassend zu gestalten. Dazu braucht es aber unternehmerische Kompetenz, die leider vielfach fehlt.“ Die Lehrbücher werden von Lehrern verfasst und von einer aus Lehrern bestehenden Kommission approbiert. Im Mittelpunkt steht dabei die pädagogisch-didaktische Kompetenz und nicht das Wirtschaftsfachwissen. Neben der Schule seien laut Haigner auch die Familie, Politik, Medien und Unternehmen aufgefordert, für mehr Wirtschaftswissen zu sorgen.

IV OÖ Ehrenpräsident Klaus Pöttinger definierte es daher als eine Aufgabe der Industrie, am Zurechtrücken von Fehlmeinungen in der Bevölkerung mitzuwirken und wirtschaftliche Zusammenhänge spannend und zugleich realistisch darzustellen. Die einseitige Indoktrination der Schüler müsse beendet werden, meinte auch Axel Greiner: „Die Schule trägt eine hohe Verantwortung für unsere Jugend und unsere Gesellschaft. Was in 12 Jahren kaputt gemacht wird, ist später nie wieder aufzuholen!“

Linz, 06. April 2017

 

Pressekontakt:
Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / joachim.haindl-grutsch@iv.at

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